Vahrholz l „Ein himmelblauer Trabant“ ist einst von der DDR-Schlagersängerin Sonja Schmidt besungen worden. Und zwangsläufig fühlt sich der Betrachter an jenes Lied aus dem Jahr 1971 erinnert, wenn ihm der Kugelporsche von Sven Herrmann auf der Straße begegnet. Der ist ein echter Hingucker, der erst seit wenigen Tagen wieder zugelassen ist. Zuvor hatte er sich rund ein Vierteljahrhundert in einer Art Dornröschenschlaf befunden.

Sven Herrmann hat ihn wieder zu neuem Leben erweckt. Und zwar, nachdem der Vahrholzer im Herbst 2014 von einem Kumpel erfahren hatte, dass es da in einer Scheune in Mellin in der Nähe von Beetzendorf einen solchen Wagen geben soll, der aber erst wieder fahrbereit gemacht werden muss. Herrmann schaute sich daraufhin den Pkw an – und schlug spontan zu. Wie er aus den Fahrzeugpapieren entnehmen konnte, hatte der Wagen sogar einmal ganz in Nähe von Vahrholz gestanden. Nämlich bei einem Brunauer Vorbesitzer. Der Melliner, der ihn dann hinterher erworben habe, der habe ihn eigentlich selbst wieder aufbauen wollen. Das habe aber nicht geklappt. „Seit der Wende ist der Wagen jedenfalls nicht mehr gelaufen“, weiß Sven Herrmann.

Vater-Sohn-Tour nach Görlitz geplant

Er indes hat das nun geändert. Denn der Mann, der als Berufskraftfahrer tätig ist, kennt sich mit Trabis bestens aus, war schon mehrfach stolzer Besitzer solcher Gefährte made in Zwickau. Aber seine neueste Errungenschaft ist mit Abstand die älteste. Besagter Trabant P 600 K – das K steht für Kombi – lief am 25. März 1964 vom Band. Sven Herrmann hat erst zwölf Jahre später das Licht der Welt erblickt. Doch erinnert sich der Vahrholzer noch sehr genau, dass seine Eltern einst selbst einen solchen Wagen besessen haben. Für seinen Vater Heinz-Werner Herrmann würde deshalb ein besonders großer Wunsch in Erfüllung gehen, wenn er genau mit einem solchen Trabant noch einmal in seine frühere Heimatstadt Görlitz fahren könnte. „Und genau das haben wir nun für 2017 vor“, berichtet der 39-jährige Sohn, der auch schon seine eigenen Kinder für die Rennpappen begeistert hat. So fährt nicht nur Sohn Florian begeistert mit, sondern auch die Töchter Lilly und Emely genießen es, wenn der Papa mit ihnen mal wieder eine Spritztour nach Kalbe oder in eine andere Ortschaft unternimmt. Dass es in dem Trabant alles andere als gedämpft zugeht, das stört die Mädchen nicht. Im Gegenteil. „Das ist noch Fahren pur“, sagt der Papa. Und Lilly und Emely nicken.

Wie robust die Marke Trabant einst gebaut wurde, das zeigt auch folgende Tatsache: „Obwohl er rund 25 Jahre stand, hat der Wagen auf Anhieb TÜV bekommen“, berichtet Sven Herrmann stolz. Natürlich habe er hier und da etwas machen müssen. Aber im Großen und Ganzen sei das Auto völlig in Ordnung gewesen.

Und bei der Zulassung hat der stolze Besitzer sogar bewusst auf ein Oldtimer-Kennzeichen verzichtet. Aber die Steuerlast für den Kugelporsche sei ohnehin sehr überschaubar, sagt Sven Herrmann.

Schicksalsschlag beendete Leidenschaft

Dass er allerdings überhaupt noch einmal einen Trabi sein Eigen nennen würde, das hätte der dreifache Familienvater noch vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten. Bis zum 5. Februar 2014 war er mehrfacher Trabant-Besitzer gewesen. Die Autos beziehungsweise Ersatzteile waren in einer Schrauberscheune in der Dorfmitte von Vahrholz untergebracht, die Herrmann gemeinsam mit seinem Bruder und einigen Freunden nutzte. Doch dann kam es zu einer folgenschweren Explosion, bei der der 27-jährige Bruder tödlich verletzt wurde. „Danach wollte ich eigentlich mit allem aufhören“, berichtet Sven Herrmann. Als er aber den Kugelporsche in Mellin gesehen habe, sei es wieder um ihn geschehen gewesen und er habe seine Meinung ändern müssen. Und wahrscheinlich, so vermutet der Vahrholzer, hätte dieser Sinneswandel auch seinem Bruder mehr als gefallen. Der hat die Leidenschaft fürs Schrauben schließlich immer mit ihm geteilt.