Burg l „Ich kann nicht versprechen, dass das Lesen des Buches einen lebensverlängernden Effekt hat, aber wenn sie sterben, dann lächeln Sie bitte.“ Der Mann, der das sagt, ist ein Schelm und eine Legende: Christian Kuno Kunert, Jahrgang 1952, Sachse, der heute im Oberharz lebt, Mitglied der mit ihrem Verbot 1975 berühmt gewordenen DDR-Rockband Renft.

Am späten Sonnabendnachmittag liest er auf Einladung der Burger Stadtbibliothek und des Kulturcafés „Rotfuchs“ in Burg aus seinem ersten eigenen Buch. Der Roman „Ringelbeats“ handelt vom Ruheständler Jacobus Cobu Kubisch, ein Schelm, wie sein Erfinder. Eine Email zwingt ihn, sich seines Lebens zu erinnern. Es geht um die Gründung einer Rockband, es geht um Lausbubenstreiche, es geht um das SED-Parteiabzeichen, es geht um Provokation und Verbote.

Feindbild geht ans Eingemachte

Kunert, der nur noch schwer hören kann, singt „Strawberryfields forever“ von John Lennon oder „Feindbild, begleitet sich an der Gitarre. „Ein Feinbild geht ans Eingemachte.“ Die DDR?

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Kunert sang im berühmten Leipziger Thomanerchor, baute sein Abitur, auch ohne FDJ-Mitglied zu sein. Er studierte Musik, 1971 trat er in die Klaus Renft Combo als Keyboarder ein. Er sang und textete. Renft wurde 1975 verboten.

Mit dem Texter Gerulf Pannach wurde Kunert wenig später wegen „staatsfeindlicher Hetze“ in den Liedern verhaftet. 1977 wurden sie mit dem Schriftsteller Jürgen Fuchs aus der DDR nach Westberlin abgeschoben.

In der DDR leben

Kunert, Fuchs und Pannach erklärten dazu kurze Zeit später: „Wir sind nicht freiwillig nach Westberlin gekommen. Über ein dreiviertel Jahr hinweg versuchten wir den widerlichen Methoden der Staatssicherheit unsere feste Absicht entgegenzusetzen, dass wir in der DDR leben wollen, um dort als Künstler mitzuhelfen, eine fortschrittliche, menschenwürdige Gesellschaft zu verwirklichen. Ich wiederhole: In der DDR zu leben und nicht im Gefängnis zugrunde zu gehen.“

Kunert trat fortan mit Pannach im Westen auf. Zahlreiche CDs entstanden. Er schrieb Kabarettnummern, Theater- und Filmmusiken, unter anderem für den Tatort. 1998 kehrte er als Frontmann von „Renft“ noch einmal auf die Rockbühne zurück. 2006 verlor er sein Gehör. Es war Schluss mit dem Musikgeschäft.

„Das war schon eine schöne Zeit mit Renft“, erinnerte sich Kunert. „Wir fuhren im Wolga über Land und spielten verbotene Lieder. Wir brauchten nur die Verbote und die Säle waren voll.“ Er grient, als er das erzählt. „Was müssen junge Leute heute über sich ergehen lassen, in Castingshows und so, um Musik zu machen und berühmt zu werden. Wir hatten es einfacher.“

Verbote ziehen

„Ohne Verbote würde es Renft wohl heute nicht mehr geben“, sagt Kunert. Die Band tourt immer noch. Am 20. Juli tritt sie in Halle auf. Anlass ist ein Jubiläum: 50 Jahre Renft. Von einstigen Mitgliedern ist nur noch Thomas "Monster" Schoppe an Bord.

Kunert würde gern mit seinen Freunden von damals in einer Kneipe sitzen und reden. Sehnsucht schwingt mit, als er das sagt. „Das geht aber nicht, weil sie alle schon gestorben sind, meine himmlischen Brüder.“

„Ringelbeats“ von Christian Kuno Kunert ist im Eulenspiegelverlag erscheinen und kostet 19,99 Euro, ISBN 978-3-359-01736-3