Burg/Genthin l 460 gemeldete Norovirus-Erkrankungen wurden im vierten Quartal des vergangenen Jahres an das Gesundheitsamt des Landkreises gemeldet. Und damit mehr als dreimal so viel wie im Jahr 2015 (149). Und das ist noch nicht mal alles. „Die reale Erkrankungsfallzahl ist höher, da letztendlich nicht alle Fälle zur Meldung kommen“, erklärt Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann.

Grund für den enormen Anstieg im Jerichower Land sei eine Vielzahl von Ausbruchsgeschehen in Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere in Kitas. Zudem sei der Norovirus ein hochinfektiöser Krankheitserreger und damit sehr ansteckend. „Darüber hinaus haben alle Viren die Eigenschaft, sich durch Veränderungen dem Zugriff des menschlichen Immunsystems zu entziehen und dadurch ihre krankmachende Wirkung zu erhöhen“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Die Betroffenen klagen über Durchfall und Erbrechen sowie Bauchschmerzen, Übelkeit und körperliche Abgeschlagenheit. Der Krankheitsbeginn erfolgt schlagartig. Oftmals führt der hohe Flüssigkeitsverlust auch zu Kreislaufproblemen bis hin zum Kreislaufkollaps.

19 Patienten im Krankenhaus

Im schlimmsten Fall droht ein Aufenthalt im Krankenhaus. Seit September vergangenen Jahres gab es in der Burger Helios Klinik 19 nachgewiesene Fälle der Brech-Durchfall-Erkrankung. Fünf Patienten mehr als noch im Jahr 2015. Derzeitig werden noch drei Patienten mit positivem Norovirus-Nachweis in der Klinik behandelt. „Die Zahl der Patienten ist aber für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich“, sagt Pressesprecherin Katja Boese.

Eine besondere Tücke der Krankheit ist die Ansteckung über Erbrochenes. „Hier bildet sich ein Aerosol, welches hochansteckend ist und beim Beseitigen ganz schnell zu Infizierungen führen kann. Mundschutz, Handschuhe und ein vollwirksames Desinfektionsmittel sind dementsprechend der Mindeststandard“, heißt es aus dem Gesundheitsamt des Landkreises.

Hat man sich mit dem Virus infiziert, ist es wesentlich, dass bei Durchfallerkrankungen der Besuch der Kita und der Schule unterbleibt. „Außerdem ist eine Arztvorstellung zur weiteren Abklärung erforderlich“, betont Kreissprecherin Hopf-Koßmann. Gemeinschafts- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser müssen in ihren Hygieneplänen auch Verfahrensweisen für Norovirus-Infektionen festlegen.

So geschieht es auch im Burger Krankenhaus. Patienten, bei denen bei der Aufnahme in der Klinik ein Verdacht auf eine infektiöse Durchfallerkrankung besteht, werden vorsorglich isoliert und auf diese Infektion getestet. „Bei einem positiven Noroviren-Nachweis gelten für Mitarbeiter und Besucher spezielle Hygienemaßnahmen – am wichtigsten dabei ist die Händedesinfektion für alle Personen, die mit dem Patienten in Kontakt kommen“, erklärt Katja Boese. Außerdem werde ein Mund-Nasen-Schutz und entsprechende Schutzkleidung wie Handschuhe verwendet. „Die Übertragung erfolgt auf direktem oder indirektem Wege. Schon eine geringe Anzahl reicht aus, um Noroviren zu übertragen. Alle Mitarbeiter erhalten deswegen regelmäßig Schulungen zu den hygienischen Maßnahmen“, betont Andrea Hünecke, Hygienefachkraft der Helios Klinik Jerichower Land.

Zahlen auf ähnlichem Niveau

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld sind mit 437 Fällen seit Oktober 2016 die Zahlen ähnlich hoch. Doch nicht nur das Norovirus scheint zum Ende des vergangenen Jahres in den Landkreisen zugeschlagen zu haben. Nach Zahlen des Robert-Koch-Institutes haben auch die Grippezahlen Rekordwerte erreicht. Mit 384 Erkrankungen waren es im Jerichower Land die höchsten bisher registrierten Werte. „Statt eines erhofften Rückgangs der Grippezahlen wurden vor allem im Norden des Bundeslandes neue Rekordwerte registriert“, sagt Thomas Nawrath von der Barmer.