Möckern l In der Einheitsgemeinde Möckern hat die Ausnahme einen Namen: Toni Tennert. Seit 1. Januar arbeitet der Theeßener als einziger männlicher Erzieher in der Kita „Birkenhain“ in Möckern. In den kommunalen Kindertagesstätten der Stadt Möckern arbeiten derzeit 79 Erzieherinnen. Und Toni Tennert. Birgit Arndt, Leiterin der Möckeraner Einrichtung, ist sehr zufrieden mit der Arbeit des einzigen Mannes im Team. Sie wünschte sich gerne mehr männliche Erzieher in den Einrichtungen. In den vergangenen Jahren war es eher die Ausnahme, dass auch nur ein Schüler mal sein Praktikum in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt absolvierte.

Kollege Tennert hat sich inzwischen gut im 22-köpfigen Möckeraner Team eingelebt und weiß auch die Kinder gut zu begeistern. Vorbehalte und anfängliche Skepsis – auch bei Eltern – konnten schnell abgebaut werden.

Klassischer Frauenberuf

„Erzieher/in“ gilt immer noch ein klassischer Frauenberuf. Das bestätigt auch die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ aus dem Jahr 2015. Der Männeranteil an den pädagogischen Fachkräften in Kitas liegt demnach bundesweit bei 2,4 Prozent. Andere Erhebungen sprechen von knapp unter 4 Prozent. Es ist von deutlichen Unterschieden von Bundesland zu Bundesland die Rede. Im Osten entscheiden sich noch weniger Männer für den Erzieherberuf.

Die Macher der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass es wichtig ist, dass in der frühkindlichen Erziehung Frauen und Männer gemeinsam arbeiten sollten, und zwar für Jungen ebenso wie Mädchen, „denn im frühkindlichen Bereich fehlen moderne männliche Rollenvorbilder und Bezugspersonen für Mädchen und Jungen.“ Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen führen der Studie zufolge häufig zu abwesenden familiären Vorbildern. Und die vorhandenen familiären Vorbilder müssen nicht unbedingt den Erwartungen an moderne männliche Rollenbilder entsprechen.“

Einer der Hauptgründe für den geringen Männeranteil in Kindertagesstätten ist nach Ansicht der Studie eine traditionelle Geschlechterordnung, die zu stereotypen Geschlechterbildern und entsprechenden Arbeitsteilung führt: „Eine Geschlechterordnung, die sich auch dadurch auszeichnet, dass frühkindliche Erziehung Frauen zugewiesen wird und sogenannte Frauenberufe eine geringe soziale Anerkennung erfahren und in der Regel schlechter entlohnt werden als sogenannte Männerberufe.“

Berufsfeld für Männer

Vertreter aus Wissenschaft, Praxis und Politik fordern schon seit Längerem die Steigerung des Männeranteils im Berufsfeld Kindertagesstätte, weil männliche pädagogische Fachkräfte etwa bei Scheidungskindern den Mangel an männlichen Bezugspersonen abfedern können. Auch wirke sich das Fehlen männlicher Bezugspersonen negativ auf das Bindungs-, Aggressions- und Gewaltverhalten sowie auf die Bildungschancen von Jungen aus. Und: männliche Erzieher erweitern das Spiele- und Beziehungsangebot in Kindertagesstätten

Tatsächlich hat Toni Tennert schnell die Kindergartenwerkstatt für sich und seine Schützlinge entdeckt. Vor den Osterfeiertagen entstand in gemeinsamer Arbeit mit den ABC-Füchsen eine Eiertrudelbahn aus Papprollen, von der am Gründonnerstag in der Zeit „Freies Spiel“ alle Kindergartengruppen etwas hatten. Nur dem Wetter war es zu verdanken, dass die Bahn nicht im Freien aufgebaut wurde.

Erfahrung bringt Toni Tennert aus Betreuungseinrichtungen in Magdeburg mit. An der Arbeit in Möckern begeistert ihn die Zeit, in der die Kinder gruppenraum-übergreifend ihre eigenen Interessen verfolgen können. Solch ein „freies Spielen“ kannte er aus vorherigen Einrichtungen nicht.

Erst Bäcker

Auf den Beruf des Erziehers hat der Familienvater aus Theeßen hingearbeitet. Zunächst lernte er den Bäckerberuf, was ihm nun sicher bei den frühen Anfangszeiten in der Kita helfen dürfte. Danach war Tennert acht Jahre Zeitsoldat. „Ich arbeite eben sehr gerne mit Menschen“, erklärt der 33-Jährige.

Doch anstatt weiter erwachsene Männer und Frauen in Uniform auszubilden, drängte es ihn, Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, und so schloss sich eine Ausbildung zum Erzieher an.

Quereinsteiger – das ist für den Lebenslauf männlicher Erzieher nicht selten, weiß man auf der Internet-Platform www.werde-erzieher.de. Hier gibt es Tipps für interessierte Jungen und Männer. Für Quereinsteiger empfiehlt sich auch die Internetseite www.chance-quereinstieg.de. Dort heißt es: „Sehr oft sind es Männer die einen anderen Beruf erlernt haben und mehrere Jahre in diesem gearbeitet haben. Manchmal ist es die Lust auf eine berufliche Neuorientierung und manchmal die guten gemachten Erfahrungen mit den eigenen Kindern.“