Schönhausen l Das Fest für Demokratie, bei dem „Brücken gebaut“ wurden, erfreute sich vieler Besucher. „Wer wir sein und wie wir leben wollen, zeigen wir heute mit einem eindrucksvollen, vielfältigen Kulturprogramm, in das der SOS-Kinderlauf integriert ist. Möge das achte Fest ,Kunst für Demokratie‘ zum Nachdenken anregen und viel Spaß machen!“ Damit eröffnete Dr. Andrea Hopp, als Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Jörg Hellmuth, der ehemaligen Landtags-Vizepräsidentin Helga Paschke und Mario Blasche vom Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit zum Vorbereitungsteam gehörend, des Demokratie-Fest. Auch die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land mit Bürgermeisterin Steffi Friedebold stellte sich hinter die Initiatoren. Und der Landtag. Als dessen Vertreter stand Wulf Gallert (Die Linke) auf der Bühne. Er freute sich beim Blick übers Publikum „zu sehen, wieviele Menschen sich für Toleranz und Weltoffenheit einsetzen und wir damit zeigen: Nicht mit uns! Wir besetzen die öffentlichen Plätze für Demokratie.“ Angesprochen hat er damit Rechtsgerichtete, die Bismarcks Geburtstag am 1. April alljährlich für ein Treffen in Schönhausen nutzen.

Ausländische Gäste tanzen

Unter den Gästen im Park waren auch Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in Klietz sowie Asylsuchende, die bereits ein Zuhause in Tangermünde gefunden haben. Sie zeigten am Nachmittag tanzend vor der Bühne ihre wiedergewonnene Lebensfreude. Und Amer aus Damaskus, 2015 mit zwei Söhnen aus Syrien in Klietz angekommen und inzwischen in Tangermünde wohnend, sagte: „Deutschland ist sehr gut zu uns, Danke!“ Auf der Bühne hatte zur Eröffnung Rainer Trunk und Band gespielt, außerdem wurde getrommelt.

Die Verpflegung hatte das DRK übernommen. Zusätzlich zu Nudeln mit Tomatensoße gab es im Zelt Kuchen, den Frauen aus der Region gebacken hatten. Den Kindern schmeckten auch Zuckerwatte und Popcorn.

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Dank für Fördermittel

Zum Motto 2017, „Brücken bauen“, sagte Andrea Hopp: „Mit Brücken sind nicht nur die gemeint, die wir um uns herum sehen, sondern auch im übertragenen Sinn die alten und neuen Vernetzungen, erkennbar zum Beispiel an den vielen Ständen von Vereinen und regionalen Initiativen. Wir wollen Brücken bauen, während anderswo Mauern errichtet werden: künstlerische Brücken zwischen den Generationen, den Religionen, zwischen Mensch und Natur, den Regionen und Gemeinden, zwischen Neuankömmlingen und Alteingesessenen oder zwischen Ost und West.“ Ihren Dank sprach sie für die Bereitstellung der Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend über den Verein „Kinder stärken“ aus.

Zwei Schulchöre singen

Die Kinder waren es auch, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen. Verschiedene Netzwerke und Vereine hatten für sie Stationen mit Spiel und Spaß aufgebaut. Zirkus Knopf gab eine unterhaltsame Vorstellung. Und die Kinder waren selbst aktiv, singend beispielsweise: Der Klietzer Schulchor hatte Verstärkung von Kindern aus Mazedonien, Albanien, der Türkei und dem Kosovo. Sie sangen „Wir sind Kinder dieser Welt“ oder „Freunde wie wir“. Bei den Schönhauser Grundschülern gehörten „Lieder, die wie Brücken sind“ zum Programm.

Wuster baut größte Brücke

Und die Schönhauser sind für ihren kreativen Brücken-Beitrag auch ausgezeichnet worden. Eine Jury hatte ihr Schulmodell als besonders gelungen befunden. Ebenso den Beitrag vom Tangerhütter Netzwerk „Neue Nachbarn“, vertreten durch Anke und Manfred Hain. Unter anderem haben sie ein Begegnungscafé und auch ein Gartenprojekt. Zusammen mit Kindern hatten sie aus Karton und Papier ihre Sicht auf Brücken gestaltet.

Die größte ausgestellte Brücke stammte von Jörg Hellmuth aus Wust. Zusammen mit seiner Tochter Lisa hatte er alte Bretter in der Scheune zusammengesucht und zusammengeschraubt. Als Geländer dienten Äste aus dem Wuster Park. „Irgendwo in Wust“ soll sie aufgestellt werden.

Kinder erlaufen rund 1000 Euro

Für den Kinderlauf, zum neunten Mal unter Regie von Berbel Wischer organisiert, meldeten sich dieses Jahr über 70 Mädchen und Jungen an. Sie liefen rund um die Kirche und machten es damit wieder möglich, dass rund 1000 Euro an den Verein „Save the Children“ gespendet werden können (dazu morgen mehr).

Den Brückenratewettbewerb haben Arienne Kiesling aus Klietz und Jana Buschening aus Neuermark-Lübars gewonnen – sie haben die meisten der 27 fotografierten Brücken erkannt.

Über 300 Luftballons steigen hoch

Den bunten Abschluss fand das Fest für Demokratie mit dem Luftballonsteigen. Die Schulsozialarbeiter der Grundschulen Klietz, Sandau, Schönhausen/Wust und Havelberg, der Sekundarschulen Tangerhütte, Tangermünde und Havelberg sowie der Ganztagsschule Stendal (gefördert über den Europäischen Sozialfonds) hatten über 300 Ballons vorbereitet, die mit demokratischen Wünschen versehen in den Himmel stiegen und hinaus in die Welt flogen.

Mit dem Zusammenwirken von so vielen Netzwerken, Vereinen und Institutionen bei „Kunst für Demokratie“ sei eine neue Qualität erreicht worden, freuten sich die Initiatoren am späten Nachmittag über den Erfolg.