Magdeburg l Wie weiter mit der Elbe? Seit Jahren scheiden sich zu diesem Thema die Geister. Große Teile der Wirtschaft wollen den Fluss durch Sachsen-Anhalt zu einer leistungsfähigen Wasserstraße machen. Vertreter aus dem Umweltschutz wollen den Strom hingegen als Lebensraum für sonst selten gewordene Pflanzen und Tiere erhalten und ihm Raum zurückgeben, den die Menschen dem Fluss in den vergangenen Jahrhunderten abgetrotzt haben.

Bundesumwelt- und Bundesverkehrsministerium haben im vergangenen Jahr ein Gesamtkonzept Elbe auf den Weg gebracht. „Mit der Erstellung eines Gesamtkonzeptes sollen die unterschiedlichen Ansprüche an die Elbe gleichberechtigt miteinander abgewogen, die schifffahrtliche Nutzung des Gewässers weiterhin ermöglicht und die Grundlagen des Naturhaushaltes weiterentwickelt und verbessert werden“, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. In einem Beratergremium, das u. a. Empfehlungen formuliert, arbeiten Vertreter aus dem Umweltschutz wie aus der Wirtschaft mit.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hat in dieses nun den Magdeburger Hafenchef Karl-Heinz Ehrhardt entsandt. Während der Magdeburger Hafen dank der Niedrigwasserschleuse von zu niedrigen Wasserständen in der Elbe inzwischen unabhängig ist, sieht er die Probleme für Kapitäne vor dem Schleusentor. Er macht seine und die Position des BDB zu einer mangelnden Verlässlichkeit der Elbe als internationale Verkehrsweg, der nicht zuletzt die einzige Anbindung Tschechiens und weiter Teile Mitteldeutschlands an die Nordsee auf dem Wasserweg bildet, deutlich: „Für die Binnenelbe wird bei Niedrigwasser unterhalb von Dresden eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter an 345 Tagen im Jahr benötigt. Oberhalb von Dresden soll die Fahrrinne 1,50 Meter tief sein.“ Dabei seien auch ökologische Aspekte zu beachten, heißt es in einer Mitteilung des Bundesschifffahrtsverbands.

Kompromisse zwischen Wirtschaftlichkeit und Elbeausbau zu finden, dürfte indes auch in Zukunft nicht einfach werden. Iris Brunar vom Elbeprojekt des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sagt: „Die vergangenen Jahre zeigen ja, dass der Wasserstand in der Elbe oft über Monate deutlich unter den geforderten Werten liegt.“ Das fehlende Wasser könne weder herbeigebaggert noch herbeigebaut werden, so die Kritik an möglichen Fehlinvestitionen. Zu befürchten sei zudem ein fortschreitender Verlust des Lebensraumes Elbe mit seinen Auenwäldern und damit von Leistungen, die die Elbe unentgeltlich für den Menschen zur Verfügung stellt.

Der BDB macht jedenfalls klar, worum es ihm bei der Gestaltung der Elbe geht: „Mit Karl-Heinz-Ehrhardt zieht ein gestandener Unternehmer in dieses Gremium ein. Der BDB ist zuversichtlich, dass Karl-Heinz Ehrhardts unternehmerische Kompetenz und seine profunde Kenntnis der Praxis für ein gesteigertes wirtschaftliches Gewicht in diesem Gremium sorgen werden.“