Haldensleben l Marlene Pfuhl schreitet den 800 Meter langen und etwa 30 Zentimeter hohen Zaun entlang der B 245 zwischen Haldensleben und Bebertal ab. Alle paar Meter findet sie in den eingegrabenen Eimern eine oder mehrere Kröten. Behutsam holt sie die Tiere heraus, lagert sie in einem Eimer, um sie anschließend über die stark befahrene Straße zu tragen und dort wieder auszusetzen. Nun können die Tiere ihren Weg gefahrlos fortsetzen.

Die 20-jährige Bebertalerin leistet seit September ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Börde ab. Seit einigen Wochen sammelt sie täglich die Tiere an fünf Stellen im Landkreis ab, insgesamt ist sie für knapp zwei Kilometer zuständig. Dabei findet sie nicht immer nur Kröten. „Ich habe auch schon mal einen Salamander gefunden oder Mäuse“, berichtet die junge Frau. Wenn es viel geregnet hat und warm ist, seien es immer besonders viele Tiere. „Ich hatte schon Tage, da habe ich an die 100 Kröten nur an dieser Stelle eingesammelt“, erzählt Marlene Pfuhl während sie an der B 245 ihre Patrouille läuft.

Straßen zerschneiden Lebensräume

Die derzeit wärmeren Temperaturen lösen nicht nur bei uns Frühlingsgefühle aus, sondern auch bei Fröschen, Kröten, Molchen sowie Unken und locken sie aus ihren Winterquartieren. Nachdem sie den Winter in Wald oder Garten in frostsicheren Verstecken zugebracht haben, ziehen die Amphibien nun wieder zu ihren Geburtsgewässern, um abzulaichen.

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Während der Laichwanderungen sind Amphibien von den Auswirkungen des ständig wachsenden Straßennetzes betroffen. „Das Straßennetz spielt hier eine wesentliche Rolle, weil dadurch Lebensräume zerschnitten werden und die Amphibien auf ihrer Wanderung die Straßen überqueren müssen“, berichtet Annette Leipelt vom Naturschutzbund Sachsen-Anhalt.

„Die Erdkröte benötigt etwa 10 bis 20 Minuten, um eine 15 Meter breite Straße zu überqueren. Frösche sind zusätzlich gefährdet, weil sie nicht fliehen, sondern im Scheinwerferlicht verharren“, so Leipelt. Untersuchungen hätten ergeben, dass bei einer Verkehrsdichte von 60 Autos pro Stunde bereits 90 Prozent der wandernden Erdkröten überfahren würden, die teilweise auf ihrer Wanderung zum Laichgewässer bis zu zwei Kilometer zurücklegen können.

Tiere haben feste Routen

Die Kröten sind in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen unterwegs, weiß Peter Wölk zu berichten. Der Sachbearbeiter Artenschutz in der Unteren Naturschutzbehörde koordiniert die Arbeit der Krötenretter. Die Tiere haben immer feste Routen, denn es zieht sie immer wieder zu dem Gewässer, wo sie selbst geboren wurden.

Im Spätsommer und Herbst treten die Kröten dann wieder ihren Rückweg an. Dabei bekommen sie allerdings keine Unterstützung von der Naturschutzbehörde. „Die Rückkehr geschieht über einen langen Zeitraum und nicht so konzentriert wie der Hinweg“, berichtet Peter Wölk.

Als das Optimum bezeichnet Wölk übrigens fest installierte Krötenzäune, wie sie an der B 71 am Ortsausgang von Haldensleben in Richtung Altmark stehen. Im Landkreis gibt es allerdings nur fünf solcher festen Zäune. Alle übrigen der rund 30 Krötenzäune in der Börde werden von den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern zum Ende der Krötenwanderung wieder abgebaut. Bis zum nächsten Frühjahr.