Gardelegen l Ihr Büro ist hell, freundlich und aufgeräumt. Wer nach typisch weiblichen Accessoires sucht, sucht allerdings vergebens. Jagoda Damraths Arbeitsplatz ist strukturiert und klar. Und so wirkt sie auch selbst, die neue Chefin von Gardelegens größtem Zulieferbetrieb. Seit Ende des vergangenen Jahres ist sie da. Zumindest an zwei bis drei Tagen in der Woche. Denn mit der BRS Ymos GmbH in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) leitet sie auch noch ein zweites der insgesamt sieben deutschen Unternehmen der Boryszew-Gruppe. Deshalb pendelt sie aktuell zwischen beiden Betrieben hin und her. „Viel zu tun“, sagt sie. Aber die Mannschaft in Gardelegen sei gut, „es gibt gute Fachleute“, auch wenn sie sich noch mehr junge Mitarbeiter wünschen würde. Denn „in Firmen muss es personell einen Kreislauf geben“, der Generationenwechsel dürfe nicht zum Problem werden. Deshalb ist es ihr wichtig, dass vor allem junge Leute Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen finden.

Personalmanagement ist nur ein Bereich, in dem die neue Chefin viel Erfahrung mitbringt. Zehn Jahre lang arbeitete sie in der Führungsebene der Sitech, einer VW-Tochterfirma. Dort war sie zunächst für den Bau und die Organisation der neuen Fabrik zuständig, danach für das Personalwesen und damit für die Einstellung von über 1000 Mitarbeitern, für Ausbildung und Weiterbildung, für die Informationstechnik, die Einführung der Unternehmenssoftware SAP und die Finanzen und leitete die GmbH schließlich gemeinsam mit einem zweiten Geschäftsführer. Später wechselte sie zu MAN, war dort im Bereich Absatz und Vertrieb für den gesamten mittel- und osteuropäischen Markt zuständig. Sie weiß also, worauf es ankommt.

Große Baustelle Umsatzsicherung

Die größte „Baustelle“ in Gardelegen sei nach wie vor die Umsatzsicherung, macht Jagoda Damrath klar. „Wir müssen uns viel stärker um Kundenakquise kümmern.“ Zudem will sie mehr auf die Entwicklung setzen. „Unsere Produkte müssen mehr Know-how haben.“ In diesem Bereich will sie möglicherweise auch mit den Hochschulen der Region zusammenarbeiten. Und sie setzt in dem Zusammenhang auch auf Fördermittel. Aber das seien eher mittelfristige Pläne.

Zeitnah gehe es in Gardelegen vor allem um Abläufe. Dort lasse sich vieles optimieren, ist Damrath überzeugt. Und damit ist die studierte Logistikerin dann auch in ihrem Element. Schon jetzt hat es unter ihrer Leitung Änderungen gegeben. Wege sind kürzer geworden. Produktionsbereiche wurden zusammengelegt. Es sind viele kleine Bereiche, in denen sie gerade logistisch Einsparpotenzial sieht. Und dazu gehört auch Ordnung und Sauberkeit auf dem Betriebsgelände.

Abläufe müssen klar sein

Dass sie selbst keine Technikerin ist, sieht Damrath nicht als Problem. „Als Manager eines so großen Betriebes muss man Abläufe kennen“, sagt sie. Man müsse wissen, wer etwas kann, damit er richtig eingesetzt werden könne. „Und für alles, was ich selbst nicht weiß, gibt es Mitarbeiter, die es wissen. Ich lasse mir das dann erklären.“ Und zwar „in wenigen Sätzen“. Wer das nicht könne, verstehe nämlich selbst nicht worum es geht.

Wer etwas besser weiß als sie, darf sie übrigens auch gern korrigieren. Damit habe sie nämlich überhaupt kein Problem, das erwarte sie sogar versichert Damrath. Vielleicht einer der Vorzüge, die man Frauen zuspricht. Obwohl die 50-Jährige – die übrigens neben eigenen erwachsenen Kindern drei Adoptivkinder im Teenageralter hat – eigentlich nicht viele Unterschiede machen will, zwischen weiblichen und männlichen Managern. „Ich glaube schon, dass Frauen Probleme etwas sozialer angehen“, sagt sie. Ansonsten sei es doch einfach eine Sache des Typs. Über mögliche Befindlichkeiten männlicher Mitarbeiter ihr gegenüber denkt die Geschäftsführerin zum Beispiel überhaupt nicht nach: „Das ist ja dann nicht mein Problem“, sagt sie resolut.

Nähe zum Volkswagenwerk

Was sie gar nicht mag, die neue Vorgesetzte von rund 700 Gardeleger Mitarbeitern, sind übrigens Leute, die sagen: „Das gab es doch alles schon mal hier.“ Klar, manches wiederhole sich, bestätigt Damrath. Aber oftmals seien Neuerungen oder Anordnungen in der Vergangenheit eben auch einfach nicht umgesetzt worden.

Für manches brauche es eben aber auch Zeit, bestätigt Jagoda Damrath. So viele Geschäftsführerwechsel in der Vergangenheit hätten dem Unternehmen sicher einiges abverlangt. „Es muss Ruhe einkehren.“ Die Zukunft des Gardeleger Standortes sieht sie indes klar gesichert, schon durch die Nähe zum Volkswagenwerk, immer noch größter Auftraggeber für die Firma. „Und es gefällt mir auch hier“, sagt sie. Es gebe viel Arbeit, „aber davor habe ich keine Angst“.