Gardelegen l Ingeborg Köhn ist der Ärger deutlich anzumerken. Sie kann es immer noch nicht fassen, dass der Bau eines Besucher- und Dokumentationszentrums auf dem Gelände der Gedenkstätte Isenschnibbe nicht im Entwurf des Landesdoppelhaushaltes für 2017/2018 enthalten ist. Sie ist verärgert, dass Zusagen nicht eingehalten werden, denn geplant war der Bau 2017 mit Fertigstellung 2018. Für Ingeborg Köhn ein wichtiges Projekt, um die Gedenkstätte – dort wurden in den letzten Kriegstagen über 1000 KZ-Häftlinge bestialisch umgebracht – würdig zu gestalten. Da für die nächsten zwei Jahre das Projekt haushaltsmäßig nicht untersetzt ist, droht nun, dass der Bau auf unbestimmte Zeit verschoben wird, dass zumindest vor 2019 nicht viel passiert.

Betroffene informiert

Neben den offiziellen Protestnoten von Kreistag, Stadtrat und Förderverein der Gedenkstätte gibt es unterdessen auch etliche private Aktionen. Unter anderem auch von Ingeborg Köhn, die sich seit vielen Jahren für die Gedenkstätte engagiert, als Kontaktfrau und Übersetzerin für die französischen Betroffenen agiert. Sie hat in jüngster Vergangenheit unzählige Gespräche geführt, unter anderem mit den Landtagsabgeordneten der Region, und Bundestagsabgeordneten. „Ich habe mit allen Fraktionsvorsitzenden telefoniert“, erzählt Köhn. Über den aktuellen Stand hat sie außerdem die französischen Betroffenen informiert, wie Lucien Colonel, ein Überlebender des Gardeleger Massakers. „Herr Colonel hat schon vor vielen Jahren gesagt, dass auf die Gardeleger Gedenkstätte ein Haus mit einer Ausstellung und Dokumentation gehört“, so Köhn. Monique Dardel, deren Vater zu den Opfern des faschistischen Massakers in Gardelegen im April 1945 gehörte, wollte sich persönlich an den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff wenden. Das hat auch Ingeborg Köhn getan. Sie hat schriftlich Protest eingelegt. Vorgestern hat sie eine Antwort von Haseloff bekommen.

Haseloff schreibt, „dass sich das Land seiner Verantwortung hinsichtlich der Erinnerung an die Naziverbrechen bewusst ist“. Der Bau eines angemessenen Besucherzentrums für die Gedenkstätte werde landesseitig nicht in Frage gestellt. „Die Staatskanzlei und das Ministerium für Kultur sind um eine Lösung bemüht und versuchen, für das Vorhaben Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, die den Doppelhaushalt 2017/2018 nicht belasten und dennoch eine zeitnahe Realisierung ermöglichen.“ Allerdings seien die Landesmittel begrenzt und Vorhaben könnten nur „sukzessive“ umgesetzt werden.

Die Antwort sei nicht „hundertprozentig zufriedenstellend, aber ich lege sie mal optimistisch aus“, betont Köhn.