Berlin - Country-Rock, vor fast 50 Jahren von Leuten wie The Byrds, Gram Parsons oder Buffalo Springfield erfunden, riecht mittlerweile schon etwas streng. Aber es gibt dann doch immer wieder Bands wie Sons Of Bill, die das Genre neu beleben.

Das US-Quintett um die Brüder Sam, Abe und James Wilson aus Charlottesville/Virginia verschmilzt auf "Love And Logic" (Thirty Tigers/Alive), dem vierten Studiooalbum seit 2006, seine Einflüsse zu einem Opus magnum, wie es der Country-Rock heute nicht mehr oft zu bieten hat. Großen Anteil dürfte Produzent Ken Coomer haben, den manch einer womöglich noch als Drummer von Uncle Tupelo und der frühesten Wilco-Inkarnation kennt.

"Dies ist eine Platte, die mich an die kreativen Höhepunkte zurückdenken lässt, die wir damals mit Wilco erlebt haben", sagt Coomer, der bis zum Jahr 2000 bei Jeff Tweedys Projekt mitmachte und auch auf deren erstem Meisterwerk "Being There" (1996) trommelte. Mit Sons Of Bill hat er nun eine hochtalentierte Truppe um sich geschart, die den noch stärker Roots-orientierten Sound der 90er-Jahre-Wilco, die herrlichen Harmoniegesänge von The Jayhawks oder The Eagles, die Knarzigkeit der frühen R.E.M. und die Folkballaden-Kunst eines Townes Van Zandt bündelt.

Während der Opener "Big Unknown" und anschließend "Brand New Paradigm" mit schwelgerischen Melodien zu einer Cabrio-Fahrt über den US-Highway 101 einladen, entpuppen sich "Road To Canaan" und "Fishing Song" als introvertierte, zärtliche Balladen. "Lost In The Cosmos" steigert sich mit viel Klavier, Pedal-Steel- und E-Gitarren-Einsatz zu einer mächtigen Country-Pop-Hymne, und "Bad Dancer" ist ein knackiger Geradeaus-Rocker zum Mitsingen.

Auch die zweite Hälfte dieser gelungenen Platte bleibt ohne Durchhänger und bietet mit dem passend betitelten "Hymnsong" zum Abschluss ein Highlight im Stil von Simon & Garfunkel. Nochmal Produzent Coomer, zur Zeitlosigkeit des Sounds von Sons Of Bill: "Ich bin nur an Platten interessiert, die auch in zehhn Jahren noch relevant sein können, und dies ist eine davon." Der US-"Rolling Stone" sah es ähnlich und kürte "Love And Logic" zu einem "klassischen Roots-Rock-Album für moderne Zeiten".

Konzerte im Februar: 7.2. Hamburg, Molotow Bar, 8.2. Berlin, Bang Bang Club, 9.2. München, Ampere, 10.2. Köln, Luxor