Halberstadt/Langenstein l Die Ortsteile Halberstadts per attraktivem Fahrradweg mit der Kernstadt zu verbinden, ist ein Wunsch von Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke). Für zwei Dörfer, Emersleben und Klein Quernstedt, ist das seit Jahren bereits Realität. Jetzt rückt Langenstein in den Fokus. Mit dem Thema hat sich am Dienstagabend der Ortschaftsrat Langenstein beschäftigt.

Stadt setzt auf zahlungskräftige Partner

Den Impuls zur Initiative habe Andreas Henke im Oktober 2016 auf einer Tagung der Regionalen Planungsgemeinschaft Harz erhalten, informiert auf Volksstimme-Nachfrage Ute Huch, Sprecherin der Stadtverwaltung. Daraufhin habe der Oberbürgermeister seine Planungsabteilung beauftragt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Geld, um in Eigenregie Radwege zu bauen oder zu unterhalten, hat die Kreisstadt allerdings keines. Stattdessen setzt man im Rathaus auf zahlungskräftige Partner. Im Fall von Langenstein auf die Landesstraßenbaubehörde beziehungsweise den Bund. Hintergrund ist, dass der Radweg der Bundesstraße 81 folgen könnte, die das Dorf mit der Stadt auf direktem Weg verbindet.

Im Ortschaftsrat sei über zwei Varianten diskutiert worden, berichtet Ute Huch. Die Verwaltung schlug den direkten Weg an der B 81 oder über landwirtschaftliche Wege abseits der Bundesstraße vor. Der Ortschaftsrat habe sich für die direkte Verbindung ­ausgesprochen, so Ute Huch. Ausschlaggebend dafür sei, dass dafür die Grundstücke bereits überwiegend dem Bund gehören. Eine Streckenführung durch die Feldflur sei wesentlich länger und topografisch ungünstiger, argumentiert die Stadtverwaltung. Damit würde die Gefahr bestehen, dass der Fahrradweg für Alltagswege wie zum Beispiel zur Arbeit oder zur Schule nicht angenommen werde.

Behörde plant derzeit keinen Wegebau

Wer nun annimmt, der Bau ist in Sack und Tüten und damit nur noch eine Frage der Zeit, der täuscht sich. „Jetzt wird die Stadt mit der Bitte auf Prüfung der Umsetzung an die Landesstraßenbaubehörde ­herantreten“, sagt Ute Huch im Volksstimme-Gespräch.

Stefan Hörold, zuständiger Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde, zeigt sich überrascht. „Einen Plan zum Bau eines Fahrradweges zwischen Langenstein und Halberstadt gibt es derzeit bei uns nicht.“ Das sei zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht zielführend, so der Behördenchef. Zum einen sieht der Bundesverkehrswegeplan den vierstreifigen Ausbau der B 81 zwischen dem Pfeifenkrug und Halberstadt vor. Außerdem steht der Bau der westlichen Ortsumgehung Halberstadts (sogenannte Helmvariante 10,7 Kilometer lang, 42 Millionen Euro teuer, Stand 2016)) an. Laut Plan soll die B 81 ab der Abfahrt Groß Quenstedt in einem Bogen um Halberstadt geführt werden und bei Wilhelmshöhe wieder die alte Bundesstraße erreichen.

Ist das der Fall, wird die B 81 zwischen der Kreisstadt und Wilhelmshöhe auf alle Fälle herabgestuft. Ob dann die Landesstraßenbaubehörde die Bau-Kosten für den Radweg übernimmt, sei fraglich. Allerdings bestünde die Möglichkeit, dass der Bund auch eine trassenferne Variante bezahlt, also ohne Bundesstraße in der direkten Nachbarschaft, so Stefan Hörold.