Ristedt l Vor 905 Jahren wurde die Ortschaft Ristedt erstmals urkundlich erwähnt. Diesen Jahrestag haben die Einwohner des Dorfes sowie ihre Nachbarn aus Neu-Ristedt am vergangenen Wochenende ausgiebig bei einem dreitägigen Fest mit einem bunten Programm gefeiert. Der 905. des Ortes bot zudem die passende Gelegenheit, um auf die teils bewegte Vergangenheit zurückzublicken. Diese Aufgabe übernahm am Sonntagvormittag Marga Drebenstedt. Sie erarbeitet derzeit die Chronik des Ortes und stellte bei Vorträgen in der Kirche und im Saal der Agrargenossenschaft einen Teil ihrer bisherigen Arbeit vor.

„Ich stehe bei der Chronik noch am Anfang“, gab sie nach dem Festgottesdienst, der im Zeichen der Kirchenweihe vor 835 Jahren stand, bei ihrer kleinen Präsentation zu verstehen. Den Fokus legte sie dabei auf das Ristedter Gotteshaus. Warum sie sich die Arbeit mache, die Ristedter Geschichte aufzuarbeiten, werde sie häufiger gefragt, erklärte Marga Drebenstedt, die heute in Brandenburg lebt und Ristedt vor gut einem halben Jahrhundert verlassen hat, wie sie sagte. „Historische Betrachtungen machen mir Freude und sind von Interesse“, gab sie gleich darauf als Antwort. Für sie sei es auch keine Arbeit. Denn die hätten andere Menschen früher gehabt. Sie trage nun die Fakten zusammen. Unterstützt werde sie dabei von den beiden Einwohnern Hans-Joachim Reisener und Lothar Schwerin, die Unterlagen zur Verfügung gestellt haben, bedankte sich Drebenstedt.

Spezielle Sitzordnung

Als sie vor fünf Jahren beim 900. Dorfgeburtstag eine interessante Ausstellung zur Geschichte des Ortes gesehen habe, dachte sie, dass die vielen gezeigten Fotos nicht verloren gehen sollten. So sei die Idee für die Chronik gereift.

Zu der Ristedter Kirche habe sie eine besondere Beziehung: Dort sei sie getauft und konfirmiert worden. Sie könne sich noch an die ungeschriebene Sitzordnung von früher erinnern, berichtete sie den Gottesdienstbesuchern am Sonntag. „Wir saßen immer hinten in der letzten Reihe“, erinnerte sich Drebenstedt. Was es mit der Sitzverteilung auf sich hatte, habe sie bei Recherchen für die Chronik herausgefunden. So habe sich ein Lehrer, der im Ort lebte, im Jahr 1887 zur Einweihung der Kirche mit der Frage der Sitzordnung befasst und notiert, dass die Verteilung von der Höhe der Steuer abhängig war, die jeder „Ackermann“ entrichtete.

Überschrift noch offen

Noch handele es sich bei der Chronik nur um einen Entwurf, sagte Marga Drebenstedt. „Bislang ist noch nicht mal schlüssig, welche Überschrift sie haben wird.“ Was sie schon zusammengetragen hat, zeigte sie mittels Beamer, der die Seiten an die Wand warf. Bislang umfasst die Gliederung Kapitel über die frühe Besiedlung, die Dorfentwicklung bis zum 20. Jahrhundert, über die Zeiten der sowjetischen Besatzung, die Jahre in der DDR sowie im wiedervereinten Deutschland. Auch die Schule, Feuerwehr, Gewerbe und die Kirche sollen in eigenen Abschnitten behandelt werden. Es werde aber sicher noch Veränderungen geben, sagte sie am Sonntag.

Zur Steinzeit besiedelt

Einige interessante Fakten habe sie aber schon aufgeschrieben. Eine Aufstellung der Pfarrer des Ortes gibt es, ebenso Berichte von Visitatoren, die in den Jahren nach der Reformation eine Aufstellung über den Besitz in den altmärkischen Kirchen und Pfarrämtern erstellten. Einarbeiten konnte Drebenstedt ebenfalls eine Konfirmationsurkunde von 1914, die sie vor etwa vier Wochen erhalten hat. „Die schwirrte hier noch irgendwo auf dem Dachboden rum.“

Dass Ristedt bereits zur Steinzeit besiedelt war, belegten Funde, etwa eine Speerspitze, die in einem Garten ausgegraben wurde. Auch als Familienname käme Ristedt vor, hat Marga Drebenstedt herausgefunden. Familiennamen seien häufig von den Ortsnamen abgeleitet worden. Ristedt bedeute so viel wie Stätte am Ried, wobei als Ried der Bach im Ort bezeichnet wurde, las Marga Drebenstedt eine Erklärung des früheren Küsters und Lehrers Karl Ebeling vor.