Rübeland l Vor vier Wochen war Anne Ipsen zum letzten Mal in der Hermannshöhle. „Im Moment ist es da sehr ruhig“, sagt die promovierte Biologin. Eines der Weibchen unter den sieben Grottenolmen scheine Eier zu tragen. Das sei aber nicht sicher. Die Expertin: „Wir brauchen Geduld.“

Stiftung fördert Rettungsprojekt

Möglicherweise lässt sich das bald genauer ergründen. Dank einer Förderung durch die Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Höhe von 10.000 Euro. Die Bewilligung ist vor Wochenfrist beim Antragsteller gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz eingegangen.

Wie deren zweiter Vorsitzender Friedhart Knolle erläutert, handelt es sich um eine nicht rückzahlbare Anteilsfinanzierung. Der Bewilligungszeitraum läuft vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018. Mit Eigenleistungen und weiterem öffentlichen Geld stehen sogar 21.985 Euro für die Fortführung des Rettungsprojekts zur Verfügung.

Fachtagung in Rübeland

Die Finanzspritze ist bereits verplant. Vom 23. bis zum 29. Oktober soll damit eine internationale Fachtagung in Rübeland ausgerichtet werden. Dazu eingeladen wird laut Anne Ipsen erneut Oliver Guillaume, Leiter des Labors für experimentelle Ökologie am Center National for Research Scientific (CNRS) in Moulis (Frankreich). Der Wissenschaftler hatte am 7. Januar 2015 den sprichwörtlichen Stein erst ins Rollen gebracht.

Bei der Geschlechtsbestimmung widerlegte er die bisherige These, in der Hermannshöhle lebten nur männliche Grottenolme (Volksstimme berichtete). Tatsächlich identifiizierte Guillaume fünf der damals neun Lurche als Weibchen. Mehr noch: Sie trugen sogar Eier.

Auffangstation für Olme

Ebenfalls im Harzort erwartet werden Gregor Aljancic und dessen Frau Magda. Sie betreiben in Slowenien die weltweit einzige Auffangstation für die fast durchsichtigen Proteus anguinus. Die Forscher kümmern sich um jene Mini-Drachen, die durch Starkregen aus ihren Karsthöhlen ins Freie geschwemmt werden.

Weitere Verbesserungen für die Tiere

Anne Ipsen: „Unser Ziel ist es, noch einmal genau zu schauen, ob weitere Verbesserungen für die Tiere möglich sind.“ Denkbar wäre zum Beispiel ein Netz, dass mitten durch den rund 20 Quadratmeter großen und maximal 85 Zentimeter tiefen Olmensee gespannt wird. Dadurch könnten Revierkämpfe vermieden werden und die Gefahr gebannt, dass die Brut einfach zur Beute gerät.

Überlegt werde ebenfalls, Kunstglasscheiben auszulegen, unter denen sich Hohlräume befinden. So hätten die Schwanzlurche noch mehr Möglichkeiten, um sich zu verstecken.

Anne Ipsen will zudem erneut Kontakt zu Dr. Wolf-Rüdiger Große von der Martin-Luther-Universität Halle (Saale) aufnehmen. Dieser hatte bereits 1981 gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Johannes Klapperstück (verstorben) neun der lebenden Relikte der Urzeit gefangen und vermessen. Jetzt solle ausgelotet werden, ob sie als Thema für Bachlor- und Masterarbeiten dienen können.

Die Projektleiterin versprüht trotz der im Herbst 2016 gescheiterten ersten Geburtenhilfe-Aktion mit anfänglich fünf Eiern Optimismus. Sie sagt: „Es wäre eine Sensation gewesen, wenn es da schon geklappt hätte.“

Besucher nehmen Rücksicht

Für die durch die Leitung des Tourismusbetriebes weiter gewährte personelle Unterstützung bei der Pflege der Grottenolme ist sie sehr dankbar. Zudem hat sich bei vielen Gästen das Bewusstsein gewandelt, seitdem in der Höhle ein Film über die mehr als 60 Jahre alten Amphibien gezeigt wird. Anne Ipsen: „Die Leute werfen weniger Geldstücke rein und fuchteln nicht mehr so viel mit ihren Taschenlampen herum.“