Kunrau l Wenn die Mitglieder des Klötzer Stadtrates im Rathaus zusammenkommen, dann werden sie auch wieder über den Wolf sprechen. Wie auch schon bei den vorherigen Sitzungen steht nämlich die Verabschiedung einer Resolution auf der Tagesordnung. In dieser fordern die Stadträte die Landesregierung dazu auf, „weitergehende Maßnahmen als bisher in die Wege zu leiten, um das Konfliktpotential Wolf – Mensch in den Griff zu bekommen“, wie es in dem Entwurf heißt. Gefordert wird unter anderem, Problemwölfe abzuschießen. Bei der letzten Zusammenkunft des Gremiums im März waren sich die Mitglieder noch nicht über die Formulierung der Resolution einig. Deshalb wurde der Beschluss zurückgestellt.

Zwischenzeitlich blieb der Wolf aber weiter Gesprächsthema in der Einheitsgemeinde. So entwickelte sich eine Diskussion über das Raubtier bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Kunrau vor einigen Tagen. Pächtersprecher André Kaczensky hatte in seinem Bericht erklärt, dass man sich etwa in Schweden auf eine Obergrenze von 200 Tieren geeinigt habe. Gibt es mehr, wird der Wolf bejagt. In Sachsen-Anhalt, so zog er einen Vergleich, sollten es 90 Tiere sein. „Warum fast so viele wie in Schweden?“, stellte er als Frage in den Raum. Immerhin sei die Fläche von Sachsen-Anhalt kleiner und es gebe weniger Wald.

Sichtungen dokumentieren

Angesprochen hatte Kaczensky ebenfalls das Argument, dass wildernde Hunde für vermeintliche Wolfsrisse verantwortlich sein könnten. Die Vierbeiner seien hierzulande aber sehr vermenschlicht, sagte Kaczensky. Sie würden von ihren Besitzern gut behandelt und versorgt. Dass sie wildern, sei unwahrscheinlich. „Jäger werden keinen wildernden Hund erschießen“, sagte er. Jedem könne mal der Vierbeiner weglaufen, gab er zu bedenken. Schießt ein Jäger doch, müsse er beweisen, dass der Hund Schaden angerichtet hat. Er betonte, dass der Wolf ein streng geschütztes Tier sei, das nicht geschossen werden darf. Jäger, die es dennoch tun, verlören ihren Jagdschein, unterstrich er.

Dass es reichlich Wölfe in der Region gibt, davon ist Kaczensky überzeugt, wie er sagte. Die Tiere liefen auch am Tage herum, wären manchmal zeitgleich in verschiedenen Ortschaften zu sehen. Er frage sich, wann die Gesellschaft reagiere.

Warnschilder verunsichern

Thema war der Wolf auch in der jüngsten Sitzung des Kunrauer Ortschaftsrates. „Die Politik muss das in die Hand nehmen“, sagte Ortsbürgermeister Uwe Bock mit Blick auf die Ausbreitung der Wölfe. Entsprechender Druck müsse aus der Bevölkerung kommen, Sichtungen müssten dokumentiert werden. „Bei dem Thema Wolf wird viel dramatisiert“, sagte Ortsrat Burkhard Hartmann. Bislang sei es hier zu keiner Berührung zwischen Wolf und Mensch gekommen. In zehn bis 15 Jahren, so blickte er voraus, könnte es aber anders aussehen. Dann könnte es bei einer wachsenden Population bei den Wölfen zu Kämpfen um Territorien kommen. Eine Bürgerin äußerte ihre Sorge darüber, mit Kindern in den Wald zu gehen. Dafür sorgten die Schilder, auf denen vor dem Wolf gewarnt wird.