Halberstadt l Kleider, wohin das Auge sieht. Dicht an dicht liegen sie in Regalen oder hängen auf Stangen. Bis hoch zur Decke. Jeder Zentimeter des Fundus im Halberstädter Theater ist genutzt. „Wir haben rund 12.000 Kostüme“, berichtet Renate Horatschek. Sie verwaltet den Fundus und hat dieser Tage viel zu tun – zahlreiche Faschingsfeiern stehen vor der Tür. Extra dafür wurden die Öffnungszeiten der Theater-Kleiderkammer ausgedehnt. „Viele kommen auf den letzten Drücker“, verrät Renate Horatschek. Die gelernte Schneiderin versichert: „Wir finden trotzdem für jeden etwas. Die Auswahl ist ja groß.“

Allerdings müssen die Kunden ein wenig flexibel sein. Schließlich handelt es sich bei den Kostümen um Einzelstücke. „Viele wurden für einen bestimmten Schauspieler oder Tänzer für ein Stück gefertigt“, berichtet Renate Horatschek. Zwar wird vor neuen Aufführungen im Fundus gestöbert, ob etwas Passendes für die Rollen vorhanden ist, dennoch werden immer wieder neue Kleider gefertigt. Die Bandbreite der Kleidungsstücke ist dementsprechend so groß, wie der Spielplan des Theaters abwechslungsreich ist: Modern bis klassisch, extravagant bis schlicht.

Sportdress statt Kostüm

Wo was in den beiden Fundus-Räumen zu finden ist, hat Renate Horatschek im Blick. „Wir sortieren nach Epochen.“ Seit 21 Jahren kümmert sie sich um Ritterrüstungen, Prinzessinnenkleider und Co. Dabei verkleidet sie sich selbst nicht gern, gesteht sie. Bei der Faschingsfeier ihrer Sportgruppe wird sie im Sportdress auftauchen. „Ich habe gesagt, dass ich nur komme, wenn ich so bleiben darf, wie ich bin“, berichtet die Quedlinburgerin und lacht.

Umso mehr Einfallsreichtum besitzt sie für ihre Kunden. „Ich hab da schon was im Kopf“, sagt sie zum Beipiel zu Vanessa Stach. Die 16-jährige Halberstädterin träumt von einem Prinzessinnenkleid. „Das war schon als Kind mein Lieblingskostüm. Prinzessin oder Marienkäfer“, berichtet sie.

Renate Horatschek geht derweil zielsicher auf eine Kleiderstange zu und zieht ein dunkelblaues, Pailletten besticktes Kleid hervor. Das Kostüm von Anna aus „Die Eiskönigin“ trifft den Geschmack ihrer jungen Kundin genau.

Als Cheerleaderin ist es Vanessa Stach gewöhnt, Blicke auf sich zu ziehen. Dementsprechend verkleidet sich die Schülerin manchmal auch ganz gern. „Aber eigentlich mag ich nur Kostüme, in denen man nicht blöd aussieht.“

Beim Stöbern im Fundus macht die Halberstädterin eine Ausnahme: Mit der Hexenmaske samt schwarzer Perücke würde nicht einmal ihre Mutter sie erkennen und in dem Torten-Kostüm aus „Hänsel und Gretel“ ist von der zierlichen Figur der Schülerin nichts mehr zu erahnen. So viel das Schlüpfen in die verschiedenen Rollen auch bereitet – Favorit bleibt das funkelnde, blaue Ballkleid, sagt sie.

Prinzessin und Musketier liegen im Trend

Damit liegt sie auch im Trend, sagt Renate Horatschek. Die meisten Frauen interessieren sich für Prinzessinnenkleider – ob in der modernen Variante oder nach historischem Vorbild. Bei Männern sind in diesem Jahr vor allem Gardeuniformen und Musketier-Kostüme gefragt, berichtet die Schneiderin.

Das bestätigt Rolf Finner aus Ballenstedt. Er bringt gerade sein Kostüm zurück, dass er sich für die Fastnacht in Stiege ausgeborgt hat. Er verkleidete sich als Musketier – samt Dreispitz und Bauchbinde. „Das war das erste Mal, dass ich hier etwas geborgt habe, aber sicher nicht das letzte Mal“, versichert er.

Zwischen 5 und 25 Euro kostet das Ausleihen – abhängig vom Kostüm. In der Regel muss es nach einer Woche zurückgebracht werden. Noch bis Dienstag, 13. Februar, bietet der Fundus längere Öffnungszeiten. Dienstags bis freitags gibt es von 13 bis 17 Uhr Gelegenheit, nach passenden Kostümen zu stöbern. Am Sonnabend, 10. Februar, ist von 9 bis 12 Uhr geöffnet.