Hundisburg l Auf die historischen Obstbäume, die in unmittelbarer Nähe von Schloss Hundisburg stehen, ist Schloss- und Parkverwalter Dr. Harald Blanke besonders stolz. Er kann gar nicht oft genug betonen, dass es sich dabei nicht um eine schnöde Streuobstwiese handeln würde, sondern um eine ganz gezielte Ansammlung von Bäumen, deren Früchte auf eine lange Vergangenheit zurückblicken können.

Nun ist ein weiteres Exemplar hinzugekommen – ein Herrgottsapfelbaum. Dass er dort gepflanzt wurde, hat seine Bewandtnis: Der Baum manifestiert einen Kooperationsvertrag zwischen dem Landestourismusverband (LTV) Sachsen-Anhalt und der Hanse Merkur-Versicherung. Das Unternehmen unterstützt die Nachhaltigkeitskampagne „Grüne Karte zeigen“ des LTV.

„Die Aktion mit den bisherigen Partnern – der Investitions- und Marketinggesellschaft und der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz in Sachsen-Anhalt – tritt nun in eine neue Phase. Das Netzwerk wird um einen Kooperationspartner erweitert, dem nachhaltiges Reisen ebenso am Herzen liegt wie die Sicherheit seiner Kunden. Schließlich zählt Reisen auch zum Tourismusbereich“, macht Bärbel Schön, die Geschäftsführerin des LTV, deutlich.

Der Versicherer, der den geschäftlichen Schwerpunkt im Reiseversicherungsgeschäft hat, betritt damit ebenfalls Neuland. Marei Michalk, Hauptvertreterin der Hanse Merkur-Versicherungsgruppe in Sachsen-Anhalt, freut sich, einen Beitrag zum Nachdenken über Umwelt und Urlaubsverhalten leisten zu können, indem das Thema aktiv angegangen wird: „Wir pflanzen heute nicht nur einen Apfelbaum mit historischem Bezug, sondern möchten dauerhaft die Kampagne des Tourismusverbandes unterstützen. Dazu haben wir eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung ausgearbeitet.“

Diese Vereinbarung in Hundisburg zu besiegeln, war die Idee von Bärbel Schön. Zum einen hat sie ihre Wurzeln in Hundisburg und ist aktives Gründungsmitglied des Vereins Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg. Zum anderen sollte die die Kooperation begründende Pflanzung in einem touristischen Umfeld vorgenommen werden. „Da eignet sich natürlich nichts besser als die Vorzeige-Anlage des Landesprojektes Gartenträume – der Barockgarten und die Parkanlage Hundisburg. Ich habe sowohl das Gartenträume-Projekt als auch Schloss und Park Hundisburg seit 1991 erblühen sehen“, sagt sie.

Felicitas Remmert vom Verein Gartenträume verweist in diesem Zusammenhang auch auf das bevorstehende Gartenträume-Parkseminar. „Am Wochenende vom 28. bis 30. Oktober wird sich hier eine Vielzahl von Helfern aus ganz Deutschland einfinden, die es unseren heutigen Baumpaten gleichtun und sich unter anderem um die Neupflanzung der von einem Pilz befallenen Buchsbaumornamente im Barockgarten kümmern.“

Es sei bereits das zweite Parkseminar, das in Hundisburg stattfindet, meint sie. Es sei zielgerichtet mit der Kultur-Landschaft organisiert worden, um „dieser wertvollen barocken Anlage wieder ein gesundes Aussehen zu verschaffen und ein Zeichen für die Wertigkeit dieses Kleinodes im Landkreis Börde zu setzen“. Selbst aus London würde ein Teilnehmer extra für dieses Seminar anreisen, ergänzt Remmert.

Auf die Idee, ausgerechnet einen Herrgottsapfelbaum zu pflanzen, ist Harald Blanke gekommen. Diese Baumsorte, die bereits im Jahr 1537 erwähnt wurde, hat auch einen Eintrag in den Kräuterbüchern bekommen, die Bestandteil der Alvenslebenschen Bibliothek sind. Die Sammlung ist vor zwei Jahren wieder zusammengeführt worden und hat seitdem ihren Platz im Schloss Hundisburg.

„Mit dieser Pflanzung vervollständigen wir die historische Obstsammlung alter Sorten auf Schloss Hundisburg. Denn den Herrgottsapfel gab es nachweislich schon als Sorte zu Luthers Zeiten“, erklärt der Park- und Gartenverwalter auch mit Hinblick auf das bevorstehende Lutherjahr. Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Er leitete damit die Reformation ein, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen führte.

Der Herrgottsapfel würde nun die 80 historischen Obstbaumsorten, die mittlerweile ihren Platz vor dem Schloss gefunden haben, ergänzen. Das Bäumchen, das Bärbel Schön, Harald Blanke, Felicitas Remmert, Marei Michalk sowie Katja Hieckmann von der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz gemeinsam gepflanzt haben, hat Blanke in der Pfalz entdeckt. „Zu Martin Luther passt nämlich nur eine Handvoll Obstsorten, die es bereits zu seinen Lebzeiten gab“, hatte er herausgefunden.

„Nennen wir ihn nun Luther-Baum oder Herrgottsbäumchen – ich würde mich jedenfalls freuen, wenn dieser Baum Aufnahme in das neu geschaltete Portal ,Lutherbäume‘ findet, auf dem weltweit in dieser Tradition gepflanzte Bäume verzeichnet sind“, ergänzt Hans Joachim Döhring, Projektkoordinator bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, mit Verweis auf die Internetseite www.lutherbaum.de.