Havelberg l Derzeit laufen in der Stadtverwaltung Havelberg intensive Bemühungen, diese Gruppe zu verstärken. Basis dafür ist die Wasserwehrsatzung, die der Stadtrat im Jahr 2007 beschlossen hat. „Dass wir eine Wasserwehr vorhalten müssen, ergibt sich aus dem Wassergesetz. Zur Unterstützung der Wasserbehörde bei Hochwasser und Eisgang kommt die Wasserwehr zum Einsatz. Das ist eine Konsequenz aus dem Hochwasser von 2002“, erklärt der Leiter des Ordnungsamtes André Gerdel.

Freiwillige für die Kontrolle

Bei der Alarmstufe III werden die Deiche an Elbe und parallel meistens auch die an der Havel sporadisch bestreift. Wird die IV ausgerufen, erfolgt die Überwachung rund um die Uhr, erklärt Dieter Härtwig, Sachgebietsleiter im Ordnungsamt. Deichwachen gibt es schon lange. Es sind meist freiwillige Helfer, die bei einem stärkeren Hochwasser die Kontrolle der Deiche unterstützen. „Die Deichwachen kontrollieren die Deiche. Stellen sie Sickerstellen oder andere Auffälligkeiten fest, werden die Fachbereichsingenieure vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz hinzugerufen. Sie schauen sich die Situation an und entscheiden, was zu tun ist. Das obliegt nicht den Deichwachen, in der Regel auch nicht der Sandsackverbau. Ihre Aufgabe ist einzig und allein die Kontrolle. Bei Kleinigkeiten können sie natürlich selbst einen Sandsack verbauen“, baut Dieter Härtwig Befürchtungen von Freiwilligen vor, sie müssten die Verantwortung für die Deiche übernehmen.

Bauhofleiter ist der Chef

Bei allen bisherigen Hochwassern waren bereits Deichwachen erforderlich. Dabei kamen Bürger zum Einsatz, die sich freiwillig gemeldet hatten. Mit der Wasserwehr wird das ganze forciert. Der Leiter der Wasserwehr ist der Chef des Bauhofes Volker Kanzler. In den Ortschaften wird es eine Leitung geben, die im Einsatzfall die Deichwachen koordiniert und im engen Kontakt mit dem Meldekopf in Havelberg steht. Sie bekommt Kartenmaterial, weiß genau, für welchen Kilometerabschnitt sie zuständig ist, können die Freiwilligen, die im Ernstfall hinzugezogen werden, einweisen.

Schulungen geplant

„Probleme, Freiwillige für die Deichwachen zu finden, hatten wir nie. 2013 hatten wir zum Beispiel in Garz und in Warnau jeweils 30 Leute, die helfen wollten. Die haben wir von jetzt auf gleich eingewiesen. Mit der Wasserwehr gibt es in den Ortschaften Abschnittsleiter, die genau wissen, was zu tun ist. Sie haben Höhenpläne vorrätig, wissen, wo sich gefährdete und geschützte Bereiche befinden“, sagt Dieter Härtwig und verweist darauf, dass eng mit den Ortsbürgermeistern und Feuerwehren zusammengearbeitet wird. „Damit haben wir künftig Vorlauf im Katastrophenfall.“

Bürgermeister beruft Mitglieder

Die Mitglieder der Wasserwehr werden durch den Bürgermeister der Hansestadt berufen. Um die 20 Personen sollen als Stammpersonal verpflichtet werden. Sie können dann im Ernstfall weitere Freiwillige anleiten. Für die Mitglieder der Wasserwehr sind Schulungen vorgesehen. Erforderlich ist zudem Ausrüstung. „Da wollen wir so ressourcenschonend wie möglich vorgehen und das, was an Material vorhanden ist, nutzen“, sagt André Gerdel. „Wir haben unser Sandsacklager, Schippen, Spaten, Taschenlampen, und Bauwagen, die für die Deichwachen aufgestellt werden, sind in Teilen vorhanden. Für das nächste Jahr werden auch Neuanschaffungen von Technik und Materialien geplant“, ergänzt Dieter Härtwig. Die Technik des Bauhofes steht im Hochwasserfall außerdem zur Verfügung.

Gerätehäuser als Anlaufpunkte

Die Gerätehäuser beziehungsweise öffentlichen Räume in den Ortschaften sollen als Anlaufpunkte für die Deichwachen dienen. Die Wasserwehr läuft parallel zur Feuerwehr, damit im Ernstfall die Wehren auch noch besetzt sind. „Wir wollen in der Wasserwehr zwei bis drei Leute pro Ortschaft haben, die die Ortslage kennen. Bis auf zwei Ortschaften haben wir die Personen auch schon gefunden. Freiwillige können sich aber noch bei uns melden“, so André Gerdel. Auch die Mitarbeiter des Bauhofes werden in die Wasserwehr integriert.

Breiter aufgestellt

Angedacht ist, zweimal im Jahr Schulungen auch mit praktischen Übungen anzubieten. Demnächst soll es eine Zusammenkunft aller Freiwilligen geben, damit sie sich kennenlernen und erfahren, welche Aufgaben sie haben. Im Katastrophenfall werden sie übrigens von ihrer Arbeit freigestellt und erhalten wie alle anderen Helfer auch den Verdienstausfall ersetzt. „Es ist gut, dass wir mit der Wasserwehr künftig eine klare Struktur haben, personell breiter aufgestellt sind und auf erfahrenes und geschultes Personal zurückgreifen können, das die Wach- und Hilfsdienste übernehmen kann“, schätzt Dieter Härtwig ein.