Magdeburg l Der Name des künftigen Dommuseums hat in den vergangenen Tagen für Gesprächsstoff gesorgt. Mehr als 1000 Leser hatten so an einer nicht repräsentativen Umfrage der Volksstimme teilgenommen und sich mehrheitlich nicht für den Vorschlag der Projektgruppe „Ottonianum Magdeburg – das Museum am Dom“ erwärmen können. Ähnlich ging es am Mittwoch den Mitgliedern des Kulturausschusses. Sie stimmten mit fünf Jastimmen und zwei Enthaltungen nach ihrer Diskussion für einen Kompromissvorschlag vom Grünenstadtrat Sören Herbst.

Der Beschluss sieht den Titel „Dommuseum Ottonianum Magdeburg“ für die Einrichtung vor, in der ab Herbst 2018 Grabungsfunde die Ottonen, das Erzbistum und die städtebauliche Entwicklung am Domplatz thematisieren sollen. Magdeburgs Kulturbeigeordneter Matthias Puhle sagt: „Ich freue mich, dass die Magdeburger ein so großes Interesse an dem künftigen Museum haben.“ Er zeigte sich überrascht von der Intensität der Diskussion und sagt: „Da wir mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie mit der Stiftung Dome und Schlösser zwei weitere Partner im Boot haben, sind solche Entscheidungsprozesse für uns Neuland.“ Insbesondere für die Namensfindung habe es in der Vereinbarung zwischen den Partnern keine Festlegung gegeben.

Matthias Puhle plant nun, den Kompromissvorschlag mit den Projektpartnern zu diskutieren und zur nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 9. März einen Vorschlag vorzulegen.

Etwas dabei gedacht

Bevor über den Kompromiss entschieden wurde, hatte es einen intensiven Austausch zum Thema gegeben. Carola Schumann (FDP) meinte: „Wir sollten hier auf klare Worte setzen. Die Ottokampagne darf nicht der Maßstab für die Benennung des Museums sein.“ Ähnlich sieht das SPD-Stadtrat Christian Hausmann. Er sagt: „Als Historiker kann ich mich durchaus für lateinische Begriffe begeistern – aber so richtig eingängig ist Ottonianum nicht.“

Petra Schubert, die als sachkundige Einwohnerin im Kulturausschuss sitzt, sagte: „Wichtig ist, dass sich die Menschen mit dem Vorschlag identifizieren können. Das funktioniert mit der vorliegenden Idee nicht.“ Dagmar Brüning, Die Linke und ebenfalls sachkundige Einwohnerin, stimmte dem zu: „Ottoneum fände ich da noch etwas griffiger.“ Grünenstadtrat Sören Herbst verwies darauf, dass es nicht unbedingt der erste Teil der Namensschöpfung sei, die ihn störe: „Die PR-Experten werden sich dabei etwas gedacht haben.“ Vor allem der zweite Teil störe ihn: „,Das Museum am Dom‘? Das wirkt wirklich ein wenig bemüht.“

Mit der maßvollen Unterstützung für den Begriff „Ottonianum“ war der Kulturdezernent durchaus glücklich. Er machte deutlich: „Diese Bezeichnung ist ja nicht für die Experten.“ Die würden auch in ein Diözesanmuseum kommen. „Die Bezeichnung haben vielmehr Fachleute für die Öffentlichkeitsarbeit entwickelt, die wissen, wie das geht.“

Der salomonische Vorschlag eröffnet jedenfalls die Möglichkeit, dass alle Magdeburger ihr neues Museum wie gewünscht Dommuseum nennen, dass aber nach außen Werbung im Stile des Ozeaneums in Stralsund oder des Phaeno in Wolfsburg gemacht werden kann.

Magdeburger frühzeitig einbinden

Linken-Stadtrat und Ausschussvorsitzender Oliver Müller regte derweil an, bei wichtigen Entscheidungen die Magdeburger frühzeitig einzubinden. Durchaus hätte man ja, so der Stadtrat, dort auch die vier Vorschläge aus der Endrunde der Projektgruppe diskutieren können. CDU-Stadtrat Daniel Kraatz wies darauf hin, dass auch die Fördervereine des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und des Dommuseums eingebunden werden sollten.