Wernigerode l „Wir können auf Veranstaltungen hier vor Ort, in Deutschland und in Europa zurückblicken“, sagt Matthias Wagener. Der Geschäftsführer der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) lässt das Jubiläum „25 Jahre Volldampf in Freiheit“ im Gespräch mit der Volksstimme Revue passieren.

Begonnen hatte der Reigen am 19. März mit der Eröffnung der offiziellen Sonderstempelstelle im Bahnhof Brocken. Zum ersten Mal seit 71 Jahren konnte wieder eine Karte vom höchsten Gipfel im Norden verschickt werden.

Getrübte Freude

Dann wurde die Freude allerdings getrübt. Die HSB musste wegen der islamistischen Terroranschläge die im März in Brüssel geplante erste Europa-Tournee stornieren. Wagener: „Wir haben gesagt, das geht nicht. Und es war richtig, dass wir abgesagt haben.“ Ob die Idee erneut aufgegriffen wird, ist völlig offen. Um so erfolgreicher war dafür das Gastspiel der „Ballerina“ genannten HSB-Dampflok 99 6001 im April in der Picardie (Frankreich).

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Als „wunderbar“ bezeichnet der Geschäftsführer zudem die einwöchige Präsentation der thematischen Ausstellung zum Jubiläum im Parlamentsgebäude der Europäischen Union in Brüssel (April) und in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin (Juni).

Wichtige Programmpunkte bildeten die Kinder- und Familienfeste. Nach Ilfeld (28. Mai) folgten Quedlinburg (20. August) und Wernigerode (17. September). Letzteres wurde laut Matthias Wagener zum eigentlichen Höhepunkt. Auch wegen des symbolischen Mauerdurchbruchs am Bahnhof Westerntor. Der HSB-Chef: „Leider bei strömendem Regen.“

Ganz besonderen Wert legt der 58-Jährige auf die Präsenz der zahlreichen Partner bei den einzelnen Veranstaltungen. Das gilt sowohl für die Gesellschafter des Unternehmens als auch für den Harzer Tourismusverband (HTV). Ebenfalls wichtig ist ihm die Würdigung der Leistungen durch die eigenen Mitarbeiter. Für sie gab es zwei Veranstaltungen in Goslar-Rammelsberg. Erstmals wurden zudem die ehemaligen Beschäftigten eingeladen. Von 80 fanden immerhin 50 den Weg in den „Kräuterhof“ nach Drei Annen Hohne.

Krönender Abschluss

Den krönenden Abschluss bildete am 19. November die Vorstellung des Buches „Unsere HSB – Eine Zeitreise in Wort und Bild ab 1989“ im einstigen Wernigeröder Landratsamt. Matthias Wagener: „Im selben Raum, in dem damals der GmbH-Vertrag besiegelt worden war.“

Insgesamt gesehen wurde das Ziel erreicht, das sich „Die Größte unter den Kleinen“ für ihr Jubiläum gestellt hatte. Der Geschäftsführer: „Wir wollten zeigen, was wir in den 25 Jahren auf die Beine gestellt haben.“ Nicht zum Selbstzweck, sondern als Botschafter für die gesamte Region.

Erst einmal Durchatmen

Neben Wagener haben Eisenbahnbetriebsleiter Jörg Bauer (57) und Prokurist Rüdiger Simon (63) in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich die Weichen für die HSB gestellt. Und werden dies auch weiter. In punkto Feiern ist dabei allerdings zunächst einmal Durchatmen angesagt.

„Emotionen vermitteln und wirtschaftlich arbeiten“ heißt auch künftig die Formel für den Erfolg. Der HSB-Chef: „Wir haben den weltweit größten Bestandteil an Dampflokomotiven im täglichen Betrieb.“ Diesen gilt es, zu pflegen. „Absolut lebenswichtig für uns“ ist dabei das Werkstatt-Projekt auf dem Wernigeröder Ochsenteichgelände. Spätestens Anfang 2018 soll dafür der erste Spatenstich erfolgen. Die Einweihung könnte dann Ende 2019 gefeiert werden.

Ebenso wichtig ist die weitere Sicherung der Finanzierung durch den Freistaat Thüringen. Der Vertrag soll daher zügig bis 2030 verlängert werden.

Zeichen gesetzt

Und noch eines behalten die Schmalspurbahner im Blick. Matthias Wagener: „Der Anschluss nach Braunlage wäre auf jeden Fall sinnvoll.“ Symbolisch für die Initiative „Ein Harz“. Vor allem würde damit aber touristisch ein Zeichen gesetzt. Trotz dreier gescheiterter Anläufe seit 2008/2009 lebt der Traum weiter. Laut Betriebsleiter Bauer wäre die sechs bis sieben Kilometer lange Trasse „als Investition überschaubar“.

Bis es (vielleicht) so weit ist, stehen für 2017 Vorhaben zur Modernisierung des bestehenden Netzes auf dem Programm. Jörg Bauer nennt dazu als Beispiele die Bahnübergänge Trautensteiner Straße in Benneckenstein und Sternhaus Haferfeld für jeweils rund 750 000 Euro. Zudem wird die Installation eines Kollisionswarnsystems abgeschlossen.

Im Übrigen ist die HSB bemüht, in den nächsten Monaten ein seit Längerem drängendes Problem zu lösen. Bauer: „Wir hoffen, auf dem Brocken den Bahnsteig I sanieren zu können. Da müssen wir ran.“