Haldensleben l Sauberkeit wird derzeit wieder groß geschrieben in der ehemaligen Wäscherei auf dem Gelände des Ameos-Klinikums für Psychiatrie. Die „Saubermänner“ einer Reinigungsfirma haben die Bauarbeiter abgelöst und putzen das neue Physio- und Ergotherapiezentrum zur Inbetriebnahme heraus. Nur im neuen Eingangsbereich sieht es noch nach einer Baustelle aus. Unter Hochdruck arbeitet Sylvia Ziegler, die Leiterin des Bauprojektmanagements der Bau- und Technik GmbH, einer Tochter der Ameos-Gruppe, hier an einer Lösung, um die Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen.

Und so trifft im Haus 102 Altes auf Neues, sorgt für eine ungewöhnliche Mischung. Hinter alte Sprossenfenster sind moderne Fenster gesetzt worden, eine riesige Wand aus Glasbausteinen trennt die Galerie zum neuen Gymnastikraum hin ab. Doch nicht alle Forderungen des Denkmalschutzes scheinen sinnig. „Wir haben das Gebäude zwar komplett saniert, aber eine Dämmung hat das Haus trotzdem nicht bekommen“, meint Silke Ziegler. Wie sich das auf die Ameos-Energiebilanz auswirken wird, daran möchte die Ameos-Kommunikationsverantwortliche Yvonne Eichelmann noch gar nicht denken.

Schlechte Bausubstanz erschwert Sanierung

Das 90 Jahre alte Haus 102 ist das erste Gebäude des Bauprojekt-Trios, das sozusagen vor der Wiedereröffnung steht. „Wir werden die Zentrale Ergo- und Physiotherapie noch im 1. Quartal 2017 in Betrieb nehmen“, versichert der stellvertretende Krankenhausdirektor Paul Beilke.

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Mitten im Umbau steckt dagegen noch das Haus 105 und das Gebäude selbst voller Überraschungen. Davon kann Projektmanagerin Ziegler ein Lied singen. „Der Aufwand ist hier höher als geplant“, sagt sie. „Vieles wurde während der Arbeiten ersichtlich.“ So mussten beispielsweise Decken erneuert werden, auch die Arbeiten am Dachstuhl sind umfangreicher als angenommen. Das als reines Sanierungsprojekt vorgesehene Gebäude musste mittlerweile sogar teilweise entkernt werden. „Die schlechte Bausubstanz erschweren und vermehren erheblich den erforderlichen Sanierungsaufwand“, macht Beilke deutlich, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang stand der Bau aus dem Jahr 1927 leer, die Schlafsäle in dem Bettenhaus blieben nach der Wende ungenutzt. Im 4. Quartal soll hier aber wieder neues Leben einziehen – in Haus 105 wird die Geronto- psychiatrie untergebracht. Der dann komplett modernisierte Altbau bietet Platz für 40 Patienten, bislang können im Klinikum 30 betreut werden.

Elf Jahre lang um den Neubau gekämpft

Ruhig geht es auf der „Großbaustelle“ auf dem Klinikgelände zu. Nur wenige Handwerker haben derzeit am Rohbau der Akutpsychiatrie, die direkt am Wald hochgezogen wird, zu tun. „Winterbetrieb eben“, meint Sylvia Ziegler gelassen. Noch hat sie mehr als ein Jahr Zeit, um den Neubau fertigstellen zu lassen. Für das 2. Quartal 2018 plant Ameos die Inbetriebnahme.

„55 Betten sowie die entsprechenden Arzt- und Behandlungsräume sowie weitere Therapieräume werden dann hier zur Verfügung stehen“, erklärt Paul Beilke. Damit wird die Versorgung der Patienten deutlich verbessert. Derzeit sind sie in drei verschiedenen Häusern auf dem Klinikgelände untergebracht, zudem fehlt es an Betten. Mit dem modernen Dreigeschosser wird hier Abhilfe geschaffen.

An die 20 Millionen Euro kostet das Gesamtvorhaben, für das im Oktober 2014 der erste Spatenstich erfolgte. Elf Jahre lang hatte Ameos um den Neubau der Akutpsychiatrie gekämpft. Das Land Sachsen-Anhalt fördert das Bauvorhaben mit insgesamt 16,5 Millionen Euro.