Genthin l „Eine schöne Anerkennung“, sagt Udo Krause über die Urkunde, die ihm vom Justizministerium per Post zuging. Bekommen hat er sie für „seine Verdienste um die Rechtsprechung in Sachsen-Anhalt“. So ist es auf dem Dokument, das laut Krause einen Ehrenplatz bekommen wird, vermerkt. Gemeint ist damit seine Arbeit als Schöffe beim Burger Amtsgericht. Krause ist seit 2014 dabei. Bevor man als Schöffe neben dem Richter Platz nimmt, muss allerdings einiges geklärt sein. Folgende Voraussetzungen sind vorgeschrieben: Die Bewerber müssen zwischen 25 und 69 Jahren sein. Wer Notar oder Polizist von Beruf ist, darf nicht als Schöffe arbeiten. Personen mit einer Vorstrafe oder Menschen, gegen die ein Ermittlungsverfahren läuft, werden ebenfalls aussortiert.

Überwiegend Einbrüche und Körp

„Allen anderen kann ich die Bewerbung sehr empfehlen“, zieht Krause nach drei Jahren Bilanz. Er sei 2013 durch einen Aufruf in der Volksstimme darauf aufmerksam geworden. „Klingt interessant“, hätte er damals gedacht und kann die Vermutung von einst heute bestätigen. Die Einsätze seien überschaubar, etwa viermal im Jahr sei er ins Burger Amtsgericht bestellt worden. Bei den Verhandlungen ginge es überwiegend um Einbrüche oder Körperverletzungen.

Vor dem ersten Einsatz vor Gericht absolvierte der 32-Jährige einen Aufbaukurs. Diese Unterrichtseinheiten werden von der Kreisvolkshochschule organisiert und finden im Burger Amtsgericht statt. „Es geht unter anderem um das deutsche Rechtssystem, das Grundgesetz und die Befugnisse des Amtsgerichts.“

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Udo Krause hat an der Magdeburger Universität Politik und Geschichte studiert und arbeitet nach einer zusätzlichen Ausbildung in Genthin als Versicherungsfachmann. „Das Thema Strafrecht, zu dem man als Schöffe einen exklusiven Zugang bekommt, fasziniert mich ebenfalls“, erzählt Krause über seine Gründe, sich ehrenamtlich vor Gericht zu engagieren.

Wichtig für alle Laienrichter ist die Schweigepflicht. „Über die Verfahren, Angeklagten oder Zeugen darf man nicht sprechen“, sagt Krause. Ein paar Details darf er aber doch verraten. Zum Beispiel, dass man als Schöffe zivile Kleidung trägt. „Die Robe ist dem Richter vorbehalten.“ Sonst sei man aber durchaus gleichberechtigt. „Bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht gibt es einen Richter und zwei Schöffen. Letztere könnten den Richter also theoretisch überstimmen.“ In der Praxis sei das aber unwahrscheinlich, da Berufs- und Laienrichter sich natürlich beraten. Schöffen gewährleisten, dass tatsächlich alle Kraft vom Volke ausgeht. So steht es auch im Grundgesetz.

Im Gegensatz zum Richter wissen die Schöffen vor der Verhandlung weder wer der Angeklagte ist, noch um was es thematisch geht. „Das erfährt man erst am Tag der Verhandlung“, erklärt Krause. So soll Befangenheit vermieden und Neutralität gewährleistet werden. „Das macht so einen Tag bei Gericht natürlich spannend.“

Alle fünf Jahre suchen die Gemeinden solche Laienrichter, die bei der Urteilsfindung unterstützen. Im kommenden Jahr kann man sich für die nächste Periode (2019 bis 2024) bewerben.