Schollene l Allein 70 Zweiräder waren auf dem Schollener Festplatz vorgefahren, berichtete Organisator Ron Koch, welcher das zweite freie Oldtimer-Treffen in der Seegemeinde im Auftrag des Heimatvereins vorbereitet hatte. Er war gerade im Gespräch mit einem Gast aus dem Nachbarkreis Jerichower Land. Der Brettiner Lutz Schmehl kam mit einem roten Toyota-MR2-Sportwagen, er war erstmals in Schollene. Das Fahrzeug mit seinen „Schlafaugen“ stammt aus dem Baujahr 1986, damals kostete es über 30 000 D-Mark und war schon mit elektrischen Fensterhebern und elektrisch verstellbaren Rückspiegeln ausgestattet. Der Motor befindet sich im Heck, dahinter ist sogar noch ein kleiner Kofferraum.

Ron Koch hatte das Areal diesmal aufgeteilt: eine Fläche war den Fahrzeugen der Marke „Eigenbau“ vorbehalten, eine war für Autos, eine andere für Zweiräder sowie eine für die Landtechnik und Lkw. Abends spielte eine Band, der Heimatverein versorgte mit Kaffee und Kuchen, der Linde-Gastwirt mit Gegrilltem. Sogar ein Rotarmist – wenn auch nicht normgerecht mit Bart – hatte sich unter die Besucher gemischt: Bernd Büst aus Gohre bei Stendal war auf einem sowjetischen Zweirad angetuckert, einer „Dnepr“ aus dem Baujahr 1961. „Die K750 ist ein BMW-Nachbau“, berichtete der Technik-Fan. Das Zweirad ist durstig: Auf 100 Kilometer schluckt der 21 PS starke Motor zehn Liter Kraftstoff.

Motorrad fährt rückwärts

Wie auch andere alte Kräder kann das Motorrad sogar rückwärts fahren, was nebenan Uwe Leue aus Jerichow mit seiner „Ural“ demonstrierte. Ihr Motor leistet 36 PS.

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Auch eine „Forst-Ecke“ gab es, hier zeigte Jörg Riese seine historische Motorsägensammlung und ein Forstschlepper LKT 80 aus Mahlitz war zu sehen. Dieser besitzt ein Knickgelenk und wird genutzt, um Bäume aus dem Wald zu ziehen. Jörg Riese konnte seiner 15 Stücke umfassenden Sammlung an dem Tag ein weiteres Gerät hinzufügen: Ein Bekannter brachte ihm eine Stihl-Säge aus dem Baujahr 1938, allerdings ohne Schwert. Es ist nun das älteste Gerät des Forstarbeiters, der seit 20 Jahren sammelt.

Der einheimische Burkhard Grigo durfte als Sammler historischer Mopeds nicht fehlen, 15 Stück besitzt er inzwischen davon. Die „Express“ mit Sachs-Motor aus dem Baujahr 1940 war eine Damenversion, sie besaß einen tiefen Einstieg und ein Netz über dem Hinterrad.

DKW wird mit Keilriemen angetrieben

Aus dem brandenburgischen Friesack war Matthias Ebendorff-Heidepriem mit seiner historischen DKW E 200 nach Schollene gefahren. Der vier PS starke Motor des komplett restaurierten Zweirades treibt das Hinterrad per Keilriemen an. Zum Antreten muss ein Gang eingelegt werden, der Tank ist feuerverzinkt. Der Beifahrersitz kann abgenommen werden, dann hat man einen Gepäckträger.

Zu den Eigenbauten zählte das 15-PS-Gefährt vom Schollener Klaus Wolf. Eine Gartenfräse zieht einen Hänger, mit dem immer am Herrentag auf Fahrt gegangen wird – diesmal nach Garz. Im Garten werden ansonsten natürlich Pflug, Grubber oder Egge angehängt.

Mit seiner langen „Schnauze“ recht ungewöhnlich sah der ungarische Allrad-Schlepper des Warnauers Jörg Busack aus. Der Sechszylinder-Csepelmotor des im Budapester Werk „Roter Stern“ 1969 gebauten „Dutra D4K-B“leistet 90 PS. 4000 Fahrzeuge wurden in die DDR exportiert. Doch als die ZT- und Kasimir-Schlepper aufkamen, wurden die Dutras für deren Anschaffung verschrottet – jetzt gibt es in Deutschland vielleicht noch 50 Stück. Das Ungewöhnliche: Der 230 Liter fassende Tank befindet sich oben vorm Fahrerhaus.

Die nächste Aktion des Schollener Heimatvereins findet am Pfingstmontag, 5. Juni, statt: Dann lädt er zum Mühlenfest ein.