Burg l Jeden Morgen besuchen Dieter und Marlies Hammerstein aus Burg das Urnengrab ihrer Tochter Annett Spill, die viel zu früh verstorben ist. Der Schmerz über den Verlust der jungen Mutter sitzt immer noch tief. Seit Wochen besticht dem Ehepaar ein „komisches Gefühl“. „Man weiß gar nicht, ob überhaupt noch Pflanzen auf dem Grab sind oder wieder alle gestohlen wurden“, sagt Marlies Hammerstein. Der Familie wurde in den zurückliegenden Monaten besonders arg zugesetzt. Sieben Mal musste die Grabstätte neu bepflanzt werden, nachdem sich Unbekannte bedient hatten. Immer wieder wurden Geranien, Petunien oder Margeriten neu eingesetzt. Und immer wieder in der Hoffnung, „dass endlich einmal Schluss ist mit dieser abscheulichen Klauerei“, sagt Dieter Hammerstein. Sogar eine etwa zehn Kilogramm schwere Pflanzschale fehlt mittlerweile samt Inhalt.

Ob tatsächlich mit dem Gang an die Öffentlkichkeit ein Ende gekommen ist, bleibt offen. Nur wenige Meter weiter sieht ein Grab regelrecht geplündert aus. Dort haben es die Angehörigen offensichtlich noch nicht mitbekommen.

 

Auch auf der Grabstelle, die Gisela Ducho pflegt, sind innerhalb von drei Wochen zweimal Pflanzen entwendet worden, sagte sie zur Volksstimme. Ähnlich erging es Anton Zurk. Kaum hatte er das Grab seiner verstorbenen Frau mit Geranien verschönert, fehlte zwei Tage später die Hälfte der Pflanzen. „Ich habe erst gedacht, dass die Rehe wieder da sind, aber dann schnell gemerkt, dass hier tatsächlich Menschen am Werk waren.“

Bilder

Täglich Diebstahl

Friedhofsgärtner Andrè Burmester, der die 14 Hektar große Anlage wie seine Westentasche kennt, kann diese Tendenz nur bestätigen. „Es gab immer mal wieder solche Phasen, aber dieses Jahr ist außergewöhnlich. Es ist einfach unfassbar.“ Die Täter, sagt Burmester, beschränkten sich nicht nur Gräber am Rande des Friedhofes oder solche, die schlecht einsehbar sind, sondern hätten sich auch auf der zentralen Ruhegemeinschaft unweit des Haupteinganges bedient. Vor allem hochwertige Pflanzen wie Begonien, Geranien oder Fuchsien würden aus den Gräbern oder Schalen gerissen. Burmester: „Es vergeht zurzeit kein Tag, an dem nicht gestohlen wird oder ich darauf angesprochen werde.“

Den pietätlosen Dieben habhaft zu werden, ist alles andere als leicht. Immerhin gibt es noch zwei Hintereingänge, über die der Friedhof jederzeit zugänglich ist. Möglicherweise wird die Anlage auch erst ganz früh am Morgen oder Abends aufgesucht. Das Grab von Familie Hammerstein beispielsweise liegt etwa 150 Meter vom Flämingsteig entfernt. „Einmal war ein Schuhabdruck zu erkennen. Der sah ganz nach einem Mann aus“, sagt Dieter Hammerstein.

Polizei eingeschaltet

Wieland Günther von der Stadtverwaltung appelliert an die Besucher, mit offenen Augen durch die Friedhofsanlage zu gehen. „Wir wissen um das Problem, aber es ist schwer, jemanden auf frischer Tat zu ertappen.“

Der Polizei in Burg liegen bereits erste Anzeigen vor, bestätigt Pressesprecher Falko Grabowski. „Unsere Regionalbereichsbeamten haben verstärkt einen Blick auf den Friedhof.“