Genthin l Abiturfeiern folgen im Bismarck-Gymnasium nach festen Regularien. Allem voran steht ein Foto-Termin auf dem Schulgelände, bevor sich die Abiturienten zum Einzug in die Trinitatiskirche sammeln. Unter festlicher Orgelmusik, angeführt von ihren beiden Tutoren Bettina Hohmann und Petra Schulze, schritten die Abiturienten auch diesmal zu ihren reservierten Plätzen. Pfarrerin Beate Eisert begrüßte als Hausherrin kurz die Gäste. Kurz vor Beginn der Veranstaltung genoss sie die Stimmung, die sie hier umgab. „Ein volles Gotteshaus wie wir es nur zu Weihnachten erleben, jetzt schon im Sommer, das hat einen besonderen Reiz“, sagte sie.

Schulleiter Dr. Volker Schütte hob in seiner Begrüßung auf den tagesaktuelle 17. Juni 1953, dem Volksaufstand in der ehemaligen DDR, ab. Seinerzeit hätten sich die Aufständischen auf ihre Mündigkeit besonnen. Diese Mündigkeit als Vermögen zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit, führte Schütte aus, sei elementar für das Leben. Das Verständnis dafür sei den Abiturienten nun in ihrer Schulzeit vermittelt worden. Schütte berief sich auf den Philosophen Immanuel Kant, der 1784 in seinen Schriften sinngemäß niederschrieb, dass es auch bequem sein könne, unmündig zu sein. Der Schulleiter spitzte dies zeitgemäß zu: Es könne nicht sein, dass sich die Gedanken der Jugendlichen nur noch darum drehten, wie man als Anwender von Apple Store zu Windows gelange. Das könne es nicht sein. „Sie müssen sich die Fähigkeit bewahren, sich von der Unmündigkeit zu befreien“, wandte er sich an die Abiturienten.

Eintrittskarte für Zukunft

Als Gastredner agierte Dr. Falko Grube, Landtagsabgeordneter mit SPD-Mandat aus Magdeburg. Schulleiter Schütte stellte ihn als einen universitären Freund vor. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Prof. Martin Schafföner, der am Bismarck-Gymnasium sein Abitur abgelegt hatte, verfügt Grube über keine regionale Bindung zu Genthin. Dennoch hielt er eine nuancierte, inhaltlich in sich geschlossene Festrede, die nicht mit dem gehobenen Zeigefinger gehalten wurde.

Bilder

Auch wenn er locker einstieg, dass er den Abiturienten keine Ratschläge mit auf ihren weiteren Lebensweg mitgeben werden, blieben diese freilich nicht aus. „Sie haben heute ein Papier bekommen mit Zahlen und vor allem mit einem Stempel. Es ist Ihre Eintrittskarte in die Zukunft. Sie haben es in der Hand, die Zukunft zu gestalten“, sagte er. Grube leitete an dieser Stelle dazu über, dass die Abiturienten in der Gewissheit leben würden, die Welt in Frage zu stellen. „Was“, fuhr er fort, „ist wichtig, um die Welt besser zu machen? Für ihn seien es Menschen mit Haltung und den dazugehörigen Mut. Grube legte den Abiturienten deshalb abschließend ans Herz: „Machen Sie Haltung zu der Maxime des Handels“.

Vielleicht hätten beide Redner den Absolventen auch die Botschaft vermitteln können, dass es sich lohne, mit einem Berufsabschluss in der Tasche wieder in die Heimat zurück zu kommen.

Auszeichnungen

Der folgenden Zeugnisübergabe schlossen sich noch weitere Auszeichnungen an.

Für sehr gute Leistungen im Fach Physik wurden mit einem Preis Marie-Charlott Krüger und Tobias Franke geehrt, im Fach Chemie ging eine solche Ehrung an Jasmin-Aurelia Henning. Der Förderverein des Bismarck-Gymnasiums würdigte neben den drei Besten des Jahrganges auch drei Abiturientinnen für ihr außerschulisches Wirken. Das waren Maria Pfannkuchen als Dolmetscherin, für ihr Wirken bei Genthin 2020 und bei der Jugendweihe, Hannah Steffen als „Aushängeschild des Genthiner Radsports“ und Jasmin Aurelia Henning als erfolgreiche Teilnehmerin an Mathematik- und Chemie-Olympiaden.