Rätzlingen l „Was sagen Sie zu unserem Sportplatz? Sieht das nicht schlimm aus?“, fragte Jana Klein, Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule Rätzlingen, den Bürgermeister der Stadt Oebisfelde-Weferingen, Hans-Werner Kraul (CDU). Der Chef der Einheitsgemeinde war der Einladung des Fördervereins zu einem Rundgang über den Sportplatz gefolgt. Der Sportplatz dient den Grundschülern als Außenanlage und dem Sportverein Etingen-Rätzlingen als Trainingsstätte. Die anwesenden Eltern zeigten auf die verkrautete Aschenbahn. Außerdem muss dringend die Weitsprunggrube in Ordnung gebracht werden.

„Das Gebäudemanagement der Stadt wurde schon des Öfteren vom Sportverein benachrichtigt. Die Sportler wurden mit der Aussage, dass es keine Gelder gibt, vertröstet. Es gab Vergleiche von Aufwand und Nutzen. Das möchten wir alles gar nicht hören und uns damit auch nicht zufrieden geben“, erklärte Jana Klein. Die Vorsitzende gestand, dass der Förderverein darauf hofft, dass Kraul, der ja viele Jahre als Lehrer gearbeitet hat, andere Prioritäten setzt und veranlasst, dass der Sportplatz in Ordnung gebracht wird. Auf dem Schulgelände ist ein Hausmeister in Aktion, der würde aber die Pflege des Sportplatzes nicht schaffen und auch noch für die Kindertagesstätte eingesetzt werden. „Es geht gar nicht, dass unsere Kinder hinten anstehen. Rätzlingen hatte fünf oder sechs Jahre überhaupt keinen Spielplatz. Dann haben die Rätzlinger in Eigenregie den öffentlichen Spielplatz mit Spielgeräten, die die Rätzlinger selbst finanziert haben, versehen.“

Förderverein hat 57 Mitglieder

Wenke Markquard, Mutter von Johannes aus der zweiten Klasse, erklärte: „Ich bin selbst hier in Rätzlingen zur Schule gegangen, aber so verwahrlost sah der Sportplatz damals nie aus.“ Auch Sina Eggeling kennt den Sportplatz aus ihrer eigenen Schulzeit und erklärte: „Ich habe einen Sohn, der inzwischen die fünfte Klasse in Weferlingen besucht. Mein kleiner Sohn kommt in diesem Jahr zur Schule. Da möchte ich natürlich, dass der Sportplatz in Schuss ist und die Kinder hier vernünftig Sport treiben können.“

Regine Franke hat mit Niklas einen Sohn, der die Grundschule bereits verlassen hat und mit Tim einen Sprössling, der ab dem nächsten Schuljahr in Rätzlingen lernen soll. Auch sie kam zum Sportplatz, um den Forderungen des Fördervereins Nachdruck zu verleihen. Regine Franke und Sina Eggeling sind Vorstandsmitglieder des Schulfördervereins, der 57 Mitglieder hat.

Kraul schaute zum Vergleich auf die anderen Grundschulstandorte. „So ein Sportplatz steht und fällt mit dem Verein. In Weferlingen gibt es einen Sportverein, der die Anlage in Schuss hält. Davon profitiert die Schule. In Oebisfelde liegen die Sportanlagen zentral. Da wird alles gesteuert. Deshalb gibt es dort die Probleme nicht“, beschrieb Kraul. Die Punktspiele des SV Etingen-Rätzlingen finden auf dem Sportplatz in Etingen statt. Welche konkreten Regelungen es künftig für Sportvereine geben wird, sei nach Krauls Ausführungen noch nicht geklärt. „Wir müssen schauen, wie weit wir die Eigenbeteiligung bei der Bewirtschaftung der Sportanlagen auf die Vereine umlegen können. Im Moment bezuschusst die Stadt ja noch mit 60 Prozent die ganzen Nebenkosten. Aber das können wir uns auf die Dauer nicht leisten“, erklärte der Chef der Einheitsgemeinde.

Keine zusätzliche Kraft möglich

Die Bereitschaft der Eltern mitanzupacken, ist da. „Aber es kann nicht alles von vornherein so ausgelegt sein, dass alles auf den Rücken der Eltern geschoben wird. Gerade für die Herrichtung des Sportplatzes braucht man Profigerätschaften“, beschrieb die Vorsitzende. Als Alternativlösung schlug sie vor, dass erst mal zum Sportfest am 29. Mai die 100-Meter-Bahn und die Weitsprunganlage hergerichtet werden. „Wir wollen doch nichts unmögliches, sondern nur, dass die Grundsportarten geübt werden können“, ergänzte Jana Klein.

„Eine zusätzliche Kraft können wir nicht einstellen. Wir befinden uns in der Haushaltskonsolidierung. Da ist es juristisch untersagt, da würden wir uns strafbar machen. Wir müssen sehen, dass wir die bestehenden Kräfte effizient einsetzen oder umschichten, damit an den Brennpunkten mehr gemacht wird als woanders“, erklärte der Bürgermeister. Eine Liste mit 100 Unterschriften, die nicht nur viele Eltern der Grundschüler, sondern auch die Sportler und die Senioren des Ortes geleistet haben, überreichte Jana Klein an Kraul.