Loburg l Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr wollte ein Kind mit seinem Fahrrad auf Höhe des Loburger Marktplatzes die Dammstraße überqueren. Dabei wurde es von einem vorbeifahrenden Auto erfasst und schwer verletzt. Das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, heißt es im Polizeibericht.

Der Loburger Ortsbürgermeister Bernd Wünschmann ist sauer: „Es war nur eine Frage der Zeit. Nun ist es passiert. Ein Kind wurde von einem Auto erfasst, genau an der Stelle, wo durch den Ortschaftsrat der Stadt Loburg ein Fußgängerüberweg gefordert, aber durch den Landkreis abgelehnt wurde.“

Mehr Sicherheit

In der jüngeren Vergangenheit war im Ortschaftsrat immer wieder darüber gesprochen worden, wie mit Hilfe von Fußgängerüberwegen mehr für die Sicherheit der Kinder gesorgt werden kann. Denn täglich machen zahlreiche Kinder sich auf den Weg von der Grundschule zum Hort. Dabei müssen sie auch die innerörtliche Bundesstraße überqueren.

Wünschmann hatte beantragt, an der Kleinen Marktstraße einen Fußgängerüberweg über die Dammstraße einzurichten. „Wir hatten auch schon eine Zusage der Stadtverwaltung Möckern, dass dieser Zebrastreifen vernünftig ausgeleuchtet werden soll.

Doch der Antrag auf einen Zebrastreifen wurde von den Genehmigungsbehörden abgelehnt. „Abgelehnt dadurch, weil es nur 4586 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden statt der geforderten 5000 waren, die an dieser Stelle vorbeigefahren sind“, erinnert Bernd Wünschmann. Erst vor Kurzem war eine Verkehrszählung durchgeführt worden. Sie ergab, dass für eine behördlich anerkannte Notwendigkeit einer Querungshilfe rund 400 Fahrzeuge zu wenig vorbeirollten. Laut Zählung sollen durchschnittlich 427 Fahrzeuge pro Stunde die Stelle passieren.

Behörden wach rütteln

„Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob erst etwas passieren muss, ein Mensch zu schaden kommen muss, bevor die Behörden wach werden“, äußerte sich der Loburger Ortschef nach dem Unfall am Mittwoch verärgert: „Hoffentlich können die Menschen, die es zu verantworten haben, weiterhin ruhig schlafen“.

Wünschmann räumt aber auch ein, dass „selbst wenn die Entscheidung für einen Fußgängerüberweg positiv ausgefallen wäre, es zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Straßensanierung es noch keinen auf der Straße aufgemalten Fußgängerüberweg gegeben hätte.“ Er ist sich aber sicher, dass, „wenn an dieser Stelle vielleicht aber schon mindestens ein Achtungsschild gestanden hätte, Kraftfahrer eher auf Kinder achten“.

Der Loburger Ortsbürgermeister bittet die Verantwortlichen des Landkreises Jerichower Landes, ihre Entscheidung zum Fußgängerüberweg zu überdenken und hofft auf ein Einlenken.

Unverständnis Luft gemacht

Dass die aktuell erhobenen Fahrzeugzahlen nicht immer so passten, wurde auch diskutiert: „Bei Umleitungen und Sperrungen in der Umgebung oder auf der Autobahn sind es doch viel mehr Autos“, sagten gaben mehrere Ratsleute zu bedenken.

In der Einwohnerfragestunde machte auch der Loburger Jan Blaue seinem Unverständnis Luft: „Wie kann man einerseits in der geänderten Straßenreinigungssatzung vorschlagen, dass es Anliegern in dieser Straße wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht zugemutet werden kann, die Straße zu reinigen, aber andererseits Kinder ohne jegliche Querungshilfe über diese Bundesstraße laufen lassen? Kinder sind – im Gegensatz zu den Anliegern – nicht immer in der Lage, die Verkehrssituation sofort richtig einzuschätzen.

Die Folgen der jüngst erfolgten Sanierung der innerörtlichen Bundesstraße waren ebenfalls Thema bei der Ortschaftsratssitzung gewesen. Denn nachdem der neue Straßenbelag aufgetragen worden war, sahen die Baulastträger offenbar keine Notwendigkeit, den bisherigen Zebrastreifen an der Burgstraße/Höhe Feuerwehr wieder aufzumalen.

Absenkung beseitigt

Im Gegenteil: es wurde sogar der an dieser Stelle abgesenkte Bordstein wieder angehoben. „Ohne die Absenkung wird es allen Senioren, die es über den holperigen Fußweg an der Freiheitstraße bis hierher geschafft haben, erschwert, die Straße zu überqueren“, ärgert sich Bernd Wünschmann auch hier. Auch mit Kinderwagen sei es nun ungleich schwerer, die Straße zu überqueren. Ratsmitglied Andreas Vogler stellte kopfschüttelnd fest: „Da habe ich kein Verständnis für. Das Hochsetzen der Borde muss doch auch Geld gekostet haben.“

Der bei der Sitzung anwesende Leiter des Möckeraner Haupt- und Ordnungsamtes Arne Haberland verwies auf die geltenden Bestimmungen: „Wenn der Zebrastreifen entfernt wird, muss man die Straße baulich wieder so herstellen, wie sie vorher war.“