Burg/Genthin l Im März dieses Jahres fährt ein Pkw die Zerbster Straße in Burg entlang in Richtung Zentrum. Ein achtjähriges Mädchen läuft ohne zu gucken auf die Fahrbahn, um ihren Schulbus noch zu erwischen. Der Autofahrer streift das Mädchen, schlimmeres passiert allerdings nicht. Ein halbes Jahr später wird ein 15-jähriger Schüler in einen Unfall verwickelt, weil er mit seinem Rad die Vorfahrt an der Kreuzung in der Genthiner Schulstraße missachtete. Auch hier blieb es bei leichten Verletzungen. Es sind zwei Beispiele von insgesamt sechs Unfällen mit Beteiligung von Schulkindern zwischen Januar und Juli dieses Jahres. Ein Ergebnis, das sich nicht wiederholen sollte.

Mit Hilfe der Regionalbereichsbeamten hat das Polizeirevier Jerichower Land nach den Sommerferien die Kontrolle der Schulwege intensiviert. „In dieser Form konnten wir das zum ersten Mal machen“, sagt Revierleiter Christian Fenderl. Zwischen Ende August und Mitte Oktober haben die Polizisten insgesamt 87-mal vor den Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien kontrolliert. Jeweils zwei Beamte waren teilweise mit dem Ordnungsamt an den Schulen, um den Verkehrsfluss zu regeln, die Ausschilderung zu kontrollieren oder auch um die Eltern zu maßregeln. „Viele Eltern versuchen ihre Kinder fast bis in die Schule zu fahren und das funktioniert natürlich nicht“, erklärt der Revierleiter.

Ein Beispiel ist die Grundschule in Möser. Hier wurde bei den Kontrollen oft die Einbahnstraßenregelung missachtet oder das Parkverbot an der Bushaltestelle nicht beachtet. „Hier kam es häufiger vor, dass die Kinder vom Bus oder vom parkenden Auto durch die anderen Autos über die Straße gelaufen sind, und das ist eine Situation, die wir nicht haben wollen“, betont Fenderl und appelliert an die Eltern. Denn die Gründe für Gefahrenmomente waren eher Verhaltensfehler als bauliche Hindernisse. Dennoch sei das Ergebnis der Kontrollen zu Schuljahresbeginn ein erfreuliches. Denn ein Unfall im Schülerverkehr hat sich nicht ereignet. „Ohne die Regionalbereichsbeamten wären die Kontrollen in dieser Konsequenz nicht möglich gewesen“, so der Revierleiter. Diese haben dabei auch die Gurtpflicht und die Einhaltung der Geschwindigkeit kontrolliert. Teilweise waren sie zudem bei den ersten Elternversammlungen mit dabei.

Eine zumindest optische Konsequenz hat es durch die Kontrollen bereits an einer Bushaltestelle in Gommern gegeben. Dort wurde wie auf einem Bahnsteig eine weiße Linie gezogen, um die Kinder vorm Bordstein fernzuhalten. „Die Busse fahren dort immer sehr nah ran“, begründet Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

Jede Schule habe bei den Kotrollen ihre Eigenarten offenbart. Ist es in Genthin eher die zu hohe Geschwindigkeit, die die Polizei anprangert, sind es in Genthin die unvorsichtigen Radfahrer sowie in Möser das Parkproblem. „Schwerpunkte gibt es nicht“, betont auch Kriebitzsch. Konzentriert hat sich die Polizei in diesem Jahr vor allem auf die großen Schulen des Landkreises. Hier sieht der Revierleiter aber noch Steigerungsbedarf. „Mit unseren Kontrollen wollten wir flächendeckend im ganzen Landkreis präsent sein, das ist uns leider nicht ganz gelungen“, fasst Fenderl zusammen. Potenzial, was für die nächsten Jahre noch ausgeschöpft werden kann. Denn für 2016 seien erneute intensive Schulwegkontrollen als Ziel formuliert. „Nach den Weihnachts- und den Sommerferien werden wir die Schwerpunkte setzen, weil die Schüler dann immer eine gewisse Zeit nicht in der Schule waren“, konkretisiert Kriebitzsch. Natürlich werde aber auch zwischendurch in unregelmäßigen Abständen kontrolliert.

Das sei notwendig, weil es oft beim Falschparken auch Nachahmereffekte gebe. Darum empfiehlt der Polizeisprecher: „Gehen Sie die Strecke mal aus dem Blickwinkel ihres Kindes ab, das nicht über eine Auto gucken kann. Jedes Auto, das falsch parkt, stellt eine Gefahrenquelle dar“, so Kriebitzsch.