Gardelegen l Arbeitsgemeinschaften fallen weg, Angebote wie Englisch-Unterricht in der ersten und zweiten Klasse wird es aller Voraussicht nach im kommenden Schuljahr nicht geben. Der Elternrat der Reutter-Grundschule ist besorgt und hat daher ein Schreiben an Ministerpräsident Reiner Haseloff geschickt. Das Schreiben mit Datum 15. Mai wurde laut Henschel auf der Gesamtkonferenz von Lehrern und Eltern abgesegnet.

Der Schulelternrat sei seit geraumer Zeit äußerst besorgt über die Schulsituation, insbesondere die bevorstehende Unterrichtslage, heißt es darin. „Verheerende Folgen befürchten wir vor allem für den Schulbetrieb und die Erfüllbarkeit des gesetzlichen Bildungsauftrages, die Gesundheit der Lehrerschaft, den Bildungsstand und die Sozialisation unserer Kinder, insbesondere auch durch unzureichende Betreuung und Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund“, schreibt das Gremium an die Staatskanzlei.

Keine Stundenabsicherung bei Krankheit

Die Eltern wollen eine Veränderung: „Wir fordern, dass umgehend zusätzliche Lehrer und pädagogische Mitarbeiter an alle Schulen in Sachsen-Anhalt entsandt werden, damit unsere Kinder eine gesicherte Bildung bekommen.“

Ihre Sorgen machen die Reutter-Eltern an ganz konkreten Beispielen für ihre Schule fest – mit Blick darauf, dass durch die geplante Kürzung des schülerbezogenen Faktors weniger Lehrerstunden im kommenden Schuljahr zur Verfügung stehen sollen. Bei Stundenausfall sei es an der Reutter-Grundschule nicht möglich, Klassen zusammenzulegen. „Das ist aufgrund der engen räumlichen Verhältnisse gar nicht möglich“, schildern die Mitglieder des Schul-elternrates.

„Wir werden im nächsten Schuljahr 179 Kinder im Reutter-Gebäude haben. Die Schule ist für diese Masse an Kindern gar nicht ausgelegt“, schildert Sandy Henschel, stellvertretende Vorsitzende des Schulelternrates. Auch mit Blick auf sanitäre Anlagen sei es in dem Gebäude ein Zustand, „der so nicht geht“, schildert die Mutter. Denn es gebe nur Toiletten ganz unten, für die Mädchen gerade einmal fünf. „Wenn die vierte Klasse unter dem Dach Unterricht hat, müssen sie bis ganz nach unten zur Toilette“, so Henschel.

Überhaupt sei der Unterricht im obersten Geschoss in den Sommermonaten eine Zumutung. Mit Blick auf die räumliche Situation an der Grundschule sagt die Mutter: „Estedt hätte nie geschlossen werden dürfen, nur weil es ein oder zwei schwache Jahrgänge gab. Da muss die Reutter-Grundschule nun ausbaden.“

Klassenfahrten und Wandertage in Gefahr

Eltern befürchten, dass im neuen Schuljahr die Förderung schwacher Kinder nicht mehr möglich sei, es gebe „bei krankheitsbedingtem Ausfall keinen abgesicherten Stundenplan“.

Durch zu große und zu volle Klassen könnte es psychosomatische Beschwerden und Konzentrationsstörungen geben. Auf den Lehrkräften laste ein enormer Druck. „Durch die Abschaffung des Teilers können die Klassen vollgestopft werden“, so die stellvertretende Schulelternratsvorsitzende. „Weiteres Problem sind Klassenfahrten, Wandertage und ähnliche Projekte. Wenn ein Lehrer ausfällt, ist das gar nicht mehr möglich“, so Henschel. Im Brief heißt es, „dass sich sowohl beim Schulpersonal, bei den Kindern als auch den Eltern eine hohe Frustration abzeichnet“. Und weiter: „So kann und darf es nicht weitergehen.“

Die Eltern fordern Haseloff auf, „die politische Schwerpunktsetzung deutlich auf die zureichende Ausstattung der Grundschulen zu legen“, denn „hier wird die Basis für die Zukunfts- und Konkurrenzfähigkeit unserer Landes gelegt.“ Der Schulelternrat erwartet in der Antwort, „welche Anstrengungen Sie unternehmen wollen, um dem Bildungsnotstand möglichst zeitnah und wirksam zu begegnen“.

Schulleiterin Sylvia Straßburg hatte zur geplanten Veränderung des schülerbezogenen Faktors gesagt: „Wir können den normalen Unterricht damit abdecken.“ Allerdings würde es in der Schule keine Vertretungsreserven mehr geben und keine freiwilligen Angebote wie Arbeitsgemeinschaften oder Englisch-Unterricht für die Klassen eins und zwei.