Hundisburg l „Emotional betrachtet, bin ich auf jeden Fall Bürger dieser Stadt“, sagte Reimar von Alvensleben beim Jahresempfang der Stadt Haldensleben am Freitagabend. Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler überreichte ihm eine ganz besondere Ehrung der Stadt – das Rolandschwert. Das erhielt Reimar von Alvensleben für seine Verdienste um die Alvenslebensche Familien-Bibliothek, die seit 2012 wieder zusammengeführt und im Schloss Hundisburg untergebracht wurde, wo sie der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

„Dass diese Bibliothek heute in Hundisburg ist und dass es eine aktive Auseinandersetzung mit ihren Beständen gibt, ist zum entscheidenden Teil das Verdienst von Reimar von Alvensleben. Er hat maßgeblich dafür gesorgt, dass die Bibliothek nach einer kriegsbedingten Odyssee in den geografischen Raum zurückgekehrt ist, in dem sie einst entstand“, erläuterte Dr. Berthold Heinecke in seiner Laudatio auf Reimar von Alvensleben den Gästen.

Zahlreiche Aufgaben hätte Reimar von Alvensleben im Zusammenhang mit der Bibliothek zu bewältigen gehabt und würde es heute noch tun, dazu gehöre unter anderem die Rekonstruktion der Bibliotheksgeschichte sowie Nachforschungen nach vermeintlich verlorenen Büchern. Besonders bei Stadt und Stadtrat bedankte sich Reimar von Alvensleben dafür, dass sie sich vor gut sechs Jahren dazu entschieden, die Bibliothek nach Hundisburg zu holen.

Bilder

Auch die Landespolitik habe sich damals klar für die Übersiedlung der Bücher nach Hundisburg positioniert und tue es heute noch. „Meine Familie hat sehr tiefe Wurzeln in der Region“, erläuterte Reimar von Alvensleben gerührt und erklärte damit nicht nur, warum er sich trotz anderen Wohnortes teils als Haldensleber fühle, sondern auch, warum er das „Leuchtturmprojekt“, das auf Schloss Hundisburg samt Bibliothek und Ausstellungen entstanden ist, weiter unterstütze.

Hochachtung vor Leistung

„Haldensleben ist toll!“, verlieh seinen Gedanken auch Staatssekretär Dr. Jürgen Ude Ausdruck. Die Stadt habe viel Positives zu bieten sagte Ude, der als Kind teils bei seinen Großeltern in Haldensleben groß wurde und die Stadt lieben und schätzen lernte. Er vergaß nicht, Sabine Wendler zu loben, die ihm zufolge in der derzeit schwierigen Situation viel für die Stadt leiste indem sie besonnen und professionell die Verwaltung leite. „Meine Hochachtung davor“, so Ude.

Tatsächlich stelle sich der Zustand der Stadt für Außenstehende nicht eben einfach dar, wusste auch Sabine Wendler zu berichten. „Der Kommentator beim Fußball würde vermutlich von einer „ruppigen Partie“ sprechen, die umkämpft ist und hin und her wogt“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin über die erste „Halbzeit“ des Jahres 2017. Dieser Zustand solle jedoch nicht zu immer wiederkehrenden Diskussionen führen, sondern dazu, dass sich Stadträte und Bürger darauf besinnen, was Haldensleben ausmache. Das seien vor allem rund 19 000 tatkräftige Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten, so Wendler.

Die Unternehmen der Stadt würden ihr zufolge gut dastehen, die Arbeitslosenquote sei niedrig. Ein solider Finanzhaushalt ermögliche es nicht nur, kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen zu finanzieren, wie es kaum eine Stadt vergleichbarer Größe in Sachsen-Anhalt oder auch Niedersachsen schaffe. Auch die Modernisierung der Kindereinrichtungen könne so vorangetrieben werden, sagte Sabine Wendler und wies darauf hin, dass die Satueller Kita Birkenwäldchen im September fertig werde und ein Förderbescheid für die Sanierung der Kita Regenbogen in wenigen Tagen eingehe.

Viele Herausforderungen

Erfreuliche Nachrichten seien zudem die Vermietung der Küche im Mehrgenerationenhaus EHFA, für die der Vertrag in dieser Woche unterzeichnet werde und der Start zum Ausbau des Breitbandnetzes in diesem Sommer. In den kommenden Jahren werden Haldensleben vor große Herausforderungen gestellt. „Fachkräfte und junge Menschen für unsere Stadt zu begeistern wird in den nächsten Jahren eine existenzielle Herausforderung sein“, so Sabine Wendler.

Zudem bringe die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft notwendige Veränderungen mit sich, die nicht nur große Ballungszentren, sondern auch Haldensleben betreffen. „Wir sind gut beraten, bei diesen Zukunftsthemen nicht hinten an zu stehen“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin.

Über solche und weitere Themen kamen die Gäste des Jahresempfangs am Abend bei einem gemeinsamen Essen ins Gespräch. Für die musikalische Umrahmung des offiziellen Teils sorgten die gebürtige Haldensleberin Anna Moritz und Christian Nolte, die Stücke wie „Die Forelle“ von Franz Schubert und „Summertime“ aus dem Musical Porgy and Bess vortrugen.