Stötterlingen (mhe) l Jetzt ist es wirklich bei den Menschen angekommen, das drohende Problem des Kiesabbaus in Stötterlingen. Mehr als die Hälfte des 200-Seelen-Dorfes folgte der Einladung der örtlichen Feuerwehr zur Einwohnerversammlung. Für die wenigsten gab es am Donnerstagabend einen Sitzplatz, aber auch stehend harrten sie über eine Stunde für die Informationen aus. Informationen darüber, was ihnen bevorzustehen droht und was sie tun können, um sich dagegen zu wehren.

Laster im Minutentakt

Was den Stötterlingern droht, das artikulierten sie selbst so: bei Westwind Sandstaub wie in der Sahara, Kieslaster im Minutentakt, das Aus für eine intakte Natur mit bedrohten Tieren, die auf der roten Liste stehen. Andere Orte sehen sich unterdessen noch mit anderen Problemen konfrontiert, speziell der Hochwassergefahr für Bühne.

Zuvor hatte vor allem Manfred Hundertmark die Zusammenhänge erläutert. Hundertmark kommt aus Bühne, hatte in Stötterlingen über viele Jahre an der Spitze der Ackereigentümer und Bauern das Flurneuordnungsverfahren koordiniert. Er sowie die Landwirte Joachim Moshake und Wilfried Schmidt stehen an der Spitze der Kiesabbaugegner.

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Landwirte betroffen

Weil die Landwirte mit den von ihnen bewirtschafteten Äckern persönlich vom Kiesabbau Bühne-Ost betroffen sind, erfuhren sie als erste, dass das seit 23 Jahren im Raum stehende Vorhaben vor einer Entscheidung steht.

Spontanen Beifall erhielten die Drei für ihr persönliches Engagement, das überhaupt erst dazu geführt hat, dass vor wenigen Wochen die wahren Auswirkungen des Kiesabbaus an die Öffentlichkeit kamen. „Bühne-Ost wollte man unter den Tisch kehren“, sagte Schmidt über die Landesbehörden. Vor allem die zusätzlichen Transporte vom Ilsetal zum bestehenden Kieswerk bei Suderode, wo der Ilsetaler Kies erst noch aufbereitet werden soll, bevor er zu den Baustellen gefahren wird.

Entscheidung verschoben

Manfred Hundertmark berichtete von Teilerfolgen, die durch den Widerstand erreicht wurden. Die Landespolitik hat sich des Themas angenommen, auch in Niedersachsen. Die vom Wirtschaftsminister angekündigte Entscheidung über den Betriebsplan des Antragstellers bis Ende März wurde verschoben.

Das Genehmigungsverfahren soll wegen schwerwiegender Änderungen nochmal aufgerollt, die Antragsunterlagen in Kürze digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Am 15. Juni beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Landtages mit dem Kiesabbau im Ilsetal.

Sammlung von Unterschriften

Um den Protest zu untermauern, sind jetzt Unterschriftenlisten im Umlauf. Auch auf der Einwohnerversammlung wurden viele verteilt. Bis 10. Juni kann sich jeder, der gegen den Kiesabbau im Ilsetal ist, darin eintragen. Die Listen werden am 15. Juni im Magdeburg dem Petitionsausschuss überreicht.

Zu sehen sind in den Dörfern jetzt auch Protestplakate, weitere werden hinzukommen.

200.000 Tonnen Kies sollen jährlich im Ilsetal abgebaut werden, auf einer über 50 Hekt-ar großen Fläche und über 20 Jahre. Manfred Hundertmark sieht das aber nur als Einstieg, da das gesamte Gebiet fast vier Mal so groß ist und die größte Kiesmächtigkeit im Ilsetal nicht in der jetzt beantragten Teilfläche liegt. Zwischen Bühne und Suderode habe er bereits erleben müssen, wie das Abbaugebiet von anfangs zehn auf jetzt 60 Hektar erweitert worden sei.