Walbeck l Was haben Wunderbüdel Martin, ein Superbowler sowie Martin vom Duo Heidi & Martin mit dem Walbecker Ortsbürgermeister gemeinsam? Eigentlich gar nichts, doch beim genaueren Betrachten alles, denn dank seines schauspielerischen Talentes, seiner Energie und seiner Schlagfertigkeit ist Martin Herrmann, Walbecks Ortschef, eine der Stützen des Walbecker Karnevals. Zugegeben, einer von vielen, die ein gut dreistündiges Programm voller musikalischer, tänzerischer und satirischer Höhepunkte der Karnevalssession 2017 auf die Beine gebracht haben.

Rund 180 Besucher verwandelten das Bürgerhaus „Ulrich Mühe“ zur ersten Karnevalsveranstaltung des Jahres in einen brodelnden Hexenkessel voller guter Laune und Stimmung. Beim Schunkeln, Klatschen und Jubeln geriet der Saal so manches Mal schier aus dem Häuschen, wenn die Damen und Herren und natürlich auch der Nachwuchs des Walbecker Karnevalclubs (WKC) eine Zugabe nach der nächsten drauftun mussten, um den Stimmungshunger der Zuschauer zu stillen.

"Pausenquartett" animiert das Publikum

Traditionell läutet der Nachwuchs, die Walbecker Hünde, das Programm ein, in diesem Jahr gleich mit zwei Tänzen, nur kurzzeitig zum Umziehen unterbrochen durch die Büttenrede von Martin, dem Wunderbüdel. Der hatte so seine ganz eigenen Erfahrungen mit Potenzproblemen seiner Freunde am Stammtisch erörtert. Um den Nachwuchs muss es dem WKC gerade gar nicht bange sein. Die Hünde bilden altersmäßig eine so ausgedehnte Gruppe, dass zwei verschiedene Tänze für die jüngeren und die älteren Kinder zu einem verbunden wurden. Allzuviel kann ja leider noch nicht verraten werden, denn die nächsten beiden Sonnabende geht es in Walbeck noch einmal auf die nächtliche Narrenpiste, doch ein Besuch lohnt in jedem Fall.

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Für den ersten saalfüllenden Chor des Abends sorgte das „Pausenquartett“ in Trio-Besetzung. Mit einem Udo-Jürgens-Medley seiner schönsten und bekanntesten Melodien rissen die Männer das Publikum von den Stühlen und zum Mitsingen hin. Da durfte der „Griechische Wein“ als Zugabe natürlich nicht fehlen. Als englischer Kolonialoffizier hatte Hans-Werner Kraul seinen ganz persönlichen Jahresrückblick auf die Lokal- und die Weltpolitik in Reimform gebracht, um so manche verquere Wahrheit aus Politik und Entertainment auf die Schippe zu nehmen.

Kräftig den Hammer schwangen die „Knaller von der Aller“, die dem deutschen Bruttosozialprodukt tänzerisch kräftig auf die Sprünge halfen. Und dass Walbecker Kinder nicht nur hervorragend tanzen, sondern auch singen können, bewiesen die „Allergören“. Sie besangen die morgendlichen Schwierigkeiten mit dem „aus den Federn kommen“ und von einem schier unmöglichen Leben ohne Handy.

Ein Gast kam aus dem Spreewald

Zu alt für die Hünde, aber zu jung für die Damenriege legten „Cold as ice“ eine eigenchoreografierte Tanznummer aufs Parkett. „Allerlei“ Gesang brachte die Stimmung im Saal auf einen absoluten Höhepunkt, denn alle Anwesenden im Saal waren sich einig: „Scheiß drauf, Walbeck ist nur einmal im Jahr“.

Moderator Thomas Wetteborn schritt im Laufe des Abends suchend durch die Zuschauerreihen. Nicht nur aus Walbeck, sondern auch aus Schwanefeld und Weferlingen, aber auch aus Gardelegen waren Gäste zu entdecken. Die weitestes Anreise hatten jedoch ein Herr aus dem Spreewald und noch weiter aus Lambertheim bei Mannheim angetreten. Die Anreise aus Hessen war dem WKC-Chef dann sogar eine Flasche Sekt wert.

Mit der Tanzgruppe Breeze ging es „Saturday night“ auf die Partymeile, ehe Heidi und Martin als Klatschtanten Mariechen und Waltraud ihren großen Auftritt hatten und unter anderem davon berichteten, dass nach 40 Jahren aus der 4,5-Zimmer-Wohnung wieder eine 5,5-Zimmer-Wohnung wurde. Hinter der glücklich erworbenen, aber viel zu großen DDR-Schrankwand eiche rustikal, die nach 40 Jahren zusammengefallen war, hatte Mariechen doch tatsächlich ihr verschollen geglaubtes Esszimmer wieder gefunden.

Männerballett als Cheerleader

Der Hype auf den amerikanischen Superbowl veranlasste das Männerballett zu seiner diesjährigen Nummer aus Cheerleadern und Spielern, die sich zum Knoten gebündelt einen Kampf um den Pigskin (Ball aus Schweinsleder) lieferten, während die anmutigen, bierbäuchigen Cheerleader ihre Pirouetten drehten. Bei Basti in der Bütt gab es kaum noch Grund zum Optimismus. Er zeichnete ein dunkles Bild deutscher Politik und stellte resigniert fest: „Ohne Bild-Zeitung hätte ich keine eigene Meinung.“

Nach dem Ausflug der Powerfrauen auf das Tanzparkett der 1960er Jahre schlossen „Die toten Schlüpfer“ den Gesangsreihen mit einer Hommage an die Männer und einem gesanglichen Wettstreit zwischen Dicken und Dünnen. Mit der Gruppe „Pan“ ging es im Anschluss noch weiter tanzend für alle durch die Partynacht, ehe der organisierte Taxi-Shuttle-Verkehr alle Besucher sicher nach Hause bringen sollte.

„Wir waren sehr zufrieden mit dem Abend, das Programm kam gut an und das Publikum war auch gut drauf“, freute sich Thomas Wetteborn über einen gelungenen Auftakt, der die kommenden beiden Wochenenden noch weitergeführt wird. Am Sonntag, 19. Februar, lädt zusätzlich zu den Abendsitzung ab 14 Uhr auch der Kinderfasching zum ausgelassenen Spaß in das Bürgerhaus ein.