Hamburg - Das Waliser Elektronik-Duo Man Without Country veröffentlichte in der zweiten Januarhälfte sein neues Album "Maximum Entropy" und qualifiziert sich damit direkt für die Alben-Bestenlisten des noch jungen Jahres.

Der Sound von Man Without Country (MWC) wird oft mit den Pet Shop Boys und (besser passend) mit M83 verglichen. Dass sie auf "Maximum Entropy" zudem Beloveds "Sweet Harmony" covern und Musik-Blogs ihre Songs treffender Weise als "Intelligent Wide Screen Pop" bezeichneten, gibt einen guten ersten Eindruck des musikalischen Schaffens der Band, ohne MWC damit vollständig gerecht zu werden.

Im Jahr 2012 veröffentlichte das Duo sein überzeugendes und im Prinzip bereits makelloses Debütalbum "Foe". Gut gefiel schon bei "Foe", dass MWC nicht unbedingt gefallen wollten. Die Songs waren nicht selten von melancholischer bis düsterer Stimmung und die überirdisch anmutenden Klangteppiche wurden häufig dominierend in den Vordergrund gemischt.

Auf Stücken wie zum Beispiel "Migrating Clay Pigeon" ließen sie zudem, anstatt den Song einfach nach vier Minuten zu beenden, die Synthesizer noch eine weitere Minute lang vor sich hindröhnen. Der Einsatz von originellen und ausgefallenen Sounds war der Band schon damals wichtiger als die unbedingte Gefälligkeit oder Radiotauglichkeit eines Songs.

Auf ihrem aktuellen zweiten Album sind MWC diesem Konzept weitgehend treu geblieben. Die Produktion bewegt sich auf dem hohen und detailverliebtem Niveau des Debüts. Den ausgefeilten Klängen wird erneut viel Raum gelassen und nicht selten haben die Songs epische Soundtrack-Qualität. Allerdings ist ihr aktueller Longplayer vielseitiger als der Erstling geraten und enthält sogar den einen oder anderen potentiellen Hit ohne dabei ins Beliebige abzudriften.

Mit "Entropy", dem zweite Stücke ihres neuen Albums, knüpfen MWC beispielsweise nahtlos an ihre "Foe"-Phase an. Der Song ist schön-dramatisch gegen den Strich gebürstet, die Synthesizer blubbern bedrohlich, die Drums schlagen theatralisch um sich und die flüsternde Stimme des Sängers wird gemein durch einen Filter gedreht. Ein Stück, auf das M83 zu seiner "Before The Dawn Heals Us"-Phase stolz gewesen wäre.

Der darauf folgende Song "Laws Of Motion" ist hingegen zuckersüß geraten, setzt auf einige cheesy 80er-Soundefffekte und macht aus dem Duett von Gastsängerin Morgan Kibby und MWC-Sänger Ryan James einen eingängigen, aber durchaus clever komponierten Hit. Auch das können MWC - wenn sie wollen.

"Catfish", der siebte Track des aktuellen Albums, wurde bereits 2013 auf einer EP veröffentlicht und ist sicherlich das Tanzbarste, was die Band bisher ablieferte. Mit seiner clubkompatiblen Taktzahl, seinen leicht retro-gefärbten Sounds und den eingängigen Vocals steigert sich das Stück von Minute zu Minute und würde ohne jegliche Überarbeitung auch in einem aktuellen DJ-Set und auf der Tanzfläche gefallen.

Insgesamt sorgen der Ideenreichtum, die vielen Stimmungs- und Richtungswechsel selbst innerhalb eines einzigen Songs und die detailverliebte Produktion dafür, dass das neue Album von MWC auch nach häufigem Hören spannend bleibt.

"Maximum Entropy" und auch "Foe" werden noch in vielen Jahren, für aktuelle elektronische Produktionen nicht unbedingt selbstverständlich, relevant und interessant klingen. Im Februar sind MWC erneut in England auf Tournee, um ihren neuen Longplayer zu bewerben. Mit ihrer langjährigen Tour-Erfahrung und den neuen Songs im Gepäck beweisen sie dort hoffentlich, dass sie ihre Fans auch jenseits des Studios begeistern und bewegen können.