Halberstadt l Gundula Schiller wollte keinen „großen Bahnhof“ anlässlich ihrer Verabschiedung. Das äußerte die langjährige Schulleiterin der Sekundarschule „Am Gröpertor“ gegenüber ihrem Kollegen Harald Hohmann, als sie ihn bat, die Regie für diese Veranstaltung zu übernehmen. „Kein Chor, keine Sketche, keine langen Reden“ – das stand außerdem auf ihrer Wunschliste.

Alles zu erfüllen, sei nicht möglich gewesen, sagte Hohmann bei der Begrüßung von Kommunalpolitikern und Lehrern von einst und jetzt, Schulleitern und Kollegen aus anderen Schulen, Vertretern aus Wirtschaft und Bildungseinrichtungen, Familienmitgliedern und Freunden seiner scheidenden Chefin in der multifunktionalen Europahalle der Schule. Denn der Abschied sollte schon gebührend gefeiert werden, so die Meinung der Gäste.

Gemeinsam mit Andreas Güldner und dem Schüler Timo Prietzel spielte er einen bekannten Song mit neuem Text: „Wenn du fortgehst, ist die Schule leis‘ ...“ und erinnerte daran, dass Gundula Schiller nach dem Abitur in Halberstadt und dem Studium in Rostock zunächst an der Erweiterten Oberschule (EOS, dem Gymnasium heute vergleichbar) in Tangerhütte unterrichtete, bevor sie 1981 in ihre Heimatstadt zurückkehrte, an der Polytechnischen Oberschule (POS) „John Schehr“ Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin wurde und am Ende des Schuljahres 1986/1987 in der heutigen Sekundarschule die Nachfolge von Hans Helbig, der seit 1951 Schuldirektor war, antrat.

Aushängeschild für Landkreis

Landrat Martin Skiebe (CDU) würdigte anschließend die Leistungen dieser Frau, die rund 30 Jahre die Geschicke der Schule geleitet und diese als Europaschule zu einem Aushängeschild für den Landkreis gemacht habe.

Viel Lob gab es für das beispielhafte Miteinander im Kollegium, die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Schulträger und die Erfüllung der Bildungsaufgabe auf hohem Niveau. Und das in einem Schulgebäude, das auch dank ihres engagierten Wirkens 2009 bis 2012 umgebaut wurde und damit eine Zukunft bekam. Es sei nicht nur ein Schmuckstück geworden, sondern eine Einrichtung, in welcher der Unterricht funktioniert, die Schüler für das weitere Leben gut ausgerüstet und rechtzeitig vorbereitet werden, Verantwortung zu übernehmen, unterstrich Skiebe.

Der Landrat vergaß nicht zu erwähnen, dass der Kreistag seit dem Umbau die multifunktionale Aula nutzen dürfe. „Hier werden Beschlüsse gefasst, die wichtig sind für den Landkreis, und Zeichen gesetzt für die Zukunft, so auch für Investitionen in die Schulinfrastruktur“, betonte er und dankte für das freundliche Willkommen und die gute Betreuung seitdem.

Wer so viel Herzblut in seinen Beruf gesteckt, diesen als Berufung verstanden und so lange erfolgreich an einer Schule gewirkt habe, der bleibe auf eine Art damit verbunden, auch wenn er verabschiedet wird, bemerkte Skiebe abschließend.

Herauforderungen der Zeit gut gemeistert

„Sie haben von Anfang an das Vertrauen der Lehrer, Schüler und Eltern erworben und diese Schule durch Ihren Ideenreichtum und Optimismus geprägt“, sagte Ulrich Linke, Dezernent im Landesschulamt.

Die erfolgreiche Etablierung als Europaschule mit Partnern in zahlreichen Ländern, die Begleitung der baulichen Veränderungen, viele erfolgreiche Schulabschlüsse und der Einsatz bei der Rettung der Pferdezucht nannte er Ergebnisse einer engagierten Arbeit. „Als Lehrerin und Schulleiterin haben Sie sich allen Herausforderungen der Zeit gestellt und erfolgreich gemeistert“, dankte er im Namen der Direktorin des Landesschulamtes.

Halberstadt habe gute Bildungsmöglichkeiten zu bieten, von der frühkindlichen Erziehung bis zur Hochschule Harz, so Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke). Die Gröpertorschule habe einen großen Anteil daran. Sie existiere nicht nur als eine schöne Hülle, an dieser Schule gehe es um Inhalte, hier werde Wissen vermittelt und den Schülern von den Lehrern Wichtiges vorgelebt.

Horst Schnellhardt, der seit mehr als zwei Jahrzehnten engen Kontakt zur Schule pflegt, verwies auf den gemeinsamen Kampf um den Erhalt der Pferdezucht sowie die Verleihung des stolzen Titels Europaschule und ehrte Gundula Schiller mit der Europamedaille der CDU/CSU-Gruppe im europäischen Parlament.

Der Lehrer Jörg Wenske erinnerte unter anderem an die nicht einfache Zusammenlegung der Sekundarschulen Goethe und „Am Gröpertor“, die damit 2003 in Trägerschaft des Landkreises übergingen, und er sprach von den vielen gelungenen Aktivitäten unter Gundula Schillers Leitung wie das Jubiläumsfest, den Weihnachtsmarkt, die Camps, den Schüleraustausch und vieles, was mit Europa zu tun hat.

„Wir sind stolz, in dieser Schule lernen zu dürfen und freuen uns jeden Morgen hierher zu kommen, die meisten jedenfalls“, sprach Timo Prietzel im Namen der zehnten Klassen und aller Schüler, „dafür bedanken wir uns bei Ihnen und allen Lehrern. Uns fällt es nicht leicht, uns von dieser Schule zu trennen.“

Tolles Miteinander an Schule

„Es ist alles nicht allein mein, sondern unser aller Verdienst“, reagierte Gundula Schiller auf die vielen lobenden Worte, „deshalb möchte ich das viele positiv Genannte gern teilen mit meinen Kolleginnen und Kollegen und allen, die in diesem Schulhaus wirken, Sekretärin und Hausmeister eingeschlossen. Denn wir sind ein gutes Team, was die Schüler und Eltern spüren und viele ehemalige Lehrer und Schüler immer wieder hierher zieht. Das macht uns aus.“

Am 31. Januar endet ihre lange Schulzeit. Ab dem 1. Februar übernimmt Björn Alsleben die Schulleitung. Der heute 35-Jährige ist seit sechs Jahren Sport- und Ethiklehrer an der Gröpertorschule. Er hat an dem Ausschreibungsverfahren teilgenommen, war nach dem Beurteilungsverfahren als geeignet eingestuft worden und bekam jetzt die Berufungsurkunde vom Landesschulamt überreicht.

„Als ich an diese Schule gekommen bin, spürte ich etwas Besonderes, was ich weder beim Studium noch im Praktikum kennen gelernt habe. Dieses tolle Miteinander ist eine sehr gute Basis für unsere gemeinsame Arbeit. Darauf möchte ich weiter aufbauen“, sagte der Wernigeröder und gestand, dass ihm nicht erst durch die Worte des Landrates bewusst geworden ist, welche Spuren Gundula Schiller an dieser Schule und darüber hinaus hinterlässt.

Zum Schluss sang Harald Hohmann noch ein Abschiedslied „Auf Wiedersehen, good bye, ab morgen hast Du frei...“, in das alle Lehrerinnen und Lehrer einstimmten und mit dem sie ihre scheidende Chefin einluden: „Wenn Du Schulweh hast, komm einfach her ...“