Magdeburg l Nein, eine feierliche Eröffnung will er nicht mehr machen, sagt Detlef Gissendorf, „die ganze Sache hat uns genug Schmerzen bereitet“. Sichtlich froh ist der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft GWG Reform, dass das bunte Parkhaus am Schleinufer endlich geöffnet hat – fast zwei Jahre nach dem ursprünglichen Termin zum Weihnachtsgeschäft 2014.

Dass das Parkhaus nun offen ist, hat sich schnell herumgesprochen. „Wir haben bereits 61 Verträge zur Anmietung von Dauerstellplätzen abgeschlossen“, sagt der Vorstand. Weitere Anfragen liegen vor, „das Telefon klingelt häufig“. Ziel sei es, dass circa 25 bis 30 Prozent der 274 Stellplätze für Kurzzeitparker genutzt werden und der Rest dauerhaft vermietet werden kann. Das hänge letztlich aber von der Nachfrage ab.

Baukosten treiben Preise hoch

Der Stundenpreis liegt bei 70 Cent und damit 20 Cent über dem in der Bärstraße. Detlef Gissendorf verweist u. a. auf gestiegene Baukosten als Grund dafür. Die Tagesgebühr beträgt 9 Euro. Die Einfahrt in das 122 Meter lange Parkhaus mit vier Ebenen erfolgt von der Straße Zum Rotehornblick, die Ausfahrt befindet sich am gegenüberliegenden Ende an der Straße Zur Hubbrücke.

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Über die genauen Hintergründe des Bauverzugs will er weiterhin nicht öffentlich reden, weil es ein Zivilklageverfahren vor dem Landgericht Magdeburg gibt, das die Baufirma gegen die Genossenschaft angestrengt hat. Gissendorf sagt nur so viel: „Nach unserer Auffassung sind Befestigungselemente zur Anwendung gekommen, die bauaufsichtlich für diesen Verwendungszweck keine Zulassung haben.“ Ein Gutachter habe dies auch bestätigt.

Immer wieder gab es aus Sicht der Bauherrin teils „gravierende Mängel“, weswegen sie wiederholt die Abnahme des Bauprojekts verweigerte und Fristen zur Ausbesserung setzte. Ende 2015 geschah dies letztmalig, die angezeigten Mängel wurden aber nicht beseitigt, so dass die GWG den Vertrag mit dem Bauunternehmen Anfang dieses Jahres fristlos kündigte und Drittfirmen beauftragte.

Bleche erfüllen Bauvorgabe nicht

Die mehrfache Montage und Demontage des Daches oder auch der Seitenwände sorgten beispielsweise für Kopfschütteln bei Beobachtern. Die bunten Bleche auf der Schleinufer-Seite waren zunächst geschlossen, konnten so aber nicht die Vorgabe von 33 Prozent offener Fläche aus Brandschutz- und Belüftungsgründen erfüllen, so dass sie wieder abmontiert und durchlöchert werden mussten. Ebenfalls zur Sicherheit eingebaut wurde ein Atrium in der Mitte der Parkdecks.

Detlef Gissendorf will nun einen Haken hinter die Angelegenheit setzen und vorausblicken. „Nun kann endlich die hohe Nachfrage und der Bedarf nach Stellplätzen entsprechend abgedeckt werden“, erklärt er. Ein drittes Parkhaus wird die GWG (seit 2008 betreibt sie bereits eins in der Bärstraße) aber vorerst nicht bauen, fügt er an.

Das Gelände hinter dem Parkhaus gehört auch der GWG und sollte zeitnah mit Wohnhäusern bebaut werden. Aufgrund der langwierigen Probleme mit dem Parkhaus verschieben sich diese Pläne vorerst.