Klietz l Zehnmal hat die Volksstimme im vorigen Jahr den „Blumenstrauß des Monats“ verliehen. Jetzt haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Wahl und können den „Havelberger des Jahres“ küren. Bis Ende Januar stellen wir Ihnen die Kandidaten noch einmal kurz vor. Die Abstimmung läuft bis zum 29. Januar.

Deutsch lernen

„Klietzer vermittelt Grundwissen“ titelte die Volksstimme im Juli 2016. Gemeint war damit Werner Grabolle, der bei den Flüchtlingen in Klietz zweimal in der Woche ehrenamtlich die wichtigsten Grundlagen für den Aufenthalt in Deutschland vermittelt. So bringt er ihnen zum Beispiel die deutsche Sprache bei. Auch im Winter bei Minusgraden.

„Werner Grabolle steht für die ehrenamtliche Arbeit in der LAE, stellvertretend für Ans, Maggi, Christiana, Elisabeth, Sandra, Martina, Ina und auch Flüchtlinge selbst“, begründete Grit Woywod vom DRK, welches das Lager betreibt, ihren Vorschlag für den Blumenstrauß des Monats. „Er ist einzigartig, eben ein Unikat, und gehört zu den Pionieren der LAE.“

Der erste Unterricht fand im Freien statt, eine Hauswand diente als Tafelersatz, im Chor wurde das deutsche Alphabet gesprochen. Später wurde in einem unbeheizten und undichten Zelt unterrichtet – und eben auch bei Frost. Dem Klietzer war vom Land auch ein Vertrag angeboten worden, doch er wollte ehrenamtlich und damit unabhängig bleiben. „So bleibe ich loyal und kann auch Missstände ansprechen“, begründete er.

Unterrichtsstoff hängt am Hals

Seine Unterrichtsmaterialien hat er sich im Internet alleine zusammengesucht, alles musste schließlich im Zuge der Flüchtlingswelle neu „erfunden“ werden. Inzwischen ist er mit Laptop und Beamer gut ausgestattet, die Technik hat das DRK gestiftet.

Werner Grabolle spricht lieber von „Orientierungsunterricht“, denn neben der Sprache werden vor allem wichtige Grundlagen des Lebens in der neuen Heimat vermittelt: Grundgesetz, Straßenverkehrsordnung und Verkehrsmittel, Gleichberechtigung der Geschlechter, Arbeitsmarkt, Geld, Respekt, Glaubensrichtungen, Schulwesen und Steuersystem sind nur einige Beispiele. Seine gesamten Unterrichtsmaterialien trägt er um den Hals: ein USB-Stick, auf dem alles gespeichert ist.

Weil er im Ort gut vernetzt ist, besorgte er unter anderem Lehrmaterialien wie Hefte und Stifte über den Feuerwehr-Förderverein, wo er ebenfalls Mitglied ist.

Mobilisiert die Klietzer

Ferner mobilisiert Werner Grabolle andere Klietzer, um an Spenden wie Kinderwagen, Koffer oder Bekleidung zu gelangen. „Allein durch das Spenden von Nähmaschinen, Stoffen und Wolle konnten wir vielen Frauen eine große Freude bereiten“, berichtete Grit Woywod.

Zu seinen Aktionen gehörten auch die Auftritte der Marionettenbühne vom GuM aus Briest; an zwei Tagen vermittelten die Marionettenspieler vor allem den jüngsten Flüchtlingen die deutsche Sprache. Die Kinder waren begeistert – damit hatte Werner Grabolle wieder das erreicht, was er wollte.

Die Abstimmung im Internet ist möglich unter www.volksstimme.de/adj