Halberstadt l Sie ist ein stets willkommener Gast in der Miriam-Lundner-Grundschule Halberstadt und Judith Biran genießt es, mit den Kindern zu sprechen, ihren Liederm zuzuhören, sie beim Umgang mitein­ander auf dem Pausenhof zu beobachten.

Nachdem es im vergangenen Jahr zum 95. Geburtstag einen „großen Bahnhof“ gab mit Eintragung ins Goldene Buch ihrer Geburtstadt und der Verleihung der Ehrennadel „Silberner Roland“, war es diesmal ein kleinerer Kreis, der die agile Frau aus Tel Aviv begrüßte. Wenn man bei 160 Kindern und Lehrern von kleinem Kreis sprechen kann.

Herzlicher Empfang

Diesmal wurde ihr auf dem Schulhof ein herzlicher Empfang bereitet. Sie und Werner Hartmann, Halberstadts Ehrenbürger und einer der Schulpaten der Miriam-Lundner-Schule, nahmen auf der kleinen von den Kindern umringten Bühne Platz und erfreuten sich nicht nur an dem Lied „Wie schön, dass du geboren bist...“, sondern auch an den unzähligen sehr persönlichen Glückwünschen. Auch Werner Hartmann wurde gratuliert, er feierte am 5. März seinen 94. Geburtstag.

Bilder

Alle Schüler schüttelten ihren betagten Gästen die Hände, gratulierten und überreichten Zeichnungen, die im Anschluss zu Büchern gebunden wurden. Als ihnen Topfkuchen mit Geburtstagskerzen übergeben wurden, fielen Judith Biran Zeilen eines Gedichts „Ich möchte nie ein Napfkuchen sein“ aus Kinderzeiten ein.

Fröhliche Kinderaugen

Die zierliche Frau schaute in fröhliche Kinderaugen, als ihr Lieder und Gedichte vorgetragen und Blumen überreicht wurden. Die Gratulanten wiederum erlebten eine glückliche Frau, die sich sehr gewünscht hatte, erneut auf die lange Reise aus der neuen in ihre alte Heimat zu gehen und hier in Halberstadt Geburtstag zu feiern. Den Geburtstagskaffee gab es am Nachmittag dann in Gesellschaft vieler Gäste im Museumscafé Hirsch.

Doch bevor es soweit war, erinnerte sich Judith Biran in einer kleinen Gesprächsrunde an ihren ersten Besuch in Halberstadt im Jahre 1960 und an den folgenden 1988, als Werner Hartmann sie auf dem Bahnhof mit einer Rose empfing. Seitdem komme sie oft und gern zu Besuch in die Stadt, mit der sie nicht nur gute Erinnerungen verbindet. Denn als sie 17-jährig mit ihren fünf Geschwistern 1938 nach Palästina ausreiste, blieben ihre Eltern zurück. Erst nach dem Ende des Krieges erfuhren sie, dass Saul und Frieda Winter nach Polen verschleppt und dort ermordet worden waren.

Abschied von den Kindern

Bevor sich die weit gereiste Frau von den Kindern verabschiedete, schaute sie ihnen noch beim Spielen zu. Schulleiterin Dr. Bettina Oelmann machte bei der Gelegenheit darauf aufmerksam, dass Judith Biran zur Anschaffung einiger der gern genutzten Spielgeräte beigetragen habe.

„Ich komme gern in eure Schule, vor allem euretwegen“, wandte sich Judith Biran an ihre jungen Freunde. Sie freue sich, jedes Mal die Neuen aus der ersten Klasse kennenzulernen, sagte sie und bedankte sich für den so liebevollen Empfang.

Judith Biran war sehr gut mit Beate Lundner-Pappenheim, der ältesten Schwester von Miriam Lundner, befreundet, kannte Familie Lundner persönlich und ist mittlerweile die Einzige, die von den Lundners aus eigenen Erinnerungen erzählen kann.