Haldensleben l „Es ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber ich freue mich, dass ich einen Beitrag leisten kann“, sagt Holger Bannat. 250 Euro hat er dem Pfarrer Matthias Simon für die Sanierung des Marienkirchturms übergeben. Das Geld hat er durch den Verkauf eines selbst hergestellten Keramikmodells des Gotteshauses eingenommen. Dazu hatte Bannat eine Auktion bei Facebook gestartet, bei der der Miniaturnachbau an die Haldensleberin Nadja Peters versteigert wurde.

In der Volksstimme hatte er zuvor gelesen, dass der Kirchturm der Marienkirche saniert werden muss. „Das wollte ich unterstützen. Ich bin zwar nicht gläubig, aber Kirchen faszinieren mich. Es ist beeindruckend, was die Leute damals schon geschaffen haben“, erklärt der 55-Jährige und fügt hinzu: „Ich habe schon mehrmals kleine Schlösser aus Keramik gebaut. Da dachte ich mir: Warum nicht mal mit einer Kirche versuchen?“

Mehrstündiges Modellieren

Der gelernte Keramiker ist daraufhin zur Marienkirche gefahren und hat Fotos von ihr gemacht, um die Größenverhältnisse möglichst detailgetreu nachzubilden. In mehrstündiger Arbeit ist dann das Modell entstanden, welches er in die Ziegelei Hundisburg zum Brennen gebracht hat. Die anschließende Auktion war ein voller Erfolg. Auch Simon zeigt sich erfreut: „Das ist eine super Idee, bei der eine schöne Summe zusammengekommen ist.“

Bilder

Für die Kirchturmsanierung gesammelt hat auch der Haldensleber CDU-Stadtverband. „Als Partei sind wir der Kirche und dem christlichen Glauben verbunden. Das macht ja schon unser Name deutlich“, sagt Stadtverbandsvorsitzender Jan Braunsberger. Als er erfahren hatte, dass die evangelische Gemeinde St. Marien für die Sanierung Geld benötige, hätten sich die Haldensleber Christdemokraten überlegt, wie sie das Vorhaben finanziell unterstützen könnten.

Spenden auf Privatinitiative

Mitte Juni hatten sie daher ein Benefizgrillen organisiert und dabei 212 Euro eingenommen. Bei der Übergabe am Dienstag freut sich Pfarrer Simon über die Unterstützung. „Das nenne ich mal positive Trittbrettfahrerei“, würdigt er die Spendensammlung. Denn immer wieder erreicht die Gemeinde Geld, das auf Privatinitiative für die Turmsanierung gesammelt wurde. Dies bestärke ihn in seiner Ansicht, dass die Kirche eben allen Menschen gehöre. „Und sie ist ein Wahrzeichen der Stadt“, ergänzt Braunsberger.

Von ihm nimmt Matthias Simon aber nur das Geld entgegen, nicht die Spendenbox. „Die brauchen Sie vielleicht noch einmal öfter“, hofft der Pfarrer auf weitere Hilfe. Immerhin – gute 500.000 Euro soll die Sanierung des Kirchturms kosten. Finanzielle Unterstützung sei beim Amt für Denkmalpflege, beim Land Sachsen-Anhalt, bei Lotto-Toto und bei der Landeskirche beantragt worden. „Aus der Rücklage der Gemeinde ist das Vorhaben keinesfalls zu stemmen“, weiß Matthias Simon um die finanzielle Situation bei St. Marien.

Denn für die Notsicherung des Turmes habe sich die Gemeinde im Jahr 2015 völlig blank gemacht. Inklusive der Planung habe diese Maßnahme rund 70.000 Euro gekostet. Die eine Hälfte davon übernahm der Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt, die andere die St. Marien-Gemeinde. Damit hatte die Gemeinde ihre Finanzreserven völlig aufgebraucht. Doch um die Fördermittel zu bekommen, muss die Gemeinde sie mit einem gewissen Eigenanteil gegenfinanzieren.

Baumaßnahme auf 2018 verschoben

Wegen der ausstehenden Bewilligung der Fördermittel war die Maßnahme zunächst von 2016 auf 2017 verschoben worden. Nun soll sie aber erst im kommenden Jahr begonnen werden. „Die Turmfalken, die in diesem Jahr auf dem Kirchturm genistet haben, machten uns einen Strich durch die Planung“, erklärt Pfarrer Simon. Innerhalb von zwei Jahren soll die Turmsanierung dann aber abgeschlossen sein.

Bis dahin wird jede Gelegenheit genutzt, den Eigenmittelbestand der Gemeinde wieder zu erhöhen. So ist demnächst auch die Turmhaube der Kirche im Miniaturformat erhältlich. Denn die Haldensleber Stadtkirche wird als hölzerner „Bausatz“ Stück für Stück zum Verkauf angeboten.