Haldensleben l „Ob Manager oder Hausfrau: Depressionen gibt es überall, in allen Berufsgruppen oder Schichten“, erklärt Teilnehmerin Andrea (26) aus Hannover. Rund 4,5 Millionen Menschen seien in Deutschland betroffen. Doch einen offenen Umgang mit der Erkrankung gebe es selten. Viele Betroffene würden sich isolieren. Angehörige seien oft unsicher und überfordert.

Doch die Stigmatisierung ist gefährlich. „Sie ist wie eine zweite Erkrankung, wie ein Motor, der die Depression befeuert“, erklärt Sebastian (36) aus Bremen. Offen über Depression sprechen zu können, sich nicht verstecken zu müssen, sei dagegen eine wichtige Basis für die Gesundung Betroffener. Nicht-Betroffenen erleichtere es den Umgang mit der Erkrankung.

Um darauf aufmerksam zu machen, gibt es die Mut-Tour. Seit 2012 findet sie alle zwei Jahre statt. Bei der aktuellen Auflage reisen vier Teams durch Deutschland. Dabei sind Menschen mit und ohne Depressionserfahrung gemeinsam unterwegs, die sich vorher nicht kannten.

Sie brechen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an verschiedenen Orten auf. Doch ein symbolischer Zieleinlauf für alle findet am 3. September in Bremen statt. Unterwegs wollen die Teilnehmer Ängste und Vorurteile abbauen. Die Resonanz sei in der Regel durchweg positiv. Das Team, das Haldensleben besucht hat, machte sich in Leipzig auf den Weg nach Münster. Jeden Tag legt es rund 60 Kilometer zurück. In der Regel übernachten die Teilnehmer im Freien. Dabei kombinieren sie mehrere Aspekte, die im Kampf gegen Depressionen hilfreich seien können: Bewegung, der Kontakt zur Natur sowie ein Gemeinschaftsgefühl - was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen handelt. Veranstalter der Mut-Tour ist der ADFC Bremen. Getragen wird das Projekt durch die Deutsche Depressionsliga. Weitere Partner und Unterstützer sind unter anderem die Deutsche Rentenversicherung sowie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Zu den Fürsprechern der Kampagne zählen Prominente wie Willi Lemke und Harald Schmidt.

Mehr Informationen gibt es unter www.mut-tour.de. Ein Ansprechpartner für von Depression Betroffene in der Region ist der Sozialpsychiatrischer Dienst des Landkreises.