Friedensau (sze/APD) l 54 neue Studierende, davon mehr als zwei Drittel ausländische Studierende aus 16 verschiedenen Ländern und 25 Teilnehmer am Kurs ‚Deutsch als Fremdsprache‘, nehmen ihr Studium zum Wintersemester 2016/2017 an der Theologischen Hochschule auf. Am Sonntag wurden zudem 44 Studierenden ihre akademischen Grade in den Studiengängen Theologie, Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Soziale Arbeit, Counseling (Lebenshilfe), Internationale Sozialwissenschaften, Musiktherapie sowie Sozial- und Gesundheitsmanagement verliehen.

Bei der Graduiertenfeier waren der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt, und der Stadtbürgermeister von Möckern, Frank von Holly, anwesend. An der staatlich anerkannten Theologischen Hochschule Friedensau studieren in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie in neun B.A.- und M.A.-Studiengängen rund 200 Studierende aus über 30 Nationen.

DAAD-Preis

Insgesamt wurden Studierende aus 14 Ländern in den Bereichen Theologie und Sozialwesen mit einem Bachelor (B.A.) oder Master (M.A.) graduiert. Dr. Stefan Höschele, Dekan des Fachbereichs Theologie, übergab Urkunden an sieben B.A. und drei M.A. in Theologie sowie an zwei Master of Theological Studies (M.T.S.). Letztere stammen aus Bulgarien und Haiti. Professor Dr. Thomas Spiegler, Dekan des Fachbereichs Christliches Sozialwesen, übergab Diplome an neun B.A. in Soziale Arbeit und zwei B.A. in Gesundheits- und Pflegewissenschaften.

Bilder

M.A. erhielten fünf Graduierte in Counseling (Beratung), eine in Musiktherapie, einer in Sozial- und Gesundheitsmanagement sowie 14 in International Social Sciences. Von den letztgenannten Absolventen stammt nur einer aus Deutschland, die anderen kommen aus Äthiopien, Bolivien, Brasilien, Indonesien, der Republik Moldau, Myanmar (Birma), Nepal, Peru, Puerto Rico und Tansania.

Thomas Spiegler verlieh den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an Phyu Phyu Cho. Sie stammt aus Myanmar (Birma) und ist Absolventin des Masterstudiengangs International Social Scienes (Internationale Sozialwissenschaften) an der Theologischen Hochschule Friedensau. Sie erhält diesen mit 1000 Euro dotieren Preis für besondere akademische Leistungen und ihr interkulturelles Engagement.

Heike Fischer vom „Förderverein Freundeskreis Friedensau“ verlieh die Herbert-Blomstedt-Preise. Gestiftet werden diese Preise von dem schwedischen Dirigenten. Den Preis in Musik für hervorragende künstlerische Arbeit teilten sich Sarah Remke und Lukas Rottmann. Den Preis für hervorragende Leistungen im Studium der Theologie erhielt Sully Sanon aus Haiti, Absolvent des M.T.S.-Studienganges. Beide Preise sind mit je 500 Euro dotiert.

Ebenfalls ein Preisgeld von 500 Euro erhielt Claudia Knorr, Absolventin des Bachelor Soziale Arbeit. Sieglinde Wilke überreichte ihr die Urkunde des Förderpreises für besondere Leistungen im Fachbereich Christliches Sozialwesen der Sparkasse Jerichower Land.

Weiteres Studium

Einige der am Sonntag verabschiedeten jungen Leute werden als Pfarrer oder in sozialen Berufen in Deutschland und der ganzen Welt arbeiten, andere beginnen ein weiteres Studium an der einzigen Hochschule des Landkreises Jerichower Land. Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly betrachtete die Tatsache, dass viele Studierende zunächst in Friedensau bleiben, mit gemischten Gefühlen. Sinn der Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sei schließlich die Entsendung der hervorragend ausgebildeten Menschen in alle Welt. Vor über 100 Jahren war das heutige Friedensau als Missionars-Camp gegründet worden.

Bei der Abschiedsveranstaltung kamen auch die Studierenden zu Wort. In seinem Respons umschrieb Vladimir Krumov (Bulgarien) seine ersten Eindrücke von Friedensau, als er zum Studieren hierher kam: „Ich fragte mich damals zuerst, ob ich in einer utopischen Welt lebe, weil die Leute hier alle so freundlich sind.“ Auch er stellte klar, dass die Studierenden nun ausziehen müssten, um in der Welt weitere Antworten auf ihre Fragen zu erhalten: „Die Welt braucht mehr Menschen wie euch.“

Kritisch setzte sich in seiner Festansprache der frühere Direktor des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim und Lehrbeauftragter für Konfessionskunde an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau, Dr. Walter Fleischmann-Bisten, mit dem Reformationsjubiläum auseinander. Es werde vergessen, dass auch die im 16. Jahrhundert aus ihrem „Linken Flügel“ hervorgegangenen Kirchen und Gemeinden zur Reformation gehörten.

„500 Jahre Reformation“ sei weder ein Lutherjubiläum noch ein ausschließlich deutsches Datum. Auch in anderen europäischen Ländern und selbst in den USA sei eine Fülle von Veranstaltungen zur Reformation geplant.

Als „ökumenisches Ärgernis“ bezeichnete Fleischmann-Bisten, dass zwar erstmals auch die Katholiken in Deutschland ins Reformationsjubiläum mit einbezogen seien, aber die zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) gehörenden und in Deutschland kleinen Kirchen mit reformatorischen Wurzeln nicht in diesen Versöhnungsprozess involviert seien. Auch die evangelischen Freikirchen seien Kinder der Reformation. Sie wären „legitime Erben der Reformation und eine eigenständige Ausprägung des evangelischen Christentums“.

Dass auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bis heute in von Anliegen der Reformation geprägt sei, beleuchtete Walter Fleischmann-Bisten an den Themen Bildung und Schule. Aus der Grundüberzeugung des mündigen Christseins ergab sich ein Bildungsanspruch der Reformation: An jedem Ort sollte es Schulen geben, so dass in protestantischen Gebieten die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde.

Das weltweite adventistische Schulangebot mit über 7500 Bildungseinrichtungen stelle das „größte protestantische Bildungswerk“ dar.

Die 1899 gegründete Friedensauer Einrichtung ist seit 1990 staatlich anerkannte Theologische Hochschule.