Burg l Ein neuer Fußboden, frische sanierte Anlagen und neues Mobiliar – mit Sektanstoß und freudigen Gesichtern wurde Anfang November in Parchau ein neuer Freizeitraum für Jugendliche eröffnet. Heute bleiben nichts als ein leerstehender Raum und stirnrunzelnde Erwachsene. Der Jugendraum ist nach nur acht Wochen erneut Geschichte. Die Gründe dafür sind nicht nur die regelbrechenden Jugendlichen, sondern auch die Verantwortlichen selbst.

Vier Jahre lag der Raum, der bereits als Jugendraum genutzt und damals wegen Regelverstößen geschlossen wurde, brach. Vier Jahre, in denen sich Werner Krüger, Vorstandsvorsitzender des Fischereivereins Parchau-Ihleburg 1991, mit anderen Akteuren für eine erneute Eröffnung stark gemacht hat. Als im November die Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Burg unterschrieb, stand en sein Name und der Verein an oberster Stelle der Verwaltung des Jugendraumes. Inzwischen wurde die Kündigung eingereicht. Der Raum gehört damit wieder der Stadt.

„Es gab nach nur 14 Tagen Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins“, sagt Werner Krüger. So waren nur zwei Jugendliche, die Mitglieder im Fischereiverein waren, durch die Haftpflichtversicherung des Vereins angesichert. Alle anderen Jugendlichen jedoch nicht. Das stieß einigen Vereinsmitgliedern unangenehm auf. „Ich wurde für mein Projekt stark kritisiert“, erzählt Krüger. In einer außerordentlichen Versammlung wurde entschieden, dass die Verantwortung an die Ortschaft abgegeben wird. Die beiden Schlüssel gab der Vorstandsvorsitzende widerwillig ab.

Eskalation in der Silvesternacht

Von diesem Zeitpunkt an waren die Jugendlichen laut Krüger mehr oder minder sich selbst überlassen. Die Situation eskalierte dann am Silvestertag. „Ich habe noch am Abend nach den Jugendlichen geschaut. Es war alles ruhig“, sagt Ortsbürgermeister Lutz Wernecke. Am kommenden Tag beschwerten sich Anwohner über erheblichen Lärm und laute Explosionen, die von Böllern herrührten. Die Erwachsenen, die am Neujahrstag den Raum betraten, glaubten ihren Augen nicht. Zerstörte Gegenstände, eine ausgehängte Toilettentür und Whisky- und Wodkaflaschen zeichneten ein Bild des Abends. „Offenbar kümmerte sich keiner um die Jugendlichen“, sagt Werner Krüger. Er kündigte daraufhin sofort die Nutzungsvereinbarung mit der Stadt, in dessen Vertrag sein Name prangte. „Ich habe mich um die Jugendlichen bemüht, aber nun werde ich nichts mehr für die Allgemeinheit tun“, sagt er enttäuscht.

Von der Respektlosigkeit sind viele der Erwachsenen, die sich für den Raum einsetzten, schockiert. „Die Jugendlichen haben es in Eigentverantwortung nicht geschafft. Offenbar fehlt die Motivation, mit einem solchen Raum ordentlich umzugehen“, resümiert Lutz Wernecke. Natürlich könne man die Jugendlichen nicht alle über einen Kamm scheren, aber mit den Konsequenzen müssen sie nun leben.

Auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) zeigt sich bestürzt: „Die Schließung ist ein trauriges Ergebnis.“ Zwei Jahre lang verhandelte die Stadt mit dem Ort zu der Nutzung des Raumes. Er habe jedoch die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Wenn sich ein neuer Verein findet, würden wir mit härteren Auflagen den Jugendlichen noch eine allerletzte Chance geben.“