Halberstadt/Oschersleben l Bleibt Besuchern die Tür der kleinen Kapelle des Neindorfer Schlosses (Bördekreis) sonst eher verschlossen, war das architektonische Kleinod mit interessanten Spuren der Spätgotik, der Renaissance und des Barock diesmal bis auf den letzten Platz besetzt. Grund dafür war eine Einladung des Walter-­Krienitz-Vereins zur Verleihung von drei Preisen.

Versprüht das historische Gemäuer mit Reliefs, Bildnissen und dem Altaraufsatz von 1679 einen besonderen Charme, so sind doch die Spuren unverkennbar, die der Zahn der Zeit hinterlassen hat und die auf eine Beseitigung warten. Davon betroffen ist die 1778 von dem Halberstädter Johann Christoph Wiedemann erbaute Orgel nicht. Denn sie wurde 2010 restauriert und erklang an diesem Abend zur feierlichen Eröffnung der Veranstaltung.

Prof. Dr. Steffen Rickes, Vorsitzender des 2007 in Halberstadt gegründeten Vereins, erinnerte in seiner Begrüßung an die Verleihung des Nobelpreises für Medizin 2005 an die australischen Forscher Marshall und Warren für deren Entdeckung des Magenbakteriums Helicobacter und darauf, dass bereits lange vor deren Beschreibung auf die Existenz von Bakterien im Magen hingewiesen wurde. Eine der Erstbeschreibungen geht auf den Halberstädter Arzt Dr. Walter Krienitz zurück. Dieser veröffentlichte 1906 in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift eine Arbeit, in der er über spiralförmige Bakterien im Mageninhalt eines Patienten mit Magenkarzinom berichtete.

Dr. Horst Schnellhardt sagte anschließend in seinem Grußwort, dass er die Entwicklung des Vereins seit seiner Gründung begleitet. Anfang sei er skeptisch gewesen, gibt der ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments, zu. Wie könne ein Verein mit dem Namen eines zwar bedeutsamen, aber fast vergessenen deutschen Mediziners etwas bewegen, habe er sich damals gefragt. Doch die Skepsis sei völlig unbegründet gewesen, denn schon bald nach der Gründung wurde der Dr. Walter-Krienitz-Park in Halberstadt eingeweiht, nach einem Jahr eine Bronzebüste aufgestellt und später eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus des Arztes enthüllt. Damit wurde das Interesse auf den Mediziner gelenkt.

Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer ging in seinem Grußwort auf die Bedeutung der modernen Medizin ein und verwies am Beispiel der Helios-Klinik darauf hin, welche enorm wichtigen Dienstleistungen für die Bürger hier erbracht werden.

Das Stadtoberhaupt erinnerte daran, dass das Schloss 1944 Krankenhaus wurde und ein solches über Jahrzehnte blieb. Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde der Klinikneubau im Ortsteil Neindorf eröffnet und einige Jahre später die Klinik privatisiert. Seit 2014 befindet sich die Bördeklinik in Trägerschaft der Helios Kliniken.

Den Festvortrag hielt Christoph Schmidtpeter, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Neindorf. Er schaute zurück auf die Errichtung der Schlossanlage, die Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, den Bau des heutigen Schlossses durch Graf Maximilian von der Asseburg, dessen Geschlecht ab etwa 1463 über gut fünf Jahrhunderte den bedeutendsten und längsten Einfluss auf den Ort nahm. Das Schloss steht seit 2004 leer.

Der 2015 gegründete Förderverein habe sich zur Aufgabe gemacht, das denkmalgeschützte Gebäudeensemble und die Parkanlage zu erhalten. Das erfordere viel Zeit und starkes Engagement. In diesem Zusammenhang bedankte sich Schmidtpeter beim Krienitz-Verein für die finanzielle Unterstützung.

Den Walter-Krienitz-Doktorandenpreises 2015 bekam Dr. Raphael Gukasjan vom Universitätsklinikum Magdeburg für seine Dissertation „Vergleich eines neuen mit etablierten Entzündungsparametern bei Patienten mit Peritonitis“. Dr. Patrick Sven Plum vom Universitätsklinikum Köln nahm den Walter-Krienitz-Gedenkpreises 2015 entgegen für sein als Vortrag präsentiertes Abstrakt „Differenzierung von Adenokarzinomen des oberen Gastrointestinaltraktes und Prädiktion des Langzeitüberlebens beim Magenfrühkarzinom anhand eines molekularen Marker-Panels“.

Verdienten Beifall gab es nicht nur für die Geehrten, sondern am Ende der Preisverleihung auch für die Cellogruppe der Kreismusikschule Harz Standort Halberstadt unter Leitung von Anke Treulieb und deren gelungene musikalische Umrahmung.

Eine Kostprobe der künstlerischen Arbeiten von Leonore Abend und von Patienten wurden bei einem Sektempfang im Schloss präsentiert, in dem sich die Festgäste außerdem einige der sonst nicht zugänglichen Räume in Ruhe anschauen konnten.