Klietz l Die Schaufel des Baggers legte in einem Meter Tiefe Werksausweise frei, die aus der Zeit zwischen 1934 und 1944 stammten. Zu dieser Zeit befand sich am Klietzer Ortsrand das Werk der Sprengchemie, in dem 1937 immerhin 2000 Beschäftigte tätig waren. Es handelt sich um zehn laminierte Werksausweise, die die lange Zeit in der Erde recht gut überstanden haben. Die Passbilder sind zwar nur noch schemenhaft zu erkennen, aber Namen, Adressen, Geburtsdaten und weitere Angaben kann man mit ein bisschen Mühe entziffern. Außerdem enthalten sie Stempel mit „Franzose“ oder auch „Ostarbeiter“. Auf weiteren fünf Zinkplatten, die möglicherweise am Spint angebracht gewesen sein könnten, sind die Namen von fünf Personen eingestanzt – sie gehören Personen, die in Klietz, Lübars und Tangermünde lebten. „Wir haben Kontakt zur Deutschen Kriegsgräberfürsorge aufgenommen. Vielleicht lässt sich mit diesen Namen das ein oder andere ungeklärte Schicksal klären“, sagt der Infrastrukturfeldwebel Patrick Müller. Außerdem wird derzeit versucht, anhand der Namen Hinterbliebene aus der Region ausfindig zu machen.

Neues Wachgebäude samt Kasernenzufahrt

Generell wird mit der Geschichte des Klietzer Bundeswehrgeländes sensibel umgegangen. „Die Bauarbeiter sind angewiesen, auf Fundstücke zu achten und diese auch zu melden.“ Patrick Müller rechnet damit, dass in den kommenden Monaten noch mehr zutage treten könnte. Denn es stehen weitere Bauarbeiten an: Schon in naher Zukunft – im Juni – soll das neue Wachgebäude und damit die neue Zufahrt von der Platzrandstraße in Betrieb genommen werden. Die schmale Zufahrt vom See aus wird dann nur noch für den Notfall geöffnet. Knapp eine Million Euro werden inklusive neuer Zaun- und Toranlage investiert. Nächstes Jahr erfolgt dann die Aufweitung der Platzrandstraße mit Abbiegespuren zur Kaserne. Und auch der Radweg von Klietz, der derzeit nur bis zum Hubschrauberlandeplatz führt, wird bis zur Einfahrt um rund 300 Meter verlängert.

Ab dem dritten Quartal werden Wege und Parkplätze auf dem Gelände der Kaserne im Walde neu angelegt, außerdem werden Wasser- und Abwasserleitungen neu verlegt.

Stabsgebäude wird bis Jahresende bezogen

Wenn nun alles nach Plan verläuft, soll das Haus 1 (einst Verwaltung der Munitionsfabrik, dann Lungenheilstätte und später bis zur Wende Schulungsgebäude des Militärwissenschaftslichen Instituts) Ende des Jahres vom Bereich Truppenübungsplatzkommandantur OST, der Truppenübungsplatzkommandantur und von Teilen des Bundeswehrdienstleistungszentrum bezogen werden. „Nach Plan“ ist es anfangs, im Herbst 2016, nicht verlaufen. Denn es stellte sich heraus, dass im Fußboden Asbest verbaut war. Alles musste raus und neuer Gussasphalt rein. Das ist nun erledigt und es wird weitergebaut. Die beiden freiwerdenden Neubaublöcke dienen dann als zusätzliche Truppenunterkunft.

Zauneidechsen werden umgesiedelt

Weitere Investitionen plant die Bundeswehr auf dem Schießgelände. Dazu gehört der Bau einer sogenannten Breachinganlage im Brandenburger Bereich. In dem zweigeschossigen massiven Gebäude können Soldaten das Sprengen von Zugängen durch verschlossene Fenster und Türen oder durch Decken üben – einzigartig in Deutschland. Außerdem entsteht ein 900 Quadratmeter großer Sprengplatz. Doch bevor es losgehen kann, muss erst einmal eine Auflage des Naturschutzes erfüllt werden: unter Schutz stehende Zauneidechsen, die auf dem Areal ansässig sind, werden bis Ende April umgesiedelt (dazu demnächst mehr).