Sankt Andreasberg/Kiel l Utz Schmidtko und seine Mitstreiter von der Sternwarte Sankt Andreasberg sind in freudiger Erwartung. Im Rahmen der Kieler Museumsnacht erhalten sie heute unter dem Dach der Sternwarte der Fachhochschule in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt eine sogenannte audio-taktile Himmelsscheibe.

Der Vorsitzende: „Auf ihr können blinde und sehbehinderte Menschen Sterne und Sternbilder erfühlen und hören.“ Die Harzer kämen damit ihrem hohen Anspruch, den Himmel allen Interessenten nahe zu bringen, wieder einen Schritt näher.

Geschenk aus Kiel

Laut Schmidtko handelt es sich um ein Geschenk des Vereins Andersicht in Kiel. Es sei aus Spenden finanziert worden. Die Idee zu dieser fast einen Quadratmeter großen Sternenkarte stamme von Niels Luithardt.

Bilder

Der Mathematik- und Physikstudent sei selbst ein begeisterter Hobby-Astronom und seit seiner Kindheit blind. Er habe dann das Modell selbst entworfen. Umgesetzt worden sei das Projekt durch die Firma drei-D-Formenbau mit moderner Technologie und Maschinen.

Utz Schmidtko: „Die sprechende Himmelsscheibe ist auf einem Pult montiert.“ Normal und in Braille-Schrift könnten alle Tage des Jahres und die Uhrzeit eingestellt werden. Dann würden alle Sterne erscheinen, die zu dem gewählten Zeitpunkt mit bloßem Auge am Firmament sichtbar sind.

Leuchtkraft erkennen

Der Niedersachse: „Insgesamt 170 Sterne aus 35 Sternbildern sind als runde Knöpfe in drei Größen abgebildet.“ Daran könnten die Nutzer die Leuchtkraft der einzelnen Objekte erkennen. Werde eine Taste berührt, nenne die Himmelsscheibe den Namen des Sterns und die Zugehörigkeit zum jeweiligen Sternbild.

Wer mehr Informationen wünsche, der müsse etwas länger drücken. Utz Schmidtko: „Die jeweils aktiven Sterne sind nicht nur zu hören, sondern leuchten sogar auf.“ Deshalb sei die Karte auch für Sehende ein besonderes Erlebnis.

Die eigentliche feierliche Enthüllung der Gabe aus dem hohen Norden erfolge am Sonnabend, 3. September, um 13.30 Uhr durch ihren Schöpfer während des siebenten Sankt Andreasberger Teleskoptreffens (STATT).

2008 Verein gegründet

Schmidtko führt den Verein eigenem Bekunden nach seit 2010. Gegründet worden sei er zwei Jahre zuvor. Mit acht Mitgliedern, heute habe er weit über 100. Diese stammten nicht nur aus Niedersachsen, sondern auch aus anderen Bundesländern. Außerdem sei die auf 710 Metern gelegene Einrichtung als höchstgelegene ihrer Art in der Region mit sämtlichen astronomischen Institutionen Deutschlands vernetzt.

Die Sternwarte befindet sich auf dem Gelände des internationalen Bildungs- und Tagungszentrums „Haus Sonnenburg“ im Nationalpark Harz. Das Gebäude ist im Juli 2013 durch den Verein gemietet worden. Dann hätten die Mitglieder Mauern durchbrochen, tapeziert und die Außenanlagen hergerichtet. Eröffnung habe im August 2014 gefeiert werden können.

Akustische Signale

 Dass das Team der Einrichtung in Sankt Andreasberg jetzt eine audio-taktile Sternenscheibe geschenkt bekommt, dürfte im Übrigen kein Zufall sein. Vor den Umbauten hätten die Mitglieder Menschen mit Behinderungen eingeladen, berichtet der Vorsitzende. Utz Schmidtko: „Mit Erfolg. Unsere Sternwarte ist die erste barrierefreie ihrer Art in Deutschland.“ Dabei sei auch an Sehbehinderte gedacht worden. So könne vieles ertastet werden. Technische Geräte würden akustische Signale aussenden.

„Unser Relief des Sternenhimmels zum Schauen, Fühlen und Hören wird in Sankt Andreasberg einen würdigen Platz haben“, zeigt sich Jürgen Trinkus überzeugt. Der Chef des Vereins Andersicht: „Dort wird das Modell künftig helfen, allen Menschen mit allen Sinnen den Himmel und die Sterne nahezubringen.“