Flechtingen l Die Schlange am Einlass brach lange nicht ab, immer wieder kamen noch Gäste, die persönlich von Flechtingens Bürgermeister Dieter Schwarz begrüßt werden wollten. Zahlreiche Geschenke, Blumen und Umschläge wurden übergeben. In gut einer Woche übergibt Dieter Schwarz seine Amtsgeschäfte als ehrenamtlich tätiger Bürgermeister an seinen im Oktober gewählten Nachfolger Tim Krümmling, der auch zum Empfang gekommen war.

Damit geht eine Ära zu Ende, dessen waren sich alle rund 120 Gäste im Festsaal des Kurhauses Flechtingen an diesem Vormittag einig. Viele von ihnen wollten dem Bürgermeister danken und ihren Respekt zollen vor einer mehr als ein Vierteljahrhundert bekleideten Amtszeit, in der Dieter Schwarz viele Verdienste um die Gemeinde errungen hat.

Vision wird zur Zukunftsperspektive

Gemeinderätin Christa-Maria Voigt hatte als langjährige kommunalpolitische Mitstreiterin an seiner Seite die Aufgabe übernommen, die Sicht des Rates auf Dieter Schwarz‘ Amtszeit Revue passieren zu lassen. „Ich habe einen zwei Seiten langen, eng beschriebenen Zettel mit Stichpunkten bekommen. Das kann ich nicht alles aufzählen“, sagte sie.

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Wohl aber einige besonders große Meilensteine der Amtszeit von Dieter Schwarz kamen an diesem Tag in verschiedenen Redebeiträgen zur Sprache. „Du hattest die Vision eines Kurortes Flechtingen, und das ist gelungen“, sagte die Gemeinderätin. Und 1999 war es soweit, Flechtingen wurde staatlich anerkannter Luftkurort, vom Kuh-Ort zum Kur-Ort.

Doch bis dahin war es ein langer Weg, der mit der politischen Wende 1989 begann. Dieter Schwarz stellte sich an die Spitze der Bewegung in Flechtingen, moderierte die Runden Tische, war zunächst Ortsvorsteher und wurde 1992 zum Bürgermeister gewählt. Aus seiner gegründeten Bürgerinitiative erwuchs später die Freie Unabhängige Wählergemeinschaft, der er bis heute die Treue hält.

Einsatz für den Klinikbau

Neben seiner Tätigkeit als Tierarzt engagierte er sich vielfältig, setzte sich für den Bau der ersten Reha-Klinik ein, der später die zweite folgte. Kurhaus, öffentliche Toilette, ein Leitsystem - die Auflagen für den Status Luftkurort waren hoch, zumal parallel auch Industrie und Wirtschaft nicht vernachlässigt werden durften. Unternehmen wie die Norddeutsche Naturstein GmbH oder Rockwool sind nicht nur Arbeitgeber, sondern auch ständige Wegbegleiter und Unterstützer in der und für die Gemeinde. NNG-Geschäftsführer Uwe Werner und Rob Meevis von der Rockwool GmbH würdigten wie auch Wolfgang Otto von der Grundreal GmbH diese Zusammenarbeit mit Dieter Schwarz in eigenen Redebeiträgen. „Sie haben mit einer reibungslosen Zusammenarbeit verschiedene Ansiedlungen auf den Weg gebracht“, so Wolfgang Otto. In der demokratischen Politik sei es nicht einfach, die Initiative zu ergreifen. Doch hier sei es gelungen, schnell die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch Dieter Schwarz konnte etwas bewirken, er habe kontinuierlich erneuert und verbessert.

„Als Macher, Organisator und Motor“, wie Christa-Maria Voigt es beschrieb, gelang es ihm, alle Konflikte auszuräumen, ohne sich je entmutigen zu lassen. Der Gemeinderat konnte stets auf sein Fachwissen zählen, lobte die Rednerin. So sei es stets gelungen, für das Gemeinwohl Einigkeit zu erlangen.

