Haldensleben l „Was das Porzellan für Meißen ist, ist die Keramik für Haldensleben.“ Mit diesem vielversprechenden Vergleich hat Museumsmitarbeiterin Judith Vater die Sonderausstellung „Es war einmal ... Haldensleber Keramik 1945 - 1995“ eröffnet.

Dieses besondere Ereignis lockte zahlreiche Keramik-Interessierte an, die Museumsleiter Ulrich Hauer freudestrahlend begrüßte: „Das hier ist unser Beitrag zum Jubiläum ‚1050 Jahre Haldensleben‘, dazu gehören schließlich auch 200 Jahre Keramik“, erklärte er den Anlass der Ausstellung. „Wir haben das Thema schon oft bei uns im Museum behandelt. Dieses Mal wollten wir aber den Hauptaugenmerk auf Stücke aus der Gegenwart legen. Schließlich gibt es ja jetzt noch Zeitzeugen, die uns berichten können“, sagte er.

Und die Zeitzeugen haben einen Großteil der Besucher ausgemacht, was besonders Judith Vater freute. Mit dem Projekt möchte sie das kulturelle Zentrum der Stadt ins Museum holen. „Wir wollen Kultur, die nicht mehr da ist, wieder sichtbar machen“, erklärte sie und forderte ihre Gäste auf: „Lassen Sie uns wieder schwelgen, lassen Sie das Museum in Haldensleben ein Treffpunkt sein.“

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Bereits an diesem Abend merkte man, dass das gelingen könnte. Noch vor der Eröffnung trafen sich Keramik-Fans im Innenhof des Museums zu einem gemütlichen Plausch am Lagerfeuer. Den gesamten Abend über gab es rege Gespräche unter allen Anwesenden.

Wichtig ist der Museumsmitarbeiterin vor allem die Einordnung dieser Ausstellung. Es solle sich nämlich nicht um eine Exponatschau, sondern um ein Forschungsprojekt handeln. „Gerade wenn man die Stücke gemeinsam anguckt und darüber spricht, erfährt man noch mehr. Dann entsteht eine Gesprächsrunde, in der man Wissen austauscht. So kann sich diese Sonderausstellung immer weiterentwickeln“, erklärte Judith Vater.

Aktuell habe das Museums-team so vieles wie möglich in den Ausstellungsraum gebracht, „und eigentlich müssten wir ihn wegen Überfüllung schließen“, scherzte sie. Weiter sagte sie mit einem Schmunzeln: „Wir haben so viel hineingepresst, wie möglich, alles stapelt sich schon.“

Bürger steuerten Schätze bei

Der Raum war in der Tat gut gefüllt, aber dennoch wurde jedes Teil liebevoll arrangiert. Nach Jahresdaten sortiert sammelten sich Geschirr, Vasen und kleinere Skulpturen in den glänzenden Vitrinen. Vieles davon stammt aus dem Sammlungsbestand des Museums, mit dabei sind aber auch zahlreiche Leihgaben und Schenkungen der Haldensleber Bürger. „Danke, dass Sie uns in Ihr Leben blicken lassen“, sprach Judith Vater in die große Runde. „Wenn Sie etwas vermissen, so hängt es vielleicht in unserem Katalog an der Wand, es ist längst nicht alles aufgebaut, vieles noch eingepackt“, erklärte sie.

Besucher und Spender Dieter Günther, den Judith Vater in ihrer Rede dankend erwähnte, erspähte die Zeitzeugnisse, die er zu Verfügung gestellt hat, schnell. Sein halbes Leben lang war er in den keramischen Werken Haldensleben tätig. „1958 habe ich meine Lehre in der Keramikindustrie gemacht. Als Rentner war ich auch noch in den keramischen Werken tätig, habe Glasuren mitentwickelt“, berichtete er. Aus der Zeit um 1990 stammt sein gelber Zwiebeltopf, der in dem Ausstellungsraum für einen fröhlichen Farbklecks sorgte. Der Keramik-Experte war begeistert von Judith Vaters Konzept. „Die Idee mit der Gesprächsrunde ist wirklich einzigartig. Ich hoffe, dass das Projekt viel Gesprächsstoff weckt“, so Dieter Günther. Die Sonderausstellung wird noch bis Ende 2017 gezeigt. Am Montag, 5. Dezember, um 19 Uhr führt Judith Vater durch die Ausstellung und beantwortet Fragen zur Haldensleber Keramik. Der Eintritt ist kostenlos.