Frankfurt/Main (dpa) - Ob heimische Blumen und Schmetterlinge oder exotische Reptilien: Maria Sibylla Merian hat Flora und Fauna in ihren Illustrationen stets mit größter Detailtreue festgehalten.

Sie war aber nicht nur eine meisterhafte Kupferstecherin und Malerin, sondern auch Insektenforscherin. Als eine der ersten Frauen überhaupt hat sie wissenschaftlich die Natur erkundet - zuletzt auf einer Südamerikareise. Daneben war sie auch noch Unternehmerin, Lehrerin und Mutter.

Vor 300 Jahren - am 13. Januar 1717 - ist Maria Sibylla Merian im Alter von 69 Jahren gestorben. Nach einem wechselvollen Leben fand die Pionierin, die aus einer großen Frankfurter Künstlerfamilie stammte, an ihrem letzten Wohnort in Amsterdam nur noch Platz in einem Armengrab.

Bereits als junges Mädchen hat sie - angeregt auch durch Erkundungen im elterlichen Garten - Blumen und Insekten gezeichnet. Vater Matthäus Merian, der aus Basel stammte und 1616 nach Frankfurt kam, war ein berühmter Kupferstecher und Verleger. Seine hochbegabte Tochter, am 2. April 1647 geboren, entstammte seiner zweiten Ehe.

Mit 13 Jahren beginnt sie, das damals weitgehend noch unbekannte Leben von Seidenspinnern und anderen Schmetterlingen zu erforschen. Frankfurt galt damals als eines der Zentren des europäischen Seidenhandels. Wie in anderen freien Reichsstädten waren es Kaufleute wie die Merianfamilie, die die Emanzipation des Bürgertums vorantrieben.

Im Alter von 18 Jahren heiratet Maria Sibylla den Maler Johann Andreas Graff, mit dem sie dann fünf Jahre später in dessen Heimatstadt Nürnberg zieht. Dort entsteht ihr "Neues Blumenbuch". Dem folgt "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung", in dem sie alle Entwicklungsstadien von Schmetterlingen festhält.

1682 kehrt die Familie nach Frankfurt zurück. Drei Jahre später scheitert ihre Ehe: Die eigenwillige Merian verlässt ihren Mann und schließt sich mit den beiden Töchtern einer streng pietistischen Gemeinde im niederländischen Friesland an. 1691 siedelt sie nach Amsterdam um.

Das größte Abenteuer in ihrem unruhigen Leben steht ihr aber noch im reifen Alter von 52 Jahren bevor: Im Februar 1699 verkauft sie einen Großteil von Hab und Gut und bricht zusammen mit der jüngeren Tochter nach Surinam in Südamerika auf, das damals niederländische Kolonie war. Ihre Forschungen in den Tropenwäldern - Merian gilt als erste Naturkundlerin in Übersee - hätte sie jedoch beinahe mit dem Leben bezahlt. An Malaria erkrankt, kehrt sie von der Karibikküste zwei Jahre später vorzeitig nach Amsterdam zurück.

Im Koffer bringt sie aber eine Vielzahl von präparierten exotischen Insekten, Pflanzen oder Reptilien mit. Ihr daraus entstandener Prachtband "Metamorphosis Insectorum Surinamensium" sollte dann endgültig ihren Weltruhm begründen - unter Naturwissenschaftlern wie Kunsthistorikern.

Reich geworden ist Merian mit ihren Werken allerdings nicht. Sie musste sich und ihre Kinder als Lehrerin und mit dem Handel von Farben sowie dem Verkauf von präparierten Schmetterlingen über Wasser halten. Dafür hat dann 250 Jahre später die Bundesrepublik ihr Porträt auf dem 500-Mark-Schein verewigt. Außerdem haben etliche Pflanzen und Insekten ihren Namen erhalten - und natürlich zahlreiche Schulen.

Im Jubiläumsjahr wird Merian gleich mehrfach gewürdigt. Den Auftakt macht zum Todestag am Freitag (13. Januar) eine Ausstellung im Museum in Wiesbaden, das seit dem 19. Jahrhundert einen bedeutenden Teil der Sammlung Merians besitzt. Gezeigt werden unter anderem die Tierpräparate, die die Forscherin einst aus Surinam mitgebracht hat und die nur selten ausgestellt werden.

Das Frankfurter Städel beleuchtet dann im Oktober die kunsthistorische Seite Merians. Schwerpunkt der Ausstellung sind ihre Pflanzendarstellungen. In Amsterdam wird im Juni die internationale "Maria Sibylla Merian Society" eine Tagung zum Wirken der Naturforscherin organisieren.

Merian-Ausstellung in Wiesbaden

Geplante Merian-Ausstellung im Frankfurter Städel

Internationale Konferenz der Merian Society in Amsterdam

 

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