Hundisburg l Mehrmals schwang Ulrich Hauer, Leiter des Haldensleber Museums und des Hundisburger Schulmuseums, an diesem Tag die alte Glocke im Hundisburger Schulmuseum. Die Gäste, die aus ganz Deutschland und darüber hinaus bis aus Österreich zur 7. Konferenz deutschsprachiger Schulmuseen und schulhistorischer Sammlungen angereist waren, erkundeten Haus, Hof und Garten in drei Gruppen. Jeweils nach 45 Minuten erschallte die Glocke und kündigte den Wechsel an.

Ulrich Hauer führte durch die Lehrerwohnung. Susanne Otto berichtete im Klassenzimmer über Schulhaus und Schulgeschichte. Judith Vater übernahm es, die Gäste mit dem Hof bekannt zu machen und lud in den Lehrergarten ein, in dem für die Gäste die Kaffeetische gedeckt waren. Der 80-jährige Bäckermeister Ewald Heutling, der gleich nebenan wohnt, hatte für die weit gereisten Gäste eine Überraschung vorbereitet.

Bevor die Frauen und Männer aber ihre Runde durch das Museum antraten, wurden sie von Sabine Wendler, der stellvertretenden Haldensleber Bürgermeisterin, und Joachim Hoeft, der die Verwaltung des Landkreises Börde vertrat, begrüßt. Das Gebäude des Schulmuseums, das frühere Rektorat, das 1704 erbaut wurde, gehört der Stadt Haldensleben, das Inventar aber gehört dem Landkreis. Das Schulmuseum ist dem Haldensleber Museum angeschlossen, das in Kreisregie läuft. 2014/15 wurde das alte Fachwerkhaus einschließlich Hof und Stallung saniert. Sabine Wendler und Joachim Hoeft konstatierten eine sehr gute Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis, wenn es um das Schulmuseum geht.

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Die Gäste konnten beim Rundgang viele Parallelen zu ihren Einrichtungen ziehen, stellten aber auch regionale Unterschiede fest. Besonders beeindruckt waren sie, dass auch in der Lehrerwohnung alles noch fast so ist wie vor 100 Jahren, als Otto Senff hier seine Lehrerstelle antrat. Seine Tochter Ilse Senff hat bis zu ihrem Auszug aus dem Haus vor vier Jahren alles im Original erhalten. Christa Gante von der Museumsschule Hiddenhausen in der Nähe von Bielefeld staunte beispielsweise über die gemauerte Grude. In ihrer Gegend habe es sogenannte Kochkisten gegeben, erzählt sie. Sie ist wie Trudel Zimmermann vom Badischen Schulmuseum Karlsruhe sehr angetan von der Detailgenauigkeit in diesem Museum.

Beim Rundgang mussten die Gäste auf dem Hof unbedingt einen Blick aufs Plumpsklo und in die Ställe werfen. Wie früher die Kinder auf dem kleinen Hof jedoch ihre Pausen verbringen konnten, obwohl hier noch Hühner und Gänse rumliefen und Wäscheleinen gespannt waren, konnten sich einige der Besucher nur schwer vorstellen. Dass die Pumpe auf dem Hof bis in die 1980er Jahre die einzige Wasserversorgung für das Haus war, erstaunte vor allem jene, die aus größeren Städten kamen.

Neben der Besichtigung des Schulmuseums lernten die Gäste auch weitere Sehenswürdigkeiten wie Schloss und Kirche in Hundisburg sowie Museum und Haus der anderen Nachbarn in Haldensleben kennen. Und die Gastgeber beteiligten sich darüber hinaus auch mit Vorträgen an der Umsetzung der Schwerpunktthemen. Susanne Otto sprach über die Frauen im Lehrerhaushalt, Judith Vater über den Lehrer als Gärtner und Fotograf, Ulrich Hauer über Maulbeerkultur und Seidenbau. Besucht haben die Konferenzteilnehmer auch Imkermeister Ralf Bertram, wobei es um den Lehrer und die Imkerei ging. Am Sonnabendabend plauderte Matthias Müller, Kantor und Harmoniumrestaurator, unterhaltsam über den Kantor und sein Harmonium.