Neuenklitsche l Vorsichtig hebt Molham Alali die Glasplatte an, während Tawfeek Alsheikh einen weißen Papierbogen unter das Glas legt. Jetzt bekommen die auf der Glasplatte befindlichen schwarzen Konturen eine Gestalt. Schwarz auf weiß bildet sich der Genthiner Marktplatz mit dem Rathaus und der St. Trinitatiskirche ab.

20 Bilder für die Ausstellung

Derzeit bereiten die beiden aus Syrien stammenden jungen Männer im Betsaal Neuenklitsche eine Ausstellung vor, die ab April im Genthiner Rathaus gezeigt werden soll. Präsentiert wird die Kunst der Glasmalerei. Rund 20 Bilder hat der 34-jährige Molham Alalali für die Schau ausgewählt. Zumeist sind es Motive mit religiösem Bezug. „Ich möchte die Verbindung der Kulturen durch die Religion zeigen“, sagt Alali. Bis ein Motiv, wie etwa das des Rathauses fertig ist, braucht es eine Reihe von Handgriffen.

Auf einem weißen Bogen zeichnet der 34-Jährige frei Hand die Konturen vor, bevor die Striche sozusagen auf die Glasplatte mit speziellen Farben abgepaust werden. Das die meisten Arbeiten monochrom gefertigt sind, ist für Alali ein Teil der Aussage der Werke. „Es braucht nur wenige schwarze Striche, um Gebäude oder Personen zu erkennen“, erklärt er. „Wenige schwarze Striche und schon erkennt beispielsweise jeder Martin Luther.“ Auch der Kirchenmann wird passend zum Reformationsjubiläumsjahr Teil der Ausstellung sein.

Fotos und Filme

Außerdem wird die Schau angereichert mit Fotos, die Tawfeek Alsheikh beisteuert. „Molhan hat im Kirchenkreis einige Fenster gestaltet, auch diese Arbeiten wollen wir dokumentieren“, sagt der 22-Jährige. Allerdings könne man ja nicht einfach die Fensterscheiben ausbauen, um sie in Genthin zu zeigen, fügt er mit einem Lachen hinzu.

So wird die Form der Fotografie genutzt. Sie zeigen eine sehr viel buntere Glasmalerei, denn bunte Bilder seien in Fenstern besser zu erkennen.„Auch für uns ist das eine spannende Aktion“, sagt Katrin Hertwig, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Sie begleitet gemeinsam mit Christine Nebeling die Vorbereitungen. „Wir hoffen, dass sich viele Menschen für die Kunst im Rathaus interessieren“, sagt sie.

Gespräche führen

Für die Stadt Genthin ist diese Ausstellung eine Fortsetzung dessen, was im vergangen Jahr mit den Bildern des jungen Syrers Ghazwan Assaf begonnen hat. „Wir können nun erneut ein besonderes künstlerisches Schaffen anbieten“, freut sich Marina Conradi von der Touristinformation, die die Vorbereitung in Genthin übernommen hat.

Auch sei die Schau vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert worden. Am 10. April wird die Ausstellung um 15 Uhr eröffnet. Es wird einen musikalischen Rahmen geben und die beiden Syrer werden über ihre Arbeiten informieren. „Wir zeigen auch einen kurzen Film, wie ein Hinterglasbild entstehen, außerdem können die Besucher mit uns ins Gespräch kommen. Bis Anfang Mai sollen die Bilder zu sehen sein.