"Kiss me, Kate" ist ein turbulentes Musical um Liebe und Eifersucht. Am Sonnabend hatte es Premiere am Theater der Altmark.
Stendal l In Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" fliegen bekanntlich die Fetzen. Katharina und Petruchio liefern sich regelrechte Schlachten. Ihre Waffe ist vorwiegend die scharfe Zunge, er setzt auch handfestere Argumente ein, wie zum Beispiel Essensentzug. Was passiert, wenn zwei Schauspieler in diesem Stück zusammen auf der Bühne stehen und in einen echten Streit miteinander geraten?
1935 soll das einem amerikanischen Schauspieler-Ehepaar wahrhaftig so ergangen sein. Stoffvorlage für Bella und Samuel Spewack. Ihr "Kiss me, Kate" wurde 1948 zu einem großen Broadway-Erfolg. Die Musik lieferte Cole Porter.
"Kiss me, Kate" handelt von einem Stück im Stück und ist dementsprechend im Schauspielmilieu angesiedelt. Zusätzlich kommt ein wenig Unterwelt drin vor, denn zwei Gangster machen die Verwirrung und das Chaos komplett.
Die Aufführung "Der Widerspenstigen Zähmung" steht kurz vor der Premiere. Regisseur und Produzent Fred Graham selbst spielt die männliche Hauptrolle. Seine Ex-Ehefrau Lilli Vanessi die weibliche Gegenspielerin. Natürlich ist das von Anfang an keine gute Idee gewesen! Zwei leidenschaftliche Schauspieler, die noch Gefühle füreinander hegen und dementsprechend eifersüchtig reagieren als Katharina und Petruchio zusammen auf einer Bühne?
Als Lilli erfährt, dass ihr Ex der jungen Lois Blumen schickt, spitzt sich alles zu. Denn die Kollegin Lois ist eine vielversprechende, attraktive Blondine. Nur liegt ihre Begabung offensichtlich nicht im schauspielerischem Bereich ...
Und so kommt es, wie es kommen muss: Der gespielte Streit ist keiner mehr, hier wird echt gebissen, geprügelt und beschimpft. Die armen Kollegen stehen verwirrt und machtlos daneben und versuchen zu retten, was zu retten ist.
Das Stendaler Publikum hat sich prächtig amüsiert. Maja Müller als Lilli und Alexander Leistritz als Fred sind zwei sehenswerte "Streithähne". Müller ist greifbar eifersüchtig, wütend und kratzbürstig. Leistritz gibt den Fred zunächst mehr verwundert, dann zunehmend wehrhafter.
Sören Ergang und Mathias Kusche (die beiden Gangster, die von ihrem Boss geschickt wurden, um Schulden einzutreiben) sind wunderbar klischeehaft in Gesten und Sprache, ihr gesungenes "Sag es mit Shakespeare" ein regelrechter Publikumsliebling. Regisseur Manfred Ohnoutka hat seine Inszenierung bis in die Nebenrollen gut besetzt, was sich auszahlt. Ob es nun Jan Kittmann als Bill mit dem Lied "Viel zu heiß", Mandy Marie Mahrenholz als sexy Lois oder Bernd Marquardt als Harry mit defekter Zahnbrücke ist ... Sie und alle anderen, die hier nicht erwähnt werden können, ziehen das Publikum in den Bann.
Und kaschieren somit Schwächen, die dieses Musical an sich - und ein wenig auch diese Inszenierung selbst - hat. Die Musik kann nicht mit anderen Musicals mithalten. Es ist kein sogenannter Ohrwurm dabei, kaum ein Lied bleibt "hängen". Daran ändern auch nichts die Brandenburger Symphoniker, die sich der musikalische Leiter Gero Wiest zur Unterstützung geholt hat. Der Klang war toll, aber als Begleitung für Musical-Sänger auf der Bühne eigentlich zu laut.
Und inhaltlich lässt nicht nur das Ende den Zuschauer einigermaßen verwundert zurück. Neben anderen Ungereimtheiten bleiben zum Beispiel die Motive für das Handeln der Hauptcharaktere im Dunklen verborgen.
Trotzdem: Das Premierenpublikum im Theater der Altmark war vom Gesamterlebnis begeistert und bedankte sich für dieses amüsante und kurzweilige Musiktheater mit stehenden Ovationen.
Weitere Vorstellungen: 10. und 31. Dezember
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