Zur 1050-Jahr-Feier im Jahr 2011 wurde Dieter Schwarz zum Ehrenbürger seiner Gemeinde ernannt. Am Donnerstag nun die nächste Überraschung für ihn: Die Kurpromenade am Flechtinger Schloss-See trägt nun den Namen „Kurpromenade Dr. Dieter Schwarz“.

Ehrennadel des Landes bekommen

Landes-Innenminister Holger Stahlknecht hatte nicht nur viele persönliche Worte um die Verdienste von Dieter Schwarz mitgebracht, sondern auch die Grüße des Ministerpräsidenten und die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt. Für Angelika Schwarz gab es Blumen, denn schließlich gehöre zu jedem starken engagierten Mann auch eine Frau, die ihm den Rücken freihält.

Später kam auch noch Landes-Verkehrsminister Thomas Webel, der mit Dieter Schwarz schon in seiner Zeit als Landrat des Ohrekreises zusammengearbeitet hatte. Der Landrat des Landkreises Börde, Hans Walker, sprach von „vielen Leuchttürmen im Landkreis, doch Flechtingen als Luftkurort ist schon etwas Besonderes“. Zielstrebig, orientiert und nicht immer kompromissbereit hätte Dieter Schwarz seine Ziele verfolgt. Auch wenn er dabei nicht allein gestanden habe, brauche es doch eine starke Führung bis zum Ziel, so der Landrat. Er sei froh, dass Dieter Schwarz noch im Kreistag aktiv sei und wünschte sich noch viele gemeinsame Jahre auf der Landkreisebene.

Als letzte Rednerin kündigte Verbandsgemeindebürgermeister Mathias Weiß, der durch das Programm führte, Pastorin Irene Heinecke an. sie habe sich quasi selber eingeladen, gab sie zu. Doch was wäre die weltliche Macht ohne die geistliche, fragte sie. Die Kirche stehe zwar im Mittelpunkt Flechtingens, aber der Fingerzeig zum Himmel werde vergessen. Sie verglich die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister und der Pastorin mit einem Klassiker. „Wir haben uns Worte und Aufgaben zugespielt wie Don Camillo und Pepone“. sagte sie. Dadurch hätten sich beide gegenseitig gefordert und gestärkt.

Bürgermeister fehlen die Worte

Zwischen den Rednern fiel der Dank an einen großen Flechtinger nicht weniger herzlich aus. Der Behnsdorfer Frauenchor Taktvoll unter der Leitung von Reinhard Jerchel, Pianist Christian Wiebeck, die Kinder auf dem Flechtinger Kinderstübchen und der Tanzgruppe Kichererbsen der Grundschule Flechtingen überbrachten ihre Glückwünsche in gelungenen kulturellen Beiträgen und mit selbstgebastelten Geschenken.

Nach so vielen Worten und Beiträgen fiel es der Hauptperson des Abschiedsempfangs schwer, die richtigen Worte zu finden. „Nach solcher Laudatio fehlen die Worte“, sagte Dieter Schwarz. Es sei eine Riesenüberraschung, hier sei er erstmals entmündigt worden, sagte er in Anspielung auf den Empfang, der gänzlich ohne sein Zutun organisiert worden war. „Hier sehe ich aber, dass der Gemeinderat auch ohne mich klarkommt“, lautete sein abschließender Kommentar.

„Ich bin auch nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, aber ich habe versucht, diese nicht jeden Tag zu machen“, sagte er. 20 Jahre für Flechtingen und die letzten sieben Jahre auch für die Ortsteile zu wirken, mache ihn stolz. Er sei froh, das Glück gehabt zu haben, die Geschicke über einen so langen Zeitraum mitgestalten zu können.

Das anschließende Buffet sowie sämtliche finanziellen Aufwendungen für den Empfang hatten viele der anwesenden Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft möglich gemacht.