Schollene/Rathenow l  Mit einem eigenen Atelier verwirklicht Susanne Woltersdorf, die ihre Bilder mit Annah Mo signiert, nun ihren Lebenstraum.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Bei einer Ausstellungseröffnung im letzten Herbst im Rathenower Torhaus erwähnte Susanne Woltersdorf nebenbei, dass sie auf der Suche nach Räumlichkeiten für ein Atelier ist. Die evangelische Kirchgemeinde unterbreitete ihr sogleich das Angebot, zwei Räume im Pfarrhaus zu nutzen. „Bei der Besichtigung habe ich mich sofort darin verliebt. Die Größe ist perfekt, dazu das Licht – genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Dennoch war die Schollenerin immer noch etwas zögerlich, ob sie diesen Schritt tatsächlich wagen sollte. Bedeutete es doch, sich gänzlich aus dem Berufsleben als Erzieherin zurückzuziehen, um sich ganz der kreativen Leidenschaft zu widmen. „Jemand sagte zu mir: ,Wer nicht wagt zu springen, wird nie fliegen lernen.‘ Das stimmt.“

Unterschiedliche Sichtweisen

Bereut hat sie dieses Wagnis nicht. „Ich bin einfach nur glücklich, wie sich alles gefügt hat“, erzählt sie entspannt bei einer Tasse Tee. Sie ist ihrer Familie sehr dankbar, die ihr geholfen hat, aus den Räumen ein Atelier zu machen. Es heißt „Artrium“. Seit Weihnachten ist alles eingerichtet und die ersten Kurse laufen. Denn Susanne Woltersdorf verknüpft ihr künstlerisches Schaffen mit der Arbeit mit Kindern. An der Volkshochschule in Rathenow läuft ein Kurs und freitags kommen Kinder zu ihr ins Atelier. „Es ist so eine spannende Arbeit. Unglaublich, was alles schon entstanden ist!“ Der Apfel ist das erste Objekt, dem sich die Kinder widmen. „Es geht nicht nur darum, dass die Kinder lernen, den Apfel originalgetreu zu malen. Aus der Situation heraus ergeben sich die unterschiedlichsten Sichtweisen“, ist sie immer wieder erstaunt, was der Phantasie der Kinder entspringt.

Bilder

Die theoretischen Grundlagen hat Susanne Woltersdorf bei einer mehrwöchigen Fortbildung im Kinder-Künste-Zentrum in Berlin erworben. Malerei, Klangkunst und Ausdruckstanz waren die Inhalte. „Das umzusetzen, dafür bleibt im Kindergartenalltag oftmals gar keine Zeit. Das habe ich während meiner Arbeit als Erzieherin immer so sehr bedauert.“

Kurse für Kinder und Erwachsene

Deshalb bietet Susanne Woltersdorf nun nicht nur die Kurse an, sondern gestaltet auch Kreativevents für Kinder, aber auch für Erwachsene. Sie können zu ihr ins Atelier kommen, „aber ich gehe natürlich auch gern in die Kindergärten oder Grundschulen und werde zusammen mit den Mädchen und Jungen kreativ“. Eine Zukunftsvision sind Malferien in Hotels, erste Gespräche dazu laufen bereits. Auch Malkurse für Erwachsene finden statt.

Wie gut das Malen für die Seele ist, erfährt Susanne Woltersdorf am eigenen Leib. Schon als Kind war das Malen ihre liebste Beschäftigung, sie hat während der Schulzeit sogar ein paar Preise erhalten. Doch als Mutter von vier Kindern blieb in den folgenden Jahren keine Zeit mehr. Erst im Jahr 2000, als das Gefühl immer größer wurde, dass etwas fehlt im Leben, nahm sie den Pinsel wieder zur Hand. Es sind vor allem Porträts, die entstehen. Die Gesichter sind so vielfältig wie das Leben, zeigen die ganze Bandbreite der Stimmungen – von tief traurig bis himmelhoch jauchzend. In ihrem kleinen Atelier zu Hause in Schollene sind beispielsweise auch Illustrationen zum Märchen „Sterntaler“ entstanden, die Volksstimme hatte darüber berichtet.

"Will meine Zeit nicht verschenken!"

„Aber ich wollte kein Hobbymaler mehr sein, der sich nur hin und wieder mal die Zeit nimmt. Malen ist mein Leben. Das soll nicht mehr einfach nur an mir vorbeirauschen. Ich will das machen, was ich wirklich will. Damit kann ich nicht warten, bis ich Rentner bin. Ich will meine Zeit nicht verschenken, sie ist zu kostbar! Natürlich muss ich jetzt bei Null anfangen und habe meine gesicherte Existenz aufgegeben. Aber ich bin mit dem, was ich jetzt mache, viel glücklicher. Und damit auch gesünder!“

Mit ihrer Lebensfreude und Energie steckt Susanne Woltersdorf andere an. Die Kinder kommen gern zu ihr, beide aktuellen Kurse sind voll. Eltern sind bereit, für das kreative Ausleben und damit der sinnvollen Freizeitgestaltung ihrer Kinder Geld auszugeben. „Der Einfluss auf das Leben ist durchweg positiv. Sich so intensiv einem Thema zu widmen und mit verschiedenen Sichtweisen an Dinge heranzugehen, ist so bereichernd.“

"Die beste Entscheidung meines Lebens."

Das „Artrium“ ist schon jetzt, wenige Wochen nach der Eröffnung, voll mit Bildern. Susanne Woltersdorf hat „Energie ohne Ende, ich kann auch Nächte durcharbeiten“. Sie hält alles in ihrem seit Weihnachten geführten Künstlertagebuch „Kunst für mich“ fest. Manchmal ist sie selbst noch überrascht, welch entscheidende Veränderung sie gewagt hat – „die beste Entscheidung meines Lebens!“

Mehr über die Angebote und das Anliegen von Susanne Woltersdorf finden Sie unter www.soulskin.